Archiv der Kategorie: Allgemein

Charlie Chans Welt – 1932

Wie war die Welt zu Zeiten der alten Serie? Splitter einer fernen Zeit …

+++ Krimi-Schriftsteller Edgar Wallace stirbt +++ Das Luftschiff »Graf Zeppelin« fliegt regelmäßig von Deutschland nach Südamerika +++ Franklin D. Roosevelt gewinnt die amerikanischen Präsidentschafts-Wahlen +++

Am 20. Mai 1927 flog Charles A. Lindbergh als erster von Amerika zum europäischen Festland. Er heiratete 1929. Am 22. Juni 1930 wurde Sohn Charles III. geboren.
Doch der Familie war kein ruhiges Leben vergönnt. Der Sohn wurde am 1. März 1932 entführt. Die Zeitungen übertrafen sich in Schlagzeilen und Beiträgen – die erste Entführung, die im grellen Licht der Öffentlichkeit ablief. Mehrere angebliche Entführer meldeten sich.
Wochenlanges hoffen und bangen, doch am 12. Mai wurde das Kind in der Nähe des Elternhauses aufgefunden. Es war schon in der Nacht der Entführung gestorben.

Krimi-Schriftstellerin Agatha Christie lehnte wenig später ihren »Mord im Orient-Express« an die Ereignisse an. In der Rückschau ist es nicht schwer, zu erkennen, wo Autoren die Schlagzeilen ihrer Zeit binnen kurz oder lang verarbeitet haben. Auch bei Charlie Chan …

Charlie Chan vor verschlossenen TürenKino/Kultur:

  • Letzter Charlie Chan Roman: »Keeper of the Keys« – Der Hüter der Schlüssel (Charlie Chan vor verschlossenen Türen) von Earl derr Biggers
  • Aldous Huxley veröffentlicht »Schöne neue Welt«
  • »Das Haus an der Düne« von Agatha Christie
  • »Blonde Venus« von Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, Cary Grant und Sidney Toler
  • »Shanghai Express« von Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, Warner Oland und Anna May Wong
  • »Die Mumie« und »Die Maske des Fu-Manchu« mit Boris Karloff
  • »Die Teufelsbrüder« mit Laurel und Hardy
  • »Blühender Blödsinn« von den Marx-Brothers
  • Fritz Lang dreht »Das Testament des Dr. Mabuse«

Charlie Chan Geschenkpaket

Charlie Chan - Warner Oland CollectionKochmedia beschert Chan-Fans einen angenehmen Herbst, am 8. Oktober 2015 erscheint „Die komplette Warner-Oland-Collection„.
Sie besteht aus 12 DVDs – da ist anzunehmen, dass dasselbe drauf ist, wie auf den Scheiben der 3 vorangegangenen Boxen.

  • Der Tod ist ein schwarzes Kamel
  • Charlie Chan in London
  • Charlie Chan in Paris
  • Charlie Chan in Ägypten
  • Charlie Chan in Shanghai
  • Charlie Chans Geheimnis
  • Charlie Chan im Zirkus
  • Charlie Chan beim Pferderennen
  • Charlie Chan in der Oper
  • Charlie Chan bei den Olympischen Spielen
  • Charlie Chan am Broadway
  • Charlie Chan in Monte Carlo

Bei einem Preis von knapp 80 Euro sollte sich nun auch der letzte Zögernde überlegen, sich ein Weihnachtsgeschenk zu machen 🙂
Und dann hoffen wir mal, dass Kochmedia auch nächstes Jahr einen Boxenstop bei Charlie einlegt …

Der Reihe nach

Charlie Chan carries on PosterDie ersten Charlie-Chan-Bücher (1925-32) von Earl derr Biggers waren erfolgreich genug, um praktisch umgehend zu Hollywood-Drehbüchern umgearbeitet zu werden. Das gilt in gewissen Sinne auch für seinen literarischen »Nachfolger« Mr. Moto. Bei den Verfilmungen hielten sich die Produzenten allerdings an ihre eigene Reihenfolge.

Die ersten 3 Chan-Bücher wurden zunächst in »korrekter« Reihe von verschiedenen Studios verwertet. Dann kam Warner Oland als Chan-Darsteller, und als nacheinander Verfilmungen zu Buch 5 und 4 anno 1931 erfolgreich waren, gab es eine Neuauflage zu Buch 3 im Folgejahr. 1933 war dann Buch 1 erneut dran, 1934 schließlich noch einmal Buch 2. Der sechste und letzte Chan-Krimi »Hüter der Schlüssel« wurde nie verfilmt.

think fast mr moto1934, nachdem mit Biggers Tod das Ende von Charlie Chan gekommen schien, schickte dessen Zeitung den Autor John P. Marquand nach Asien um einen neuen »asiatischen Helden« zu kreieren. Bald nach der Rückkehr des Autors erschien »No Hero« mit Mr. Moto, für den Fox die Filmrechte kaufte aber nie verwertete; auch die 3 letzten Moto-Geschichten (1938, 41, 56) wurden nie auf die Leinwand gebracht.

Nur die Bücher »Thank you, Mr. Moto« (2) und »Think fast, Mr. Moto« (3) waren Grundlage für zwei Drehbücher 1937 – allerdings in umgekehrter Reihenfolge: »Mr. Moto und der Schmugglerring«, »Mr. Moto und der China-Schatz«. Dazwischen wurde jedoch (als zweites) »Mr. Moto takes a Chance« (»Mr. Moto und der Dschungelprinz«) produziert, kam jedoch erst nach Verwertung des Chan-Reworkings »Mr. Moto und der Wettbetrug« als Vierter ins Kino. Auch der achte und letzte der 1930er-Motos hielt sich nicht an die Produktionsreihenfolge sondern wurde schon vor dem als siebten herausgebrachten gedreht.

Die meisten der Film kann man freilich in beliebiger Reihenfolge schauen, ohne dass eine ähnliche Verwirrung aufkäme 🙂

Charlie Chans Welt – 1931

Wie war die Welt zu Zeiten der alten Serie? Splitter einer fernen Zeit …

+++ Einweihung des Empire State Building +++ Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau stirbt +++ Gangsterboß Al Capone wird wegen Steuerhinterziehung zu elf Jahren Gefängnis verurteilt +++ Spanien wird Republik +++ Japan besetzt die chinesische Region Mandschurei +++

Warner Oland war bei Fox gesetzt wenn es darum ging, asiatische Schurkenrollen zu besetzten. Keine Frage, wer in den ersten Fu-Manchu-Streifen der Tonfilmzeit den absoluten Bösewicht spielte. So geschehen in „The Mysterious Dr. Fu Manchu“ (1929) und „The Return of Dr. Fu Manchu“ (1930) sowie im selben Jahr – als Cameo – in „Paramount on Parade“.

Charlie Chan carries on PosterDoch dann kam 1931 und die Verfilmung des im Vorjahr erschienenen Buches „Charlie Chan macht weiter“. Schnell schloß sich „Der Tod ist ein schwarzes Kamel“ an. Warner Oland spielte Charlie Chan, die Verkörperung des aufrechten Chinesen, der für Gesetz und Ordnung sorgt. Gewiss stand er noch einmal als Fu Manchu vor der Kamera, neben Myrna Loy in „Daughter of the Dragon“, gewiss gab er auch künftig noch den Schuft, etwa als rachsüchtiger Dr. Boris Karlov in „The Drums of Jeopardy“, gewiss …

Als Ende 1931 „Charlie Chan’s Chance“ produziert wurde, war es jedoch unvorstellbar geworden, dass man mit Warner Oland noch einmal das personifizierte Böse assozieren würde. Kein Problem: Als Charlie Chan verdiente er gut und seine Popularität stieg in ungeahnte Höhen. Für den nächsten Fu Manchu Film fand sich ein nicht Unbekannter als Ersatz: Boris Karloff, soeben als „Frankenstein“ berühmt gworden.

Kino/Kultur 1931:

  • »Lichter der Großstadt« von Charles Chaplin
  • »Frankenstein« mit Boris Karloff
  • »Dracula« mit Béla Lugosi
  • »Mata Hari« mit Greta Garbo
  • »Der Malteser Falke« – 1. Verfilmung des Dashiell Hammett-Buches vom Vorjahr; mit Ricardo Cortez – siehe Charlie Chan in Rio
  • »Entehrt« mit Marlene Dietrich und Warner Oland
  • »Die Marx Brothers auf See« (Monkey Business)
  • »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« von Fritz Lang mit Peter Lorre
  • »Der Zinker« – Erster deutscher Edgar-Wallace-Tonfilm
  • »Fünf falsche Fährten« (Five Red Herrings) von Dorothy L. Sayers
  • »Die gute Erde« (The Good Earth) von Pearl S. Buck

alias Tommy Chan: Benson Fong

Charlie Chan in the Secret Service DVDBENSON FONG erblickte am 10. Oktober 1916 in Sacramento das Licht der Welt. Sein Vater starb schon Anfang der 30er Jahre. Fong verließ die High School und ging für 5 Jahre zum Studieren nach China, wo er auf der Bühne stand, Tenor sang und in einer Jazz-Band spielte.

The chinese Cat - Lobby card 2Nach seiner Rückkehr nach Sacramento eröffnete Fong mit Verwandten einen Gemüseladen, verdiente sich aber als Kleindarsteller etwas dazu, so in »Charlie Chan in der Oper«.

1943, beim Dinner mit Freunden, fragte ihn ein Talentscout von Paramount, ob er nicht Lust hätte in Sprechrollen aufzutreten. Während des Krieges waren asiatische Schauspieler stark gesucht. Fong erhielt ein Vertragsangebot, dass er nicht ablehenn konnte. Er radelte von einem Set zum nächsten, spielte einen Japaner hier, einen Filipino da und Andertags einen Chinesen.

The Chinese Cat - LobbycardDark Alibi - Lobbycard1944 klopfte Monogram an, um Fong als Tommy Chan zu verpflichten. Im selben Jahr freundete er sich mit Gregory Peck an, der die Idee hatte, gemeinsam ein Asiatisches Restaurant zu eröffnen. Es blieb erst einmal eine Idee. Doch zu dieser Zeit traf Fong auf seine spätere Frau. Er wollte heiraten aber brauchte ein berechenbares Einkommen. Er begann zu sparen, entschlossen ein Restaurant mit eigenem Kapital zu eröffnen. 2 Jahre später eröffnete Fong mit 11000 Dollars das »Ah Fong‘s« an der Vine Street in Hollywood. Eine Hochzeit wurde gefeiert und die Ehe hatte über die Jahre fünf Kinder.

The Scarlet Clue - Poster 3Fong spielte zwar weiterhin kleine Rollen, so etwa in »Ein toller Käfer« (The love Bug, 1968) und »Kung Fu« (1972), doch das »Ah Fong‘s« erwies sich als außerordentlich beliebt. Bis 1971 folgten weitere Restaurants und Fong verbrachte seine Freizeit lieber beim Golf oder reiste durch Asien. Bis 1985 verkleinerte sich das Unternehmen nach und nach und Fong verabschiedete sich in Rente.
Am 1. August 1987 erlag Fong einem Schlaganfall. Wenn man ihn zu Lebzeiten fragte, erklärte er schlicht, einfach nur ein glücklicher Mann gewesen zu sein.

Charlie Chan oder Mr. Moto und der Wettbetrug

Imr motos gamblem Januar 1938 schien in den Fox Studios alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Die Produktion von »Charlie Chan am Boxring« stand an und würde im Frühsommer gutes Geld einspielen. Nebenher würde man auch Mr. Moto Filme drehen, zwei standen vor der Veröffentlichung.

Es kam anders: Charlie Chan-Darsteller Warner Oland, tief im Alkoholsumpf und von seiner Frau vor die Tür gesetzt, erlitt einen Nervenzusammenbruch; Drehen unmöglich. Die Produzenten gaben ihrem Star einige freie Tage, zogen andere Szenen vor, doch beide Seiten zerstritten sich. Schließlich wurden die Dreharbeiten eingestellt und die Kosten wären an Oland hängen geblieben.

MCharlie Chan in Monte Carlo - DVDan einigte sich dann doch noch: Die gedrehten Szenen sollten zu einem Mr. Moto-Film umgearbeitet werden, in dem Keye Luke als Lee Chan einen Gastauftritt hinlegte. Oland bekam ein halbes Jahr Erholungsurlaub und dann wollte man gemeinsam wieder Charlie Chan drehen. Im August war wieder alles bereit für den Dreh, doch dann starb Oland unerwartet und »Charlie Chan in Monte Carlo« blieb sein letzter Auftritt.

Derweil war Mr. Moto (Peter Lorre) als Kriminalist unterwegs. Eine gänzlich ungewohnte Rolle für den Spion, dem es egal war, ob er eine Lizenz zum töten hatte oder nicht. In »Mr. Moto und der Wettbetrug« gibt er ein Seminar, an dem Lee Chan teilnimmt und bei dem er einen Mord am Boxring lösen muss. Mr Moto Film PhileDer Film kam sogar noch vor »Mr. Moto und der Dschungelprinz« heraus, der bereits 1937 gedreht aber zurückgehalten worden war.

Spuren von Gift auf Boxhandschuhen und ein fieses Wettsyndikat sind die Ingredenzien des unausgewogenen »Mr. Moto und der Wettbetrug«, was sich durch die Entstehungsgeschichte erklären lässt. Lee Chan und ein Komillitone, der Ex-Boxer „Knockout“ Wellington, »helfen« in gewohnter Manier den Fall zu klären. Für Chan-Fans schöne Reminiszenzen, für Moto-Fans eher weniger Vergnügen.

 

Krimi-Mai

Da der Wonnemonat Mai mit schlechtem Wetter zu starten droht, gibt es gemütliche Krimikost am Sonntag, 3. Mai:
Auf SWR läuft ab 23 Uhr „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes„, beim BR zur selben Zeit „Geheimnis im blauen Schloss“ nach Agatha Christie – oft verfilmt, u.a. als „Ein Unbekannter rechnet ab“.

3sat bringt ab Freitag 8. Mai einige Male „Citizen Kane“ (23:15).
Der SWR zeigt Fritz Langs „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ am 10.5., wieder sonntags ab 23 Uhr.