Author Archives: mhoefler

Vierte Doppel-DVD: Charlie Chan im Big Apple und an Bord

Pidax macht weiter: Ab 22. März sehen wir Charlie Chan in New York und an Bord eines alten Segelschiffes inklusive Piratengeist.
Die beiden Filme »Mord über New York« und »Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff« zeigen nicht nur Charlie an sehr unterschiedlichen Locations, sondern auch Sohn Jimmy: Er kann einmal mit seinem Wissen als Chemie-Student glänzen und beim anderen Mal als blinder Passagier von Seereisen und Piratengold träumen.

Unnützes Wissen:
Wenn Jimmy hier mal von »zu Hause« ausreißt, um an Bord der »Suva Star« zu kommen, sollte man annehmen, das Schiff läge im Hafen von Honolulu auf Hawaii. Jedoch ist Los Angeles wahrscheinlicher, denn die einzige bekannte Cocos Insel, zu der die Schatzsucher aufbrechen könnten, liegt vor der Küste von Costa Rica in Mittelamerika.

Chang Apana – mehr als ein Charlie Chan Vorbild

Er war nicht Charlie Chan, aber zu jener Zeit bei der Honolulu-Polizei beinahe schon legendär. Als Autor Earl Derr Biggers für seinen Hawaii-Krimi recherchierte, stieß er auf einen Zeitungsbericht über Chang Apana. Schon war die Idee geboren, auf der exotischen Insel einen chinesischen Polizisten ermitteln zu lassen.

Chang Apana, geboren am 26. Dezember 1870 nahe Honolulu auf Oahu, arbeitete bereits als Jugendlicher auf einer Ranch und trug Cowboyhut und Bullenpeitsche. Als amerikanische Truppen die Inseln 1898 besetzten, war Apana bereits als Tierschützer im öffentlichen Dienst tätig. Bald wurde der US-Marshal aufmerksam und Chang Apana wechselte in den Polizeidienst.

Wichtig war ihm eine Spezialerlaubnis, mit der er die Bullenpeitsche, mit der er Vorführungen gab, auch im Einsatz tragen zu dürfen.
Mit Mördern hatte Apana im Gegensatz zu Charlie Chan kaum zu tun, eher mit Opium-Schmugglern und Glücksspielern zuhauf. Da taucht in den Polizei-Meldungen oft lapidar etwas auf wie: »Polizei Offizier Apana fasste gestern in Palama Glücksspieler, brachte zehn in Haft.« (The Pacific commercial advertiser, 27. July 1908)

Apana wich keinem Kampf aus, war nicht gerade für Langmut bekannt und konnte ordentlich Prügel austeilen. Immer wieder verkleidete er sich, um in versteckte Spielhöllen zu gelangen. Etliche überlebte Messerattacken, die Festnahme von 40 Spielern auf einen Streich und ein Sturz aus dem zweiten Stockwerk mit umgehender Rückkehr machten ihn bei Kriminellen zum gefürchteten Gegner.

Apana hatte viele Kinder aus mehreren Ehen. Er sprach nur Hawaiianisch und »Pidgin-Englisch«, konnte nicht lesen, aber das war für die Arbeit nicht wichtig. Eine der Töchter las ihm auf der Veranda des Hauses am Punchbowl Hill gerne aus Magazinen vor oder die Zwischentitel im Kino.

Chang Apana wurde regelmäßig befördert, und ab 1925, nach Erscheinen von Earl Derr Biggers Krimi, wurde er oft als »Charlie Chan« angesprochen. Den Touristen gab er lächelnd Autogramme.
1931, bei den Dreharbeiten zum Chan-Film »Der Tod ist ein schwarzes Kamel« wurde Chang Apana eingeladen, die Dreharbeiten zu besuchen. Er kam gerne und amüsierte sich insbesondere über die Chan-Sprüche. Zusammen mit Hauptdarsteller Warner Oland posierte er vergnügt den Fotografen.

Nach einem Schlüsselbeinbruch bei einen Unfall 1932 wurde Chang Apana pensioniert und arbeitete als Wachmann weiter. Ende des Folgejahres wurde bei dem an Diabetes leidenden Apana eine Beinamputation notwendig, in deren Verlauf er am 8. Dezember 1933 verstarb.
Die Zeitungen titelten landesweit »Charlie Chan ist tot« und verwiesen auf Biggers Ideenfindung. Bei der großen Trauerfeier waren die Mitglieder der Polizei anwesend und das Militärorchester spielte.

Viel hatten der drahtige, zigarettenrauchende Apana und Charlie Chan nicht gemeinsam. Dennoch gestand Earl Derr Biggers, dass wenn Charlie schon ein Vorbild haben müsse, es keinen Besseren als Chang Apana geben könne.

Oh du Fröhliche … Was für ein Jahr!

Charlie Chan unterm Weihnachtsbaum? In den Filmen gab es das nicht zu sehen, immerhin Ostereier hat Charlie hergestellt. Aber gucken darf man? Passen Krimis in die besinnliche Weihnachtszeit? Also, wirklich. In jedem Vorabend-Krimi geht es heutzutage gewalttätiger zu als in den beschaulichen Chan-Krimis.

Weihnachtlich wirds draußen und bald kommt der Weihnachts-Chan! Was darf es sein? 2018 brachte viele tolle Sachen! Die brandneuen Doppel-DVDs von Pidax? Charlie Chan in Honolulu und in Reno? Charlie Chan auf der Schatzinsel und in Panama! Da wirds festlich! Vielleicht noch die im Mai erschienene DVD mit dem 70er Jahre Film »Ein wohlgehütetes Geheimnis«?

Außerdem ist bei Tannenduft endlich mal Zeit für eines der vier Hörspiele, die letztes Jahr bei Allscore rauskamen? Und bei Lichterschein zu lesen gäbe es auch Neues: »The Charlie Chan Films« (J.L. Neibaur, Mai 18), »Charlie Chan’s Poppa: Earl Derr Biggers« (B. Gregorich, Februar 18) oder »Charlie Chan – Eine schwarz / weiße Ära« (M.L. Höfler, Oktober 17).

Dieses Jahr hat uns viel schönes beschert. Da wird sich doch was finden, für angenehme lange Winterabende bei schwarz/weiß!
Morgen Kinder wird’s Chan geben! Fröhliche Weihnacht!

DVD Box 3: Charlie Chan macht weiter

Die dritte Doppel-Box kommt zwar erst Ende Januar nächsten Jahres, aber wir Fans dürfen zufrieden Neujahr feiern: Es geht weiter! Box 4 und 5 sind bei Pidax fest eingeplant. Ein Träumchen wird wahr.

In Box 3 enthalten sind »Charlie Chan auf Kreuzfahrt« und »Charlie Chan im Wachsfigurenkabinett«.

Die Kreuzfahrt geht gut los: Ein Blauer Brief von der Schule in der Post für Charlie Chan? Sohn Willie will das Schreiben unterschlagen und bekommt rechtzeitig Hilfe von Scotland Yard, bevor Charlies Spruch wahr werden kann: »Manchmal schnellster Weg zu Gehirn von Sprössling sind Klapse am anderen Ende!«

»Charlie Chan auf Kreuzfahrt« ist nebenbei gesagt eine Art Remake von »Charlie Chan macht weiter« von 1931. Der allererste Chan-Streifen, nach einem der 6 Chan-Romane, war ein sensationeller Erfolg. Allerdings galt der Film nach einem Archivbrand damals schon als verloren. Zeit für eine Neuverfilmung!

Charlie Chan in der Teufelshöhle

Pidax Film bringt am 16. November die zweite Chan-DVD-Box »Charlie Chan Collection – Vol. 2« heraus. Darin werden sich die Filme »Charlie Chan auf der Schatzinsel« und »Charlie Chan in Panama« befinden.

Da kann man als Fan so lange darauf gewartet haben, dennoch scheint es noch arg weit in der Zukunft zu liegen. Aber wie sagt Charlie in Panama: »Geduld führt zu Wissen.« – Noch mehr Geduld zur DVD!

Kleiner Ausflug in die Film-Geschichte:
In der Schweiz konnte man die beliebten Charlie Chan-Filme einst bereits kurz nach dem Entstehen im Kino sehen. Dort trugen sie allerdings oft etwas eigene Titel, z.B. »Panama-Kanal in Gefahr«.

Bei »Charlie Chan auf der Schatzinsel« entschied man sich anno 1941, den Verweis auf die Insel, der eine Schatzsuche impliziert, durch das dramatischere »Charlie Chan in der Teufelshöhle« (wo der finstere Dr. Zodiac haust) zu ersetzen.
Unter welchem Titel auch immer: Spaß und Spannung sind garantiert.

Alias Charlie Chan – Warner Oland

Für die Leinwand prägte zweifellos ein Schauspieler die Rolle des Charlie Chan: Warner Oland.
Der kam am 3. Oktober 1879 in Schweden zur Welt, doch seine Familie übersiedelte 1892 in die USA. Er spielte ab 1898 Theater, u.a bei der »Sarah Bernhardt Company« und der bekannten Alla Nazimova. Er übertrug Henrik Ibsens Stücke und zusammen mit seiner Frau auch August Strindberg.
Die Filmgesellschaften wurden auf den versierten Theatermimen aufmerksam. Schauspieler stellten damals alle möglichen Nationalitäten dar und Oland wurde häufig für asiatische Rollen engagiert. In seiner Hollywoodkarriere drehte er neben den Großen, von Greta Garbo bis Marlene Dietrich. Oland und seine Frau gingen jedoch lieber auf Reisen als Geld und Karriere nachzujagen. Er meinte: »Ich bin nackt auf die Welt gekommen, und nackt werde ich sie verlassen.«

Ende 1930 kaufte Fox Film die Rechte am neuesten Chan-Roman und Oland bekam die Hauptrolle. Der warf sein Talent in die Figur und verlieh ihr eine unverwechselbare Leinwandseele. Publikum und Kritiker waren begeistert, Zuschauer in Amerika, Europa und China wollten mehr! Mehrere Filme pro Jahr entstanden und bald konnte Oland nicht mehr spazieren gehen, ohne erkannt zu werden. Als das Ehepaar 1936 nach Peking reiste, gab es auch dort einen Auflauf, Zeitungen und Wochenschauen berichteten.

Regisseur und Produzent ermunterten Oland zu seinem Unglück zum Trinken: Er wirke entspannter. 1937 konnte Oland Filme nicht mehr ohne Alkohol drehen. Seine Frau reichte die Scheidung ein und bald landete er mit Nervenzusammenbruch im Krankenhaus. Eine Erholungsreise sollte helfen, er wollte die »Kastanienbäume von Florenz wieder sehen.«
Seine Frau war zur Aussöhnung bereit, sollte er dem Alkohol abschwören. Nach einem Sommer in Westeuropa reiste Oland Ende Juli 1938 nach Schweden. Auf Postkarten beschrieb er, wie herzlich ihn alle aufnahmen. Er wohnte in Greta Garbos Sommerhaus und besuchte seine Heimatstadt, fühlte sich wie im Paradies.
Doch dann holte er sich eine Lungenentzündung und wurde ins Stockholmer Krankenhaus gebracht. Dort starb Warner Oland, der Charlie Chan in 16 Filmen gespielt hatte, am 6. August 1938. Hollywood trauerte, doch schnell wurde ein Ersatz gesucht. Olands Frau Edith überlebte ihn um 30 Jahre.

Charlie Chan – Bücher, DVDs, Hörspiele

Aus gegebenem Anlass – neue DVDs sind im Kommen – hier mal eine Aufstellung über die Aktivitäten auf dem deutschen und amerikanischen Markt der letzten 3 Jahrzehnte. Erfreulicherweise gar nicht so wenig.
Infos zu fast allem finden sich hier auf der Webseite, insbesondere zu den Aktivitäten seit 2013, die hier begleitet wurden – nun also auch schon über 5 Jahre.

Deutschland:

  • Mai 2018 – DVD: »Ein wohlgehütetes Geheimnis«, Pidax
  • Oktober 2017 – Hörspiel: »Das schwarze Kamel«, Allscore
  • Oktober 2017 – Buch: »Charlie Chan – Eine schwarz / weiße Ära«, Michael-Lothar Höfler
  • Juni 2017 – Hörspiel: »Hinter dem Vorhang«, Allscore
  • März 2017 – Hörspiel: »Der chinesische Papagei«, Allscore
  • Dezember 2016 – Hörspiel: »Das Haus ohne Schlüssel«, Allscore
  • Februar 2015 – DVD: »Charlie Chan Collection Teil 3«, Koch Media (Oper, Olympische Spiele, Broadway, Monte Carlo)
  • Oktober 2014 – DVD: »Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin«, Koch Media
  • Juli 2014 – DVD: »Die blutige Spur« und »Der chinesische Ring«, Chandler
  • Mai 2014 – DVD: »Charlie Chan Collection Teil 2«, Koch Media (Shanghai, Geheimnis, Zirkus, Pferderennen)
  • August 2013 – DVD: »Ein fast perfektes Alibi«, Chandler
  • Juni 2013 – DVD: »Charlie Chan Collection Teil 1«, Koch Media (Kamel, London, Paris, Ägypten)
  • Juni 2013 – DVD: »Die Falle«, Chandler
  • April 2013 – DVD: »Gefährliches Geld«, Chandler
  • 2004 – Buch: »Der chinesische Papagei«, Earl Derr Biggers (Neuübersetzung)
  • 2004 – Buch: »Das Haus ohne Schlüssel: Charlie Chans erster Fall«, Earl Derr Biggers (Neuübersetzung)

USA:

  • Mai 2018 – Buch: »The Charlie Chan Films«, James L. Neibaur
  • Februar 2018 – Buch: »Charlie Chan’s Poppa: Earl Derr Biggers«, Barbara Gregorich
  • Juni 2016 – DVD: »Charlie Chan 3-Film Collection«, Warner (The red Dragon, The feathered Serpent, The Sky Dragon)
  • August 2013 – DVD: »Charlie Chan Collection«, TCM / Warner (Shadows over Chinatown, Docks of New Orleans, Shanghai Chest, The golden Eye)
  • 2013 – Buch: »The Charlie Chan Mystery Movie Guide«, Luke Freeman
  • 2011 – Buch: »The Case Files of the Oriental Sleuths«, David Rothel
  • 2010 – Buch: »Making the Detective Story American«, J. K. van Dover
  • 2010 – Buch: »Charlie Chan – The untold Story of the honorable Detective and his Rendezvous with American History«, Yunte Huang
  • Anfang 2010 – DVD: Charlie Chan Collection, TCM/Warner (Dark Alibi, Dangerous Money, The Trap, The Chinese Ring)
  • Herbst 2008 – DVD: »Cinema Classics Collection 5«, 20th-Century/Fox (Panama, Murder Cruise, Wax Museum, Murder Over New York, Dead Men Tell, Rio, Castle in the Desert)
  • Februar 2008 – DVD: C»inema Classics Collection 4«, 20th-Century/Fox (Honolulu, Reno, City in Darkness, Treasure Island)
  • August 2007 – DVD: »Cinema Classics Collection 3«, 20th-Century/Fox (Camel, Secret, Broadway, Monte Carlo)
  • Dezember 2006 – DVD: »Cinema Classics Collection 2«, 20th-Century/Fox (Circus, Race Track, Opera, Olympics)
  • Mitte 2006 – DVD: »Cinema Classics Collection 1«, 20th-Century/Fox (London, Paris, Egypt, Shanghai)
  • Anfang 2004 – DVD: »Chanthology«, MGM (Secret Service, The Chinese Cat, Black Magic, The Jade Mask, The Scarlet Clue, The Shanghai Cobra)
  • 2001 – Buch: »Charlie Chan’s Words of Wisdom«, Howard M. Berlin
  • 2000 – Buch: »The Charlie Chan Film Encyclopedia«, Howard M. Berlin
  • 1999 – Buch: »A Guide to Charlie Chan Films«, Charles P. Mitchell
  • 1989 – Buch: »Charlie Chan at the Movies«, Ken Hanke
  • 1988 – Buch: »In Manors and Alleys«, Jon Tuska