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Sieben auf einen Streich: “Cinema Classics Collection 5″

Charlie Chan - Cinema Classics Collections 5Nun ist es also passiert: Die Seite mit den DVD-Boxen ist zu lang geworden. Ab sofort also eine Seite mit den DVD-Boxen und eine eigene für die Einzel-DVDs.

Weiter geht es heute mit Sieben auf einen Streich – 20th-Century/Fox lieferte im Herbst 2008 ein schönes Paket: Die fehlenden sieben Filme frisch digitalisiert zusammen in einer Box:

  • Charlie Chan in Panama
  • Charlie Chan’s Murder Cruise
  • Charlie Chan at the Wax Museum
  • Murder Over New York
  • Dead Men Tell
  • Charlie Chan in Rio
  • Castle in the Desert

 

Das nach diesem Spurt über 2 Jahre die ausstehenden Filme der Monogram-Zeit noch lange auf sich warten lassen würden, war nicht zu erwarten. Von denen demnächst mehr.

Charlie Chan auf Kreuzfahrt – Die Kritiken

Charlie Chans Murder Cruise - originaltitleNicht nur, das der Film auf Ideen und Struktur von “Charlie Chan macht weiter” basiert, nein, es gibt hier ein Deja-vu nach dem anderen. Jimmy als Steward ähnelt Lee in “Charlie Chan beim Pferderennen”, die Bettler-Masche stammt aus “Charlie Chan in Paris” und so weiter.
Tatsächlich ist das ganze durchaus eigenständig genug, doch der Humor kommt etwas kurz und die Geschwindigkeit ist manchmal etwas langsam.

Charlie Chans Murder Cruise - lobbycard3Die Kritiker sind zufrieden, aber nicht überenthusiastisch:

  • Ken Hanke (»Charlie Chan at the Movies«, McFarland & Co, 1989) findet den Film sehr amüsant und meint, er käme nicht ganz an Panama und Schatzinsel heran, wäre aber in vielerlei Hinsicht einer der besseren Toler-Chans.
  • Charles P. Mitchell (»A Guide to Charlie Chan Films«, Greenwood, 1999) sah einen ein durchschnittlichen Chanfilm der nichtsdestotrotz unterhaltsam ist.
  • »Leonard Maltins Movie Guide« (Plume, 2005) bewertet den Film als übermäßig gewöhnlich.

Allerlei zu “Charlie Chan auf Kreuzfahrt”

Charlie Chan auf Kreuzfahrt - dt title  Originaltitel: »CHARLIE CHAN’S MURDER CRUISE«
Laufzeit: 75 Minuten

Produktionszeitraum: ab spätem Januar 1940
Copyright: 20th Century/Fox
Premiere: 21.6.1940

Charlies beste Sprüche:

  • Wahrheit ist wie Öl – kommt immer an Oberfläche.
  • Sprechen ohne vorher denken wie schießen ohne zielen.
  • Unterschied zwischen Adler und Aasgeier in Dunkelheit schwer zu erkennen.
  • Nach Glocke von Hochzeit Glocke von Telefon nicht erwünscht.

Charlie Chan auf Kreuzfahrt - DVDEs spielen:

Sidney Toler [Charlie Chan]
Marjorie Weaver [Paula Drake]
Lionel Atwell [Dr. Suderman]
Sen Yung [Jimmy Chan]
Robert Lowery [Dick Kenyon]
Don Beddoe [Ross]
Leo G. Carroll [Professor Gordon]
Cora Witherspoon [Susie Watson]
Kay Linaker [Mrs. Pendleton]
Harlan Briggs [Coroner]
Charles Middleton [Mr. Walters]
Claire Du Brey [Mrs. Walters]
Leonard Mudie [Gerald Pendleton]
James Burke [Wilkie]
Richard Keene [Buttons]
Layne Tom, Jr. [Willie Chan]
Montague Shaw [Inspector Duff]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Marjorie Weaver wird bei “Charlie Chan: Mord über New York” wieder dabei sein.
Lionel Atwill ist ein wohlbekanntes Gesicht etwa aus Charlie Chan in Panama, Mr. Moto und sein Lockvogel, Der Hund von Baskerville, Frankensteins Sohn oder Unter Piratenflagge.
Auch Leo G. Carroll ist ein Veteran der “guten alten Zeit”, so war er in “Charlie Chan: Stadt in Dunkelheit” dabei, spielte später in Hitchcocks Der Fremde im Zug, bei Schnee am Kilimandscharo, Tarantula, Der unsichtbare Dritte oder Serien wie “Solo für O.N.K.E.L.”
Harlan Briggs sieht man z.B. in Nach dem dünnen Mann oder Orchid, der Gangsterbruder.
Kay Linaker spielte viel in der Serie, so in Charlie Chan in Monte Carlo, Charlie Chan in Reno, Charlie Chan auf der Schatzinsel oder Charlie Chan in Rio.
Ähnlich bei Robert Lowery. Hier stehen Charlie Chan: Mord über New York, Charlie Chan auf Kreuzfahrt, Charlie Chan in Reno oder Charlie Chan am Broadway auf der Liste.
Charles Middleton ist als Fiesling “Ming” aus den Flash Gordon Serials bestens bekannt, spielte aber u.a. auch in Die Marx Brothers im Krieg oder Dick und Doof in der Fremdenlegion

Charlie Chan auf Kreuzfahrt (worum gehts?)

 Charlie Chans Murder Cruise - poster1Ein Mörder reist in einer weltreisenden Kreuzfahrtgesellschaft mit und sucht sich ein Opfer nach dem anderen. Nach einem Attentat auf den ermittelnden Inspektor Duff, übernimmt Charlie für seinen Freund. Auf der letzten Etappe kommt ein Verdächtiger um, doch der wahre Täter plant seine letzte Untat …

(CHARLIE CHAN’S MURDER CRUISE, USA, 1940)

Charlies Söhne Jimmy und Willie suchen in seinem Büro heimlich nach einem blauen Brief für Willie. Den hat Charlie, der zur Tür reinkommt, peinlicherweise bereits mit der Morgenpost erhalten. Beinahe setzt es was, doch, wie Willie erleichtert feststellt, kommt Scotland Yard in Gestalt von Inspektor Duff gerade rechtzeitig zur Tür herein.
Der Inspektor, ein alter Freund von Charlie, ist inkognito unterwegs mit einer Reisegruppe um den Mord an einem New Yorker Richter aufzuklären. Verdächtig sind Mitglieder einer Reisegruppe von Doktor Suderman. Die Leute wohnen im Hotel Luani auf ihrer vorletzten Station, bevor die Reise in San Francisco enden soll.
Der Würger belauscht unbemerkt draußen, als Bettler verkleidet, das Gespräch in Charlies Büro, anschließend verübt er einen Anschlag auf Duff.
Mittlerweile erhält die Polizei eine Nachricht aus dem Hotel: Ein Mann ist erwürgt worden.
Charlie lässt sich von Jimmy hinfahren. Vor der Tür des Hotels trifft er auf jenen Bettler, der von dem Archäologen, Professor Gordon, beschimpft wird, weil dieser ihm bereits Geld gegeben hätte.
Der Hausdetektiv hat schon einiges herausbekommen – im Dunkeln stieß der Nachtwächter mit dem vermeintlichen Täter zusammen, wobei dessen Jackentasche zerriss. Anschließend fand er den Toten. Dessen Neffe Richard ist Anwalt und war zusammen mit Paula Drake unterwegs, als es geschah.
Der mit einem Kofferriemen Erwürgte hält einen Beutel mit 30 Silberlingen in Händen – ein Symbol für Verrat.
Der Bettler lauscht unbemerkt im Nebenzimmer, wo ein Mister Pendleton wohnt. Schleifspuren weisen darauf hin, dass der Mord nebenan geschah und so begibt sich Charlie hinüber, während der Bettler über den Balkon entweicht.
Pendleton erscheint und ist entsetzt. Er will ins Hotel Hawaii umziehen, angeblich weil es ihm zu laut ist. Charlie lässt ihn – beschattet von einem seiner Leute – gehen, aber Pendleton entkommt den Verfolgern.
Reiseleiter Suderman bringt einen zweiten Riemen der wie der Erste von seinem Koffer stammt. Da hören sie einen Schrei und einen Schuss aus einem der Zimmer …

 

 

Besser ein Remake als gar kein Chan

DVD The Black Camel Drehbuch-Recycling ist für Hollywood nichts neues.
Stummfilme wurden als Tonfilm neu aufgelegt, schwarz-weisses in Farbe, europäische Geschichten amerikanisiert, 2D als 3D wiedergeboren, Blockbuster als ReStart-Blockbuster und es wird so weiter gehen. Nicht dass man das Original zwangsläufig wiedererkennen muss – aber in Charlies Fall lagen die Remakes zeitlich so dicht beeinander, dass manch Zuschauer schon in den 1930/40er Jahren ins Grübeln gekommen sein dürfte.

Zunächst verfilmte 20th-Century/Fox fünf der sechs Charlie Chan Bücher neu, wovon 3 der alten Filme von Fox selber stammten:

  • Behind that Curtain (1929) – Charlie Chan’s Chance (1932)
  • House without a Key (1926) – Charlie Chan’s Greatest Case (1933)
  • The Chinese Parrot (1927) – Charlie Chan’s Courage (1934)
  • Charlie Chan carries on (1931) / Eran Trece (1931) – Charlie Chan‘s Murder Cruise (1940)
  • The Black Camel (1931) – Charlie Chan in Rio (1941)

Hamilton MacFadden war Regisseur von “The Black Camel” und spielte eine Mini-Rolle als Regisseur der Crew-im-Film. Im Remake “Charlie Chan in Rio” war er nur als Schauspieler dabei und dürfte geweint haben, wie man den Stoff 10 Jahre später so viel schlechter umsetzen konnte.

Monogram machte keine Remakes im engeren Sinn sondern arbeitete ältere Drehbücher um.
So startete der dritte Chan-Darsteller der Serie mit zwei gut abgehangenen Drehbüchern von Mr. Wong-Krimis. Mr. Wong war – ähnlich wie Mr. Moto – überhaupt erst wegen Charlies Erfolg als asiatischer Ermittler geschaffen worden. Und kaum hatte man mit “The golden Eye” schon fast einen Chan-Western gemacht, passte man für den Nachfolgefilm sogar ein Western-Skript an:

  • Mr. Wong in Chinatown (1939) – The Chinese Ring (1947)
  • Mr. Wong, Detective (1938) – Docks of New Orleans (1948)
  • Riders of the whistling Skull (1937) – The feathered Serpent (1948)

Drehbuchschreiber Oliver Drake schrieb nicht nur den Western “Riders of the whistling Skull” (lt. Jon Tuska, “In Manors and Alleys”, Greenwood, 1988), sondern bastelte das ganze selber zum Charlie Chan “The feathered Serpent” um. Schauspieler Robert Livingston war in beiden Streifen dabei.

Alles nichts gegen den Erfinder von Charlie Chan: Earl Derr Biggers veröffentlichte 1913 seinen Roman “Seven Keys to Baldpate”, der bis zu seinem Tod 1933 viermal verfilmt wurde, davon dreimal stumm, und bis 1947 folgten zwei weitere Remakes.