Archiv des Autors: mhoefler

Juni 1926: »The Chinese Parrot«

100 Jahre her
Nach dem Erfolg von »The House without a Key« legte Autor Earl Derr Biggers ein Jahr später mit »The Chinese Parrot« (Der chinesische Papagei) nach. Zunächst erschien er vom 26. Juni 1926 wöchentlich in fünf Fortsetzungen bis 24. Juli 1926 in »The Saturday Evening Post«, ehe er wenig später bei Bobbs-Merrill Co. (Indianapolis) in Buchform rauskam.

Die Figur Charlie Chan hat es hier etwas schwer, weil er Undercover ermitteln muss. Doch die Leser scherte das nicht. Sie wollten mehr und bekamen es …

The Chinese Parrot - Bobbs-Merrill Co. - USA 1926
De Chineesche papegaai - Querido 1927
Der Chinesenpapagei - Goldmann
Grosset and Dunlap 1940 The Chinese parrot

Seither gab es Buch-Ausgaben und Abdrucke in Tageszeitungen oder Magazinen rund um die Welt:

Le perroquet chinois - Je vois tout - CH 1948-1-7
Das Landhaus des Stahlkönigs - Rhein- und Ruhrzeitung - D 1928-4-26
Le perroquet vert - Feuilleton Lausanne - CH 1932-11-7
Der Chinesenpapagei - Westfälischer Merkur - D 1928-5-27
De chinese papegaai - Laarder Courant - NL 1954-11-19

Ausgaben:
The Chinese Parrot (englisch, 1926)
De Chineesche papegaai (niederländisch, 1927)
Den kinesiska papegojan (schwedisch, 1927)
Der Chinesen-Papagei (deutsch, 1928)
Kiinalainen Papukaija (finnisch, 1928)
Charlie Chan og den kinesiske papegøye (norwegisch, 1928)
Cínský papoušek (tschechisch, 1929)
Китайският папагал / Kitayskiyat papagal (bulgarisch, 1929)
A kinai papagáj (ungarisch, 1930)
Chinska papuga (polnisch, 1931)
Le Perroquet chinois (französisch, 1932)
Papagalul chinez (rumänisch, 1933)
Il pappagallo cinese (italienisch, 1934)
El loro chino (spanisch, 1936)
Den kinesiske papegøje (dänisch, 1938)
O papagaio chinês (portugiesisch, 1947)
Papagalul Chinezesc (russisch, 1970)
Çinli Papağan (türkisch, 1972)

Einige Internationale Ausgaben sind auf der Bücher-Seite verlinkt.

Der Chinesenpapagei - Luxemburger Wort - LUX 1955-7-8
Chinska Papuga - Globus Verlag Lemberg Warschau 1931 - polnisch
Papagalul chinezesc - 1970 - russisch
The Chinese  Parrot - Bantam 1974 - englisch

Der titelgebende Papagei ist das häufigste Cover-Motiv, mitunter ist es die Perlenkette, mit der alles losgeht, oder beides.

Le perroquet chinois
Chinska papuga
El loro chino Selecctiones Biblioteca oro
Corriere della Sera 1934 - italienisch
Wahlström (Almqvist & Wiksell) 1927 - schwedisch
El loro chino - spanisch
The chinese Parrot
The chinese Parrot

Zweimal wurde der Stoff verfilmt: 1927 von Paul Leni als The Chinese Parrot.
Später, 1934, mit Warner Oland in der Hauptrolle im heute ebenso verschollenen Film »“Charlie Chans Courage«.
Er lief in deutschsprachigen Kinos unter dem Buchtitel oder auch Charlie Chans Mut bzw. Heldenmut.

The chinese parrot - USA, Paul Leni - 1927
Der chinesische Papagei - Mein Film 456 - Ö 1934
Charlie Chans Courage

Bücher-Sommer

John L. Swann: Wheels within wheels

Schon drei Charlie-Chan-Krimis hat uns John L. Swann in seiner Reihe „Charlie Chan Returns“ bereits beschert.

Mittlerweile ist Band 4 raus: „Wheels within wheels

Charlie soll einen Mord verhindern.
Diesmal zieht es ihn weit nach Osten, wo er einen Zug von der New Yorker Grand Central Station nimmt. Bahnreise, bergige Wildnis und ein Schneesturm.

Lesestoff für den Sommer ist also da.
Immer weiter so, Mr. Swann!

Ab 20. Juni 2026 soll ein Buch über Mantan Moreland erscheinen, dem begnadeten Komiker, der in den späten Chan-Filmen all zu oft nur den ollen Chauffeur spielten durfte.

Laura Wagner wirft in dem Taschenbuch einen Blick auf „The Complete Career in Film, Television and Radio
Ob 179 Seiten dafür ausreichend sind?

Man darf gespannt sein.

Laura Wagner: Mantan Moreland The complete career ...

TV Abenteuer in Portugal

Ein Zuckerl für all jene, die die TV Picture Stories mit Charlie Chan mal anders sehen möchten: In Farbe. Zumindest teilweise.
Das die englischen TV Picture Stories zu „Charlie Chans Neuen Abenteuern“ auch in spanisch erschienen, war schon bekannt. Anfang der 1960er gab es sie aber ebenso auf portugiesisch. Ungewöhnlich der Name des Heftes: ZORRO.
Aber egal, dort versammelte sich alles von Abenteuer bis Krimi.

1 Crime nos bastidores
charlie chan - crime nos bastidores - zorro
charlie chan - death of a don 36 - tv picture story Original

Zumindest für 5 der 6 Stories sind Veröffentlichungen bei „Empresa Nacional de Publicidade“ bekannt:

Zorro 1: Crime nos bastidores (Verbrechen hinter den Kulissen, n° 3)
Zorro 3: Tres homens numa jangada (Drei Männer auf einem Floß, n° 1)
Zorro 6: A nobre arte de matar (Die edle Kunst des Tötens, n° 6)
Zorro 12: Execução adiada (Vollstreckung aufgeschoben, n° 2)
Zorro 23: O mistério da casa de modas (Das Geheimnis des Modehauses, n° 4)

3 Tres homens numa jangada
6 A nobre arte de matar
aventurama apresenta Charlie Chan - A nobre arte de matar
charlie chan - nobre arte de matar - zorro
charlie chan - noble art murder 1 - tv picture story Original
aventurama apresenta charlie chan - nobre arte de matar - brasilien

Die englischen Seiten des Comics bestanden in der Regel aus zwei Zeilen zu je einem, seltener zwei Panels. Der Trenner zwischen den Bildern verlief mitunter nicht horizontal sondern diagonal, vermutlich um etwas mehr Dynamik hineinzubringen. Wie bringt man das auf einem Drittel der Seiten unter?

12 Execução adiada
charlie chan - execução adiada 34 - zorro
charlie chan - dateline execution 53 - tv picture story Original
charlie chan - misterio casa de moda - zorro
charlie chan - sweater 2u3 - tv picture story Original

Für die portugiesische Ausgabe wurde kräftig ummontiert, so dass 3 Original-Seiten zu einer wurden, was zumeist gut gelang. Einen Haken hat die Sache: Was nicht passt, wurde mit großen Textkästen passend gemacht, so dass sich mitunter größere Leerstellen finden.
In Brasilien wurde von den TV Picture Stories 1972 nur ein Heft „aventurama apresenta Charlie Chan“ mit „A nobre arte de matar“ (wiederum anders montiert) veröffentlicht.

charlie chan - misterio casa de moda 2 - zorro
Charlie Chan - O misterio da casa de moda 5 - zorro 23
23 O mistério da casa de modas

Scotland Yard: Charlton-Comics in Brasilien

Ich dachte, das Thema Brasilianische Comics vor einem Jahr ordentlich gewürdigt zu haben, doch es waren kleine Korrekturen nötig.
Quiof Thrul sendete so viele Links und Informationen, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als noch einmal nachzurecherchieren und detailliertere Beiträge anzufertigen. Hier der erste:

Scotland Yard 1 - Charlie Chan
Scotland Yard 2 - Charlie Chan
Scotland Yard 3 - Charlie Chan

Da Charlie Chan im Brasilien der 1950er sehr beliebt war, war man bei Rio Gráfica Editora sofort dabei, die vier Charlton Comichefte zu lizenzieren (vgl. Cover 2/3). Die zwölf Geschichten darin wurden auf etliche eigene Hefte aufgeteilt, wo Charlie sich den Platz (und die Cover) mit anderen englischen oder amerikanischen Ermittlern teilte.

Das „Scotland Yard Magazine“ (siehe Comic-Leitfaden, portugiesisch) war geboren, „com as sensacionais aventuras de Charlie Chan“ bzw. „apresenta Charlie Chan“ . Bekannt sind 10 Ausgaben mit poppigen Covers und jeweils 34 meist schwarz/weißen Seiten.

Sep/Okt 1956 n° 1
A hora fatal / Verhängnisvolle Stunde
(Troublesome time 9/56)

Nov/Dez 1956 n° 2
Os mortos nao falam / Die Toten schweigen
(See no evil 6/55)

Jan/Feb 1957 n° 3
Um truque no fim / Ein Trick zum Schluss
(Trick ending 7/55)

Scotland yard 6 - O caso do trapezista

Mär/Apr 1957 n° 4
Fechadura sem chave / Schloss ohne Schlüssel (The lock without a key 8/55)

Mai/Jun 1957 n° 5
?

Jul/Aug 1957 n° 6
O caso do trapezista / Der Fall des Trapezkünstlers (The penalty 9/56)

Scotland yard 2 - os mortos nao falam

Die Zeichnungen sind identisch aber alles andere wurde geändert, selbst die Sprechblasenformen

Charlton 2 USA See no evil - Original
Scotland Yard 6 - Charlie Chan
Scotland Yard 7 - Charlie Chan
Scotland Yard 9 - Charlie Chan

Sep/Okt 1957 n° 7
Armadilha / Die Falle
(Pitfall 6/55)

Nov/Dez 1957 n° 8
?

Jan/Feb 1958 n° 9
A fórmula fatal / Die tödliche Formel
(Pawns of peril 6/55)

Mär/Apr 1958 n° 10
O tesouro asteca / Der aztekische Schatz
(Talking stone face 7/55)

Scotland yard 10 - o tesouro asteca
Scotland yard 9 - a formula fatal
9 USA pawns-of-peril - Original
Scotland Yard 10 - Charlie Chan Comic - Brasilien

Maxim-al imitiert

Maxim Raft als Charlie Chan 1948Ist das auf dem linken Bild wirklich Charlie Chan? Nun, für einen kurzen Moment auf der Bühne, war er das. Im nächsten Augenblick war er aber schon Popeye!

Charlie wurde immer wieder parodiert, u.a. im Fernsehen in »Get Smart«, beim verrückten Inspektor oder in der Jerry Lewis  Show 1958 oder oder oder
Von einer Imitation durch den damals sehr bekannten Künstler Maxim Herman Raft (1902-1979, eigentlich Maksymilian Herman (nied.)) existieren nur Fotos.

Feuille d'avis de Lausanne 25 Feb 1936Bereits zu einem Galaabend in Lausanne 1936 wurde er in Zeitungen als der »berühmte Max Herman« angekündigt, mit Imitationen von »Charlie Chaplin, Al Jolson, Charles Boyer, King Kong, Georges Raft, Charlie Chan … Viel zu lachen!«
Dem amerikanischen Schauspieler George Raft sah er ohnehin sehr ähnlich, für alle anderen passte er Mimik, Gestik oder Sprechweise an.

Über die Jahrzehnte unterhielt er mit Filmstar-Parodien von Stan Laurel, Wallace Beery oder Louis Armstrong, aber auch von Fernandel, Hans Moser, Erich von Stroheim oder Maurice Chevalier. Daneben hatte er natürlich viele weitere Persönlichkeiten mit Wiedererkennungswert im Repertoire und zog diverse Potentaten seiner Zeit durch den Kakao.

Maxim Raft 1948-1961

In Österreich-Ungarn geboren ahmte er bereits an Gymnasien die Lehrer nach und machte anschließend dennoch eine Bankenlehre. Aber Mitte der 1920er begeisterte er Zuseher mit einer Imitation von Charlie Chaplin, den er noch jahrzehntelang parodierte. In den 1930ern lernte er von Komikern in GB und den USA und heiratete 1940 in den Niederlanden.

Maxim Raft zwischen Laurel und HardyDort trat er desöfteren mit der niederländisch-österreichischen Tänzerin und Kabarettistin Cilly Wang auf. Ende der 1940er tourte er erneut durch (West)Europa und konnte überall seine Sprachkenntnisse gut anbringen.
Aus dieser Zeit existiert ein Foto zusammen mit Laurel und Hardy von deren Auftritt bei „Hollywood Parade“ (nied.) 1947 in Brüssel (auch: Raft-Autogrammkarte Barcelona 1948).

Raft als PopeyeViele Kurzauftritte absolvierte er unter dem Titel „10 Minuten Hollywood“! 1950 erhielt Raft die Staatsbürgerschaft der Niederlande und begeisterte im folgenden Jahrzehnt mit seinen Parodien und als Conférencier diverser Shows seine Zuseher in vielen Ländern. Ein Magazin-Artikel von 1949 zeigt ihn u.a. als »Charlie Chan« – darunter steht: »Diskretion und Geistesgegenwart, das ist das Geheimnis meines Erfolgs«.
Die Popeye-Imitation (rechts) stammt von einem Auftritt von Maxim Herman Raft im deutschen Fernsehen im September 1961, zu einer Zeit, da er viel als Conférencier in der Schweiz arbeitete.

Ein Meister der Verwandlung und über Jahrzehnte ein gefeierter Bühnenstar. Charlie Chan für Sekunden.

Charlie Chan als Detektiv in Vancouver !?

Auf seinem Blog hat Lou Armagno topaktuell auf einen Variety-Artikel vom 17.3. hingewiesen: Ein kanadisches Charlie-Chan-Projekt des Asia-Amerikanischen Schauspielers Tzi Ma.

Natürlich klingt es erstmal ungewohnt für alle, die die Romane und alten Filme kennen: Dieser Chan, ein Immigrant aus Hong Kong, arbeitete für die Vancouver Polizei und eröffnet nun eine Detektei. Er übernimmt Fälle für die Übersehenen und Vergessenen der Stadt.

Vieles wird also neu sein, aber es soll eine stolze Rückbesinnung auf ein komplexes Erbe werden.
Mal sehen, ob die potentiellen Abnehmer beim Series Mania Forum (24. – 26. März) anbeißen und das Projekt umgesetzt wird.

DELL – Letzter Versuch für den US-Comicmarkt – 1965/66

Chan und Sohn a la DellDELL veröffentlichte Charlie Chans „Famous Adventures“ gerade zweimal im Oktober 1965 und März 1966.

Die beiden Hefte enthalten je eine dreigeteilte Story, mit denen man den Detektiv offenbar ohne Rücksicht auf Verluste in die knallbunte 1960er Jahre zerren wollte.
Im ersten Abenteuer stellt sich Chan a la James Bond dem Großkriminellen Leonid Kavu entgegen, dessen Jacht u.a. über Raketen und Kampfflugzeuge verfügt …
Im Zweiten machen sich Betrüger beständig über Charlie lustig (nette Seitenhiebe, doch die nutzen sich schnell ab) und verwenden Superschurken-Equipment wie ein Jet Pack …
Ach, ja: Sohn 1 ist anwesend, aber irgendwie nicht wirklich dabei.

Charlie Chan DELL 1  Charlie Chan DELL 2  Charlie Chan DELL 2 - Mexiko

1: Oktober/Dezember
– The Touch of Midas
– Escape to Danger
– Kavu strikes Again

2: März
– Claws of the Cat
– Foiled Again
– Cat-Trap

Der US-Verlag Dell war in den 1950er Jahren der wohl größte Comicproduzent. Nachdem ein guter Teil der Lizenzen in den 1960ern verloren ging, versuchten sie es mit vielen teils kuriosen Film- und Serienadaptionen, etwa Frankenstein und Dracula als Superhelden, die sich ebenso wenig durchsetzen konnten.

Ein Cover für Heft 3, und somit wohl auch dessen Story, stand bereits fest. Die Welt muss darauf verzichten. Offizielle Download-Möglichkeiten zu den Dell-Heften gibt es keine (Copyright-Änderungen ab den 1960er Jahren).