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Charlie Chan rund um die Welt

La casa sin llaves Biblioteca oroMit den Büchern von Earl Derr Biggers hat alles angefangen. Die waren schnell in aller Welt beliebt. Sogar bevor er 1925 mit Charlie Chan anfing.
Doch was der Autor mit der Erfindung des chinesischen Detektivs lostrat konnte er sich wohl nicht einmal selbst ausmalen. Als der Mann von der Honolulu-Polizei von den Fox Studios ernst genommen wurde, ging die Post ab.

Avaimeton talo   O Ladrão de Diamantes   El secreto de Charlie Chan 1936-03-28 Madrid

Le masque etrangeNicht nur in europäischen Ländern. Von Peking bis Rio de Janeiro kannte und schätze man Charlie. Eine kleine Zusammenstellung findet sich auf der neuen Seite “Charlie Chan international”. Neben Buch und Film folgten weitere Medien, waren aber nicht so erfolgreich.

Den kinesiske papegøje, Dänemark 2011Links die einzige  mir vorliegende Übersetzung der Charlie- Chan- Bücher auf dänisch. —
Es ist nicht ganz einfach, aus allen Gegenden der Welt Material zu finden – selbst aus Europa. Ein großer Teil Asiens und praktisch ganz Afrika sind ebenfalls noch blinde Flecken. Die Zeit wird alles enthüllen …

Hier einige Impressionen aus aller Welt

Netzfunde: Toler Fox Chans

DVD Film-Klassiker 1 Charlie Chan Honolulu RenoDie Veröffentlichung der 6 Doppel-DVDs mit Sidney Toler in der Hauptrolle, produziert bei 20/Fox, liegt schon zwei, drei Jahre zurück.

Es gab dazu einige Besprechungen/Kritiken zu den Filmen im Netz. Hier eine Auswahl:

De Bussumsche Courant 390408 Charlie Chan Honolulu

F2.1 Charlie Chan in Honolulu und
F2.2 Charlie Chan in Reno bei:
Zauberspiegel-online, DieNachtDerLebendenTexte, moviepilot (F2.1, F2.2)

Filmbesprechungen gab es natürlich in den 1930ern schon. Einen sehr hübsch bebilderten Bericht zu “Charlie Chan in Honolulu” lieferte einst “De Bussumsche Courant” (Niederlande) vom 8. April 1939 (siehe Bild links)

Das ungarische Magazin “Magyar Film” vom 6. März 1939 besprach Sidney Tolers Debüt “Charlie Chan Honoluluban” in einer ganzen Spalte.
Dabei wurde die gesamte Handlung inklusive Auflösung erzählt. Wer möchte da noch den Film sehen, Tribune de Lausanne 400726 Charlie Chan a Renowenn das Resümé mit “Nichts Neues” dann doch “leicht ernüchternd” ausfällt?
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Die “Tribune de Lausanne” (Schweiz) vom 26. Juli 1940 enthält eine Werbung des ABC-Kino zu “Charlie Chan a Reno” (rechts). Die Filme wurden in der Schweiz in aller Regel mit Untertiteln auf deutsch und französisch vorgeführt.

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F2.3 Charlie Chan auf der Schatzinsel und
F2.5 Charlie Chan in Panama bei:
Zauberspiegel-online, SilverScenesBlog, moviepilot (F2.3, F2.5)

Die damaligen Titel der Filme waren mitunter so ganz anders, dass man den Streifen heute nicht immer so einfach zuordnen kann.
Hier Kinowerbung aus dem “Oberländer Tagblatt” (Schweiz) vom 29. Februar 1943 zu “Charlie Chan gelangt in die Teufelshöhle” (links).

Warum steht da links “Charlie Chan”, aber rechts “Cisco Kid” (ein Kino-Westernheld der Zeit)? Ganz einfach: Dessen Hauptdarsteller, Cesar Romero, spielte hier neben Sidney Toler.

L´Express 19440205 Charlie Chan au musee de cireF2.6 Charlie Chan auf Kreuzfahrt und
F2.7 Charlie Chan im Wachsfigurenkabinett bei:
moviepilot (F2.6, F2.7)

Dem “L´Express” (Schweiz) vom 6. Februar 1944 entnehmen wir, wann der aufregende “Charlie Chan au Musée de cire” (Wachsmuseum, s. rechts) damals im Kino lief: täglich 20:30 Uhr und ab Mittwoch auch um 15:00 Uhr (außer Sonntags).

F2.8 Mord über New York und F2.9 Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff bei:
Zauberspiegel-online, moviepilot (F2.8, F2.9)

DVD Film Klassiker 5 Charlie Chan Rio Schloss in der WüsteF2.10 Charlie Chan in Rio und
F2.11 Das Schloss in der Wüste bei:
moviepilot (F2.10, F2.11)

Einige Worte zur DVD-Gesamtausgabe gibts bei Starbase. Da heißt es: Die Chan Filme sind “sorglos-gemütlich” und man kann mal lachen. Genau das gefiel den Leuten zu allen Zeiten.
Was will man mehr?

Update Bücherseite

Hinter jenem Vorhang AmselEs wurde Zeit, die Bücherseite zu aktualisieren. Mehr Covers, mehr Links, mehr Info.

Während Band I, II und III der Charlie Chan Krimis über die Jahre bei jeweils mindestens fünf Verlagen erschienen sind, machten sich IV, V und VI doch recht rar. Charlie Chan und die verschwundenen Damen HeyneMöglicherweise behinderte die Rechte-Situation um den Leipziger “Ernst Oldenburg Verlag” in der Nachkriegszeit eine Neuausgabe bzw. Neuübersetzung ?

Wenn Charlie überhaupt mal auf dem Cover gezeigt wird, so hat er praktisch keine Ähnlichkeit mit seinen Leinwand-Zwillingen. Erst Heyne sorgte mit Filmfotos in den 1980ern, zeitgleich zur TV-Ausstrahlung erschienen, für Abhilfe (Bild rechts: “Hinter jenem Vorhang” mit anderem Titel).

Hier einige Buch-Rezensionen aus den letzten Jahren im Web:

I. Das Haus ohne Schlüssel: Robots & Dragons, Krimi Couch, Lovelybooks

II. Der chinesische Papagei: Robots & Dragons, Mordlust, Krimi Couch, Buchrezicenter, Lovelybooks

III. Hinter jenem Vorhang: Robots & Dragons, Krimi Couch, Buchrezicenter

IV. Das schwarze Kamel: Robots & Dragons, Krimi Couch

V. Charlie Chan macht weiter: Robots & Dragons, Krimi Couch

VI. Der Hüter der Schlüssel: Robots & Dragons, Mordlust

Netzfunde – Oland Chans

Was man so alles findet beim stöbern im Internet …

Die Veröffentlichung der DVDs mit Warner Oland in der Hauptrolle liegen schon einige Jahre zurück. Hier Filmbesprechungen und etliche gute Bilder zu:

Charlie Chan in Shanghai (Mein Film, Heft 526, 1936, Österreich)

Charlie Chan in Shanghai mit reißerischem Titel (Mein Film, Heft 526, 1936, Österreich)

Hier zur Charlie Chan Collection 2 mit Shanghai, Geheimnis, Zirkus und Pferderennen.

Charlie Chan in Shanghai (Wiener Bilder, 26. Januar 1936, Österreich)

Bild zu Charlie Chan in Shanghai (Wiener Bilder, 26. Januar 1936, Österreich)

Und selbiges zur Charlie Chan Collection 3 mit Oper, Olympische Spiele, Broadway und Monte Carlo.

Charlie Chan in Shanghai (La Sentinelle, 15. Mai 1936, Schweiz)

Kinowerbung für Charlie Chan in Shanghai – Besser denn je! (La Sentinelle, 15. Mai 1936, Schweiz)

Zu “Charlie Chan in Ägypten” vergleicht ein kurzer Text aus Ungarn Charlie mit Größen wie Holmes, Poirot und Maigret.
Wir erfahren, dass alle sechs Bücher übersetzt wurden und einige Filme im dortigen Fernsehen gelaufen sind.
“… kleine graue Zellen von Hercule Poirot, die sorgfältige Analyse und die Schlussfolgerungen von Sherlock Holmes. Während Charlie Chans Geist scharf wie ein Rasiermesser schneidet, war Action nie seine Stärke […] Einer der bekanntesten Figuren in den B-Filmen.”

Ethno-Stereotypen II – Disney Zeichentrick

Eine Menge von Trickfilmen, die man nie in Rassismus-Verdacht hatte, wurden auf dem Disney-Streamingportal markiert. Als Grund werden »negative Darstellungen und/oder eine nicht-korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen« angegeben. Darunter fallen »Dumbo«, »Peter Pan«, »Susi und Strolch«, »Dschungelbuch«, »Aristocats« u.a.

Ungläubig liest man da, dass diese Zeichentrick-Klassiker so harmlos gar nicht sind: Beim Affentanz im »Dschungelbuch« und mit singenden Krähen in »Dumbo« werden Afroamerikaner rassistisch beleidigt. Die Siam-Katzen in »Susi und Strolch« und eines der Tiere in »Aristocats« sind rassistische Karikaturen auf Asiaten.

Einiges davon ist nicht für jeden Zuschauer sofort zu sehen. Sei es, weil man den Hintergrund aus der damaligen Zeit nicht (er)kennt, oder weil man sich nie groß Gedanken über Filme seiner Kindheit macht.

Disney hat vor einiger Zeit Fox aufgekauft. Sollten die für 20/Fox entstandenen Charlie Chan-Filme jemals im Streaming-Portal auftauchen, würden sie sicherlich eine Markierung erhalten. Doch eines ist ganz klar: Dieser Vorgang ist für sich keine Zensur! Sehen darf man die Streifen dennoch ungeschnitten.

Dieser Tage sprach ein SZ-Artikel im Zusammenhang mit »Big Trouble in Little China« vom »Rückfall in die Ethno-Stereotypen eines Charlie Chan oder Fu Manchu«. In Fu Manchu, dem bösen asiatischen Klischee-Bösewicht, erkennt man leicht den »Ethno-Stereotyp«. Aber in Charlie Chan? Da muss man zuerst schlucken, wenn der Begriff »Ethno-Stereotyp« im selben Satz auf beide angewendet wird.

Das mit den Chan-Filmen am Ende nicht alles in bester Ordnung ist, leuchtet jedem ein. Ganz augenfällig ist das bei der Darstellung der Afroamerikaner, v.a. Chauffeur Birmingham Brown. Der kann oft genug nur vor Angst zittern, wo die Weißen handeln. Selten genug darf er Gangster fangen oder Feuer löschen.

Oder das: Die kritischen Kommentare von Vater Charlie gegen seinen Sohn, in den späten Monogram-Streifen, sind für sich schon ein schlechter Einfall. Wer mag, kann hinter die Charaktere schauen und sieht einen »weißen« Chan-Darsteller und einen chinesischstämmigen Schauspieler für den Sohn. So kann man es auch anders lesen: Der kluge »Weiße« sagt »dem Asiaten«, wo es langgeht. Autsch!

Es ist wichtig, kritisch über Filme nachzudenken, über Bücher, Musik und alles andere. Immer reflektieren! Denn auch das, was ein Präsident seinem Volk vier Jahre lang eintrichtert, muss nicht wahr sein.
Keiner hat gesagt, es wäre leicht. Lebe und lerne.

»Ethno-Stereotyp Charlie Chan« – Wie können wir?

In der Süddeutschen vom 3. Februar 2021 gab es einen netten Artikel zum Thema:
Alte Lieblingsfilme: Wie konnten wir das nur lustig finden? Einer der besprochenen Filme ist »Big Trouble in Little China« (1986), ein klamaukiger Streifen den man mögen kann oder nicht.

Im Artikel wird Charlie Chan als »Ethno-Stereotyp« bezeichnet. Was könnte man darunter verstehen? Wikipedia hilft bei der Definition, wonach es um ein »Glaubenssystem über typische Merkmale […] einer bestimmten ethnischen Gruppe oder Nationalität« geht. Kurz gesagt: »Vorurteile über Chinesen«.

Mit dieser Definition kann man sich den »umstrittenen Chan-Filmen« (1931-1949) annähern, denn die Bücher (1925-1932) sind wohl kaum gemeint. Demnach also schaut jemand diese Filme an und glaubt von da an: »So wie dieser Polizist sind alle Chinesen!«
Klingt abwegig, aber: Kann sein. Wer weiß schon, was in Köpfen verwirrter Geister auf diesem Planeten vorgeht?

Die alten Filme üben keine Hypnose aus, nach der jeder, der Charlie sieht, in ihm sofort eine Blaupause für alle Chinesen sieht. Mao, Deng und Xi sind viel bekannter und präsenter in den Gedanken der Menschen. Demnach könnte mancher auch von ihnen glauben, dass jeder Chinese so wäre, wie die. Moderne Zeiten bringen uns hier wohl nicht weiter.

Also zurück in die Vergangenheit: Das Bild von Charlie wurde Anfang der 1930er gegossen. Damals hat man (soweit man Historikern trauen darf) im »Westen« ALLE Chinesen entweder als böse »Gelbe Gefahr« verunglimpft oder bestenfalls als Kuli, Wäscher und Koch angesehen, die L/R-Sprechprobleme hätten. Charlie Chan ist ein geachteter Polizist, der akzentfrei spricht und (wie viele fiktive Detektive) klüger ist als seine Kollegen.

Dieses Bild vom unbestechlichen Beamten meinte der Artikel-Schreiber sicher nicht mit »Ethno-Stereotyp«, oder? Weder sahen die Drehbuchschreiber damals alle Chinesen wie Charlie, noch die Zuschauer. Wieso sollten das die Leute heute machen?

Und wie wäre es denn, sollte jemand sagen: »Dieser Chan ist typisch – alle Chinesen sind wie er!«
Charlie hat erschreckend wenig negative Seiten – wie so viele (alte) Leinwandhelden eben auch! Wer wäre nicht gerne wie Charlie Chan, wie Nick Charles (Dünner Mann), Jerry Cotton, Columbo, Rockford, Shaft, Magnum, die Harts oder – nicht zu vergessen – die Drei Engel für … – na, wen wohl? Und wie sie alle heißen!

Okay, sorry, dieser »weiße« Blogger, der gut behütet im reichen Deutschland aufwuchs, kann sich schon arg begriffsstutzig stellen 🙂
Sagen wir mal so: Charlie Chan ist auch nur ein klamaukiger Streifen, den man mögen kann oder nicht. Man kommt auch ohne durchs Leben. Gelegentlich mal einen alten Chan-Film angucken, ist für normale Menschen sicher gut verträglich 😉
[Update: Unklare Formulierungen, Link]
Ergänzung / Fortsetzung hier …