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Charlie Chan Filmsammlung komplettieren

Alle Charlie Chan Filme haben zu wollen, ist ein ganz natürlicher Wunsch für Fans von schwarz/weiß Krimis. Welche Streifen gibt es deutsch, und welche fehlen, nachdem alle Synchronisationen in den letzten Jahren auf DVD gepresst wurden?

In Deutschland auf DVD erschienen:
Kochmedia hat alle verfügbaren Oland-Chans (F1.02, F1.06-F1.16) in drei Vierer-Boxen herausgebracht. Mit dabei ist der nicht-synchronisierte »Charlie Chan in Paris« (F1.07), für den Untertitel angefertigt wurden.

Bei Chandler gab es Einzel-DVDs von einigen späten Toler-Chans (F3.08, F3.10, F3.11). Oben drauf zwei extra angefertigte Direct-to-DVD-Synchronisationen, eine mit Toler (F3.05) und eine mit Winters (F4.01) als Chan.

Pidax legte in den letzten Monaten mit den frühen Toler-Chans nach (F2.01-F2.11), wobei »Stadt in Dunkelheit« (F2.04) mangels Synchronfassung fehlt. Dafür rundeten sie die Doppel-DVD-Reihe mit den ausstehenden späten Tolers (F3.07, F3.09) perfekt ab.

Fehlen also: 2.04, F3.01-F3.04, F3.06 und F4.02-F4.06, die man sich im Original (oft mit engl. UT) besorgen kann. Was gibt es in den USA um die Sammlung zu vervollständigen ?

Empfehlung: Die schon 2004 erschienene »Chanthology« Box von MGM, die F3.01 bis F3.06 enthält. Klar, F3.05 wäre damit doppelt, aber ansonsten gleich drei Chan-Kids die wir hierzulande nie gesehen haben: Iris, Frances und Eddie (pardon: Edward). Hier gibt es Untertitel und Spaß!

Ordentlich: TCM / Warner brachte im August 2013 die Vierer DVD-Box: »Charlie Chan Collection« mit F3.09 (*beep* haben wir deutsch) sowie F4.02-F4.04, also drei Winters-Chans mit Yung (als »Tommy«) und Moreland, inklusive Cowboy-Ranch und Untertitel.

Im Juni 2016 legte Warner nach mit der »Charlie Chan 3-Film Collection«. Hier gibt es den bekannten 3.07 aber auch die beiden letzten Winters-Chans F4.05-F4.06 mit Luke (»Lee«) und Moreland sowie Yungs Abschiedsvorstellung (F4.05) — leider OHNE Untertitel!

Für alle, die es unbedingt vollständig haben wollen, oder selbst sehen möchten, ob »Stadt in Dunkelheit« (F2.04) gut oder schlecht ist … Den Film gibt es offiziell nicht einzeln, aber wer sich davon immer noch nicht abschrecken lässt …
Da gibt es seit 2008 die exzellente Chan-DVD-Box »Cinema Classics Collection 4« von 20th-Century/Fox, die F2.01-F2.04 inkl. Untertitel und Extras enthält. So bekommt man zwei prima Filme, einen Ordentlichen, nette Featurettes und eben diesen bislang ungesehenen Streifen.

Wünsche glückliches Reinschauen …

Mephisto im großen Opernhaus

Wann kam »Charlie Chan in der Oper« wo ins Kino?
Charlie Chan war bereits ein eingeführter Name und Publikumsmagnet, als »Charlie Chan in der Oper« in den 1930ern in Europas Kinos kam. Nach der Premiere im Dezember 1936 war der Film ab 8. Januar 1937 in US-Kinos und schon ab 14. in London und später GB zu sehen.
Die Kinowerbung in damaligen Tageszeitungen zeigt, das bis Ende des Jahres die Verleiher wohl jeden Winkel Europas erreicht hatten, aber aufgrund der Beliebtheit zirkulierten die Kopien bis in die 1940er.

Suure ooperi saladus

Estnisches Nachrichtenblatt mit Kinowerbung

Mit dem Titel wurde teilweise etwas frei umgegangen, so lief der Film in Italien als »Der verschwundene Dolch« (Il pugnale scomparso). Im Bereich der ehemaligen KuK etablierte sich größtenteils »Mephisto in der Oper«.
Ungarn war eines der frühesten europäischen Länder und startete im März (Mefiszto az Operában / Charlie Chan az operában), dicht gefolgt von Schweden (Charlie Chan på Operan) und Portugal (Charlie Chan na Ópera).

Dänemark war Ende April dran (Charlie Chan i operaen), im Mai ging es in schneller Folge nach Finnland (Charlie Chan oopperassa), und Tschechoslowakei (Charlie Chan v opere) wo auch eine deutsch untertitelte Version (Charlie Chan in der Oper) gezeigt wurde, so etwa am 8.5.1937 in Brünn/Brno. Dasselbe in Rumänien (Mephisto în opera), wo die Premiere in Hermannstadt/Sibiu am 12. Mai gefeiert wurde.
Estland folgte im Juni mit »Suure ooperi saladus«, was sich mit »Das Geheimnis der großen Oper« übersetzen lässt, siehe Bild des Tallinner Nachrichtenblattes »Postimees« vom 7. Juni 1937, das die Kinowerbung direkt unter dem Titel bringt.

Warner Oland / Charlie Chan in der Oper

Illustrierte Wochenpost aus Österreich

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In Österreich stieg man zur Uraufführung am 29. Juli groß ein mit der Werbung. Die »Illustrierte Wochenpost« brachte am 30.7. Foto und Text zu Oland und darunter noch eine Filmbesprechung zu »Charlie Chan in der Oper«, siehe Bild.

Das Wiener »Sporttagblatt« nannte am 27.7. den Titel »Mord aus Eifersucht«, obwohl »Das Kino-Journal« bereits in der Ausgabe vom 29. Mai mit »Mord im Opernhaus« geworben hatte, was als offizieller Filmtitel für Österreich gilt.
Allerdings wurde auch so mancher Film vor Kinostart mehrmals umbenannt, so dass man erst nach Ansicht des Films definitiv sicher sein konnte 😉

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Charlie Chan in der Oper Luxemburg

Kinowerbung aus Luxemburg

Die französische Fassung (Charlie Chan à l’opéra) ging offenbar erst ab August an den Start. Die Erstaufführung in Luxemburg kam wenig später. Die Werbung überschlug sich naturgemäß immer. Ein schönes Beispiel dafür ist das Bild aus dem Escher »Tageblatt« vom 12. August 1937: »Unheimliche Begebenheiten … Charlie Chan, der berühmte chinesische Detektiv wird zum Retter in der Not … Einzigartig! Gewaltig! Nervenpeitschend!«
Erste Spuren in der Schweiz finden sich ab September im französischen Teil (Lausanne).

Slowenien kam im September in den Genuss (Mefisto v operi). Vermutlich zirkulierten auch dort deutsche Untertitel, die früheste in Marburg an der Drau/Maribor als »Mephisto in der Oper« ist allerdings erst am 22.3.1938 im Burg-Tonkino nachweisbar. Kroatien folgte im Oktober 1937 (Mefisto u operi).
Der Start der italienischen Fassung (Il pugnale scomparso) ist unklar. Sie lässt sich jedenfalls in Südtiroler Kinos als »Der verschwundene Dolch« ab November des Jahres finden. In der Folgezeit auch in der italienischsprachigen Schweiz, z.B. Locarno 1938. Der deutschsprachige Teil war sicherlich nicht außen vor, der früheste Nachweis liegt aktuell aber erst für 1942 (Zürich) vor.

Wenn das so schnell ging, dürfte die Serie schon eine gewisse Popularität gehabt haben, nicht wahr? Zu etlichen Ländern liegen mir leider noch gar keine Informationen vor. In Deutschland und Spanien folgten Aufführungen erst Jahrzehnte später. Die Zeit enthüllt und verdeckt alles …

Die Chan DVDs im Web

Im Laufe der letzten Monate sind bei Pidax Charlie Chan DVDs erschienen, die auf einigen Sites und Blogs Spuren hinterlassen haben. Eine kleine Websuche später …

Große Produktbeschreibungen, News und Galerien bei GamesPowerWorld:
DVD 1 Produkt, News, Galerie
DVD 2 Produkt, News, Galerie
DVD 3 Produkt, News, Galerie
DVD 4 Produkt, News, Galerie
DVD 5 Produkt, News, Galerie

Während über Charlie in einigen Foren diskutiert wird, gabs allerdings leider nicht überall viel Echo: Auf Movieside, bei tvforen, dem Edgar Wallace / Filmklassiker Forum und bei Pidax selbst.

Nicht zu vergessen, wurde die Veröffentlichung nicht nur hier sondern auch auf anderen Webseiten erwähnt. Bei LebendeTexte und auf Mediennerd. Sicher noch woanders, aber zugegebenermaßen wäre die Kommunikation unter Fans ebenfalls ausbaufähig …

Chang Apana bei Hawaii Five-O

Während wir noch auf Mexiko / Chinatown warten, kann man bei aktuellen Krimis reinschauen und Ausflüge in die Geschichte erleben.
Manchmal wünschte man, die US Serie »Hawaii Five-O«, um eine fünfköpfige Spezialeinheit, möge sich mal mit dem genauso fiktiven Kollegen Charlie Chan auseinandersetzen. Nun, zum zweihundertsten Episoden-Jubiläum gibt es immerhin einen interessanten Ausflug in die Realität.

Am Dienstag 26.3. um 22:10 Uhr auf Sat 1 läuft mit »Große Träume« (Pua a‘e la ka uwahi o ka moe), die Episode 7 der neunten Staffel, die noch kein halbes Jahr alt ist:
Bei einer Restauranteröffnung erhält einer der Protagonisten Unterlagen zu einem ungeklärten Fall rund um den berühmten hawaiianischen Polizisten Chang Apana. Er träumt und glaubt, den Fall gelöst zu haben …

Chang Apana ist ein realer Polizist, der vor hundert Jahren auf Hawaii gelebt hat. Das brachte Autor Earl Derr Biggers darauf, mit Charlie Chan einen chinesischen Detektiv in Honolulu ermitteln zu lassen.

Charlie Chan in Arizona

Was wäre, hätte 20/Fox Charlie 1936 in den (Wilden) Westen geschickt?
In der 2014 entstandenen Story “Mystery of the Arizona Dragon” von Darryle Purcell passiert genau das und die Schauspieler kommen auf eine Ranch, um den Umgang mit Pferden zu lernen. Bald gibt es Tote, denn finstere Mächte sind in der Gegend am Werk.

Warner Oland (Charlie Chan) und Keye Luke (Lee Chan) sind hier natürlich mit dabei, das macht den Reiz für Chan-Fans aus. Kurz wird ihr Werdegang eingeflochten, auch als Leinwand-Team, das die Chan-Reihe erst veredelt hat. Beide bekommen kleine, feine Dialoge und dürfen ein wenig zur Auflösung beitragen.

Neben dem Erzähler Curly Woods, seines Zeichens Hollywood Cowboy Detective, ist aber Western-Legende “Hoot” Gibson der Co-Star, der den Schauspielern etwas beibringen soll und ebenfalls bei der Aufklärung des Falles hilft.
Der reale “Hoot” Gibson war, nebenbei gesagt, kurzzeitig Ehemann von Sally Eilers, die im Chan-Film “Der Tod ist ein schwarzes Kamel” (THE BLACK CAMEL, 1931) die weibliche Hauptrolle gespielt hatte.

Die Geschichte enthält viel Cowboy-Romantik, Schiessereien, ein wenig Detektivspiel und schließlich Spionage-Elemente. Der Autor kennt sein Western-Setting und bringt das so launig rüber, dass man ihn als Erzähler/Filmheld in “Western von Gestern” sehen wollte. Dazu bringt er immer wieder Details aus Charlie Chan Filmen unter, etwa ein ferngesteuertes Flugzeug, sowie viel Zeitgeschichte.

Mit moderaten Englisch-Kenntnissen kommt man gut durch die 108 Seiten (inkl. einer handvoll Zeichnungen) sowie die Bonusstory “Mystery of the Stuntman Ghost” (32 S.). Der kurzweilige Ausflug in das Western-Genre enthält keine tiefschürfenden Charakterzeichnungen und steuert geradlinig auf ein Ziel zu. Nicht zu viel erwarten, dann ist der Dragon gut für zwischendurch geeignet.

Update: Link

Stan und Olli auf Charlie Chans Schatzinsel

Zufalls-Begegnungen gibt es manchmal … Ende 2018 war es soweit. Kaum ist die DVD mit »Charlie Chan auf der Schatzinsel« endlich auf den deutschen Markt gekommen (16.11), da sendet »Kabel 1« über die Weihnachtsfeiertage mehrere Komödien mit Stan Laurel und Oliver Hardy. Die entstanden damals ebenso wie Charlies Film bei 20th/Century Fox und haben eine Gemeinsamkeit …

Auf der Schatzinsel (CHARLIE CHAN AT TREASURE ISLAND) wurde im April/Mai 1939 gedreht und kam am 8. September in die Kinos. Der Schlussakt spielt in einem Theater bei Rhadinis Zaubershow,

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der die Gedankenleserin Eve Cairo auf die Bühne holt. Unübersehbares Requisit ist ein geschmückter Holzzylinder mit aufgesetztem Sphinx-Kopf in dem Personen erscheinen oder verschwinden.

Der Film »Dick & Doof: Fauler Zauber« (A-HAUNTING WE WILL GO) wurde 1942 produziert, nachdem Laurel und Hardy von Hal Roach zu 20/Fox gewechselt waren. Am 7. August 1942 kam die Komödie in die US-Kinos. Der Schlussakt spielt in einem Theater bei Dantes Zaubershow. Der hat eine Assistentin und ein großes Bühnen-Requisit in dem Stan verschwinden wird.

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Klar zu erkennen ist, dass das Kostüm von Eve Cairo, dass sie in Schatzinsel trug, nun Dantes Assistentin gut steht. Der Sphinx-Zauberkasten wird ebenfalls wieder verwendet. Wie schön, dass man damals schon an Recycling dachte 😉
Spaß beiseite, vom großen Fundus haben umgekehrt auch immer die Chan-Filme profitiert. Aber nettes Zusammentreffen, so knapp 80 Jahre später …

Chang Apana – mehr als ein Charlie Chan Vorbild

Er war nicht Charlie Chan, aber zu jener Zeit bei der Honolulu-Polizei beinahe schon legendär. Als Autor Earl Derr Biggers für seinen Hawaii-Krimi recherchierte, stieß er auf einen Zeitungsbericht über Chang Apana. Schon war die Idee geboren, auf der exotischen Insel einen chinesischen Polizisten ermitteln zu lassen.

Chang Apana, geboren am 26. Dezember 1870 nahe Honolulu auf Oahu, arbeitete bereits als Jugendlicher auf einer Ranch und trug Cowboyhut und Bullenpeitsche. Als amerikanische Truppen die Inseln 1898 besetzten, war Apana bereits als Tierschützer im öffentlichen Dienst tätig. Bald wurde der US-Marshal aufmerksam und Chang Apana wechselte in den Polizeidienst.

Wichtig war ihm eine Spezialerlaubnis, mit der er die Bullenpeitsche, mit der er Vorführungen gab, auch im Einsatz tragen zu dürfen.
Mit Mördern hatte Apana im Gegensatz zu Charlie Chan kaum zu tun, eher mit Opium-Schmugglern und Glücksspielern zuhauf. Da taucht in den Polizei-Meldungen oft lapidar etwas auf wie: »Polizei Offizier Apana fasste gestern in Palama Glücksspieler, brachte zehn in Haft.« (The Pacific commercial advertiser, 27. July 1908)

Apana wich keinem Kampf aus, war nicht gerade für Langmut bekannt und konnte ordentlich Prügel austeilen. Immer wieder verkleidete er sich, um in versteckte Spielhöllen zu gelangen. Etliche überlebte Messerattacken, die Festnahme von 40 Spielern auf einen Streich und ein Sturz aus dem zweiten Stockwerk mit umgehender Rückkehr machten ihn bei Kriminellen zum gefürchteten Gegner.

Apana hatte viele Kinder aus mehreren Ehen. Er sprach nur Hawaiianisch und »Pidgin-Englisch«, konnte nicht lesen, aber das war für die Arbeit nicht wichtig. Eine der Töchter las ihm auf der Veranda des Hauses am Punchbowl Hill gerne aus Magazinen vor oder die Zwischentitel im Kino.

Chang Apana wurde regelmäßig befördert, und ab 1925, nach Erscheinen von Earl Derr Biggers Krimi, wurde er oft als »Charlie Chan« angesprochen. Den Touristen gab er lächelnd Autogramme.
1931, bei den Dreharbeiten zum Chan-Film »Der Tod ist ein schwarzes Kamel« wurde Chang Apana eingeladen, die Dreharbeiten zu besuchen. Er kam gerne und amüsierte sich insbesondere über die Chan-Sprüche. Zusammen mit Hauptdarsteller Warner Oland posierte er vergnügt den Fotografen.

Nach einem Schlüsselbeinbruch bei einen Unfall 1932 wurde Chang Apana pensioniert und arbeitete als Wachmann weiter. Ende des Folgejahres wurde bei dem an Diabetes leidenden Apana eine Beinamputation notwendig, in deren Verlauf er am 8. Dezember 1933 verstarb.
Die Zeitungen titelten landesweit »Charlie Chan ist tot« und verwiesen auf Biggers Ideenfindung. Bei der großen Trauerfeier waren die Mitglieder der Polizei anwesend und das Militärorchester spielte.

Viel hatten der drahtige, zigarettenrauchende Apana und Charlie Chan nicht gemeinsam. Dennoch gestand Earl Derr Biggers, dass wenn Charlie schon ein Vorbild haben müsse, es keinen Besseren als Chang Apana geben könne.