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Charlie Chans größter Fall – Die Kritiken

The House without a Key - Earl derr BiggersSchon die erste Szene der Verfilmung des ersten Romans “The House without a Key” zeigt, wie sehr der Film auf Charlie  zugeschnitten ist. Obwohl er erst nach fast einem Drittel der Zeit erscheint.

Alle 11 Kinder beteiligen sich beim Zusammensuchen seiner Habseligkeiten, als er mitten in der Nacht zum Tatort gerufen wird. Und natürlich wollen sie mit dabei sein. Schade, dass wir das nicht mehr sehen dürfen.

Von dem Film sind lediglich einige sekundenlange Outtakes mit Oland erhalten geblieben, veröffentlicht auf „Bloopermania“ (Goodtimes). Wenn etwas schief lief, sprach er doch sehr „unchanhaft“ 😉

Die Kritiken von anno dunnemal:
Variety fand die Kameraarbeit eindrucksvoll und sah Spannung und mehr Comedy-Elemente als sonst in dieser Sorte Film.
Paimanns Filmlisten vom 30. Mai 1934 empfand die Handlung etwas schwer übersichtlich. Dazu kamen Untertitel, die es schwer machten, der Handlung zu folgen.

Allerlei zu “Charlie Chan’s größter Fall”

Charlie Chans Greatest Case - Lobbycard 1b Originaltitel: »CHARLIE CHAN’S GREATEST CASE«
basiert auf dem Roman “The House without a Key”
Laufzeit: 71 Minuten

Produktionszeitraum: ab Mitte Juli 1933
Copyright: FOX Film Corporation, 29. August 1933
Premiere: 15. September 1933

Charlies beste Sprüche:

  • Katze die versucht zwei Mäuse zur selben Zeit zu fangen bleibt ohne Abendmahl
  • Nur hetzen um Hand aus Maul von Tiger zu ziehen
  • Auch weisester Mann kann nicht antworten solange er Frage nicht kennt.
  • Das kleinste Juwel leuchtet manchmal am hellsten.

Das Haus ohne Schlüssel - Earl derr BiggersEs spielen:

Warner Oland [Charlie Chan]
Heather Angel [Carlotta Eagan]
Roger Imhof [Landstreicher]
John Warbuton [John Quincy Winterslip]
Walter Byron [Harry Jennison, Anwalt]
Ivan Simpson [Kapitän]
Virgina Cherrill [Barbara Winterslip]
Francis Ford [Captain Hallett]
Robert Warwick [Dan Winterslip]
Frank McGlynn [Amos Winterslip, Bruder]
Clara Blandick [Minerva Winterslip, Schwester]
Claude King [Captain Arthur Temple Cope]
William Stack [Hotelbesitzer]
Gloria Roy [Arlene Compton]
Cornelius Keefe [Steve Leatherbee]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Heather Angel spielte u.a. 1938/39 dieselbe Rolle in “Scotland Yard blamiert sich”, “Scotland Yard erlässt Haftbefehl” und “Scotland Yard auf falscher Spur”.

John Warburton ist neben anderem zu sehen in “Dick und Doof – Die Leibköche seiner Majestät”, “Tarzan wird gejagt” oder als Centurion, einer der ersten Romulaner, in “Raumschiff Enterprise” (Ep. “Spock unter Verdacht”)

Ivan F. Simpson war 1935 in “Meuterei auf der Bounty” und in “Unter Piratenflagge”, 1937 in “Der Prinz und der Bettelknabe” oder 1938 in “Die Abenteuer des Robin Hood” und 1939 in “Die Abenteuer des Sherlock Holmes”.

Francis Ford spielte in “Frankenstein” mit, in “Charlie Chan’s Courage”, später in Charlie Chan’s Geheimnis und Charlie Chan im Zirkus, 1939 in “Trommeln am Mohawk” oder 1949 in “Der Teufelshauptmann”.

Robert Warwick spielt später in Charlie Chan beim Pferderennen, 1937 in “Der Prinz und der Bettelknabe” oder 1938 in “Die Abenteuer des Robin Hood”, “Der Herr der sieben Meere”, “Der Kalif von Bagdad”, 1948 “Die drei Musketiere” oder 1952 “Gegen alle Flaggen”.

Clara Blandick spielte 1934 in “Millionäre bevorzugt”, 1939 in “Die Abenteuer des Huckleberry Finn” und “Der Zauberer von Oz” oder auch 1941 in “Die Marx Brothers im Kaufhaus”.

Claude King war mit Charlie Chan in London, 1935 in “Wir sind vom schottischen Infanterie-Regiment” oder 1941 in “Arzt und Dämon”.

Gloria Roy war noch ein halbes Dutzend mal mit von der Partie: Charlie Chan in Ägypten, Charlie Chan’s Geheimnis, Charlie Chan beim Pferderennen, Charlie Chan am Broadway, Charlie Chan auf der Schatzinsel und Charlie Chan in Panama. Dazu kam Mr. Moto und der Wettbetrug, Mr. Moto und der Dschungelprinz und Mr. Moto und die geheimnisvolle Insel sowie Filme wie “Früchte des Zorns”.

Charlie Chan’s größter Fall (worum gehts?)

Charlie Chans Greatest Case - Poster 1(CHARLIE CHAN’S GREATEST CASE, USA, 1933, FOX Film Corporation)

Ein junger Mann macht sich auf den Weg, seine Tante von Hawaii abzuholen. Eine geheimnisvolle Kassette, die er seinem Onkel mitbringen soll, wird schon auf der Überfahrt gestohlen und der Verwandte noch vor Ankunft auf den Inseln ermordet. Zusammen mit Charlie Chan macht er sich auf, den Mörder zu finden …

Dan Winterslip wird von seinem Bruder, der ihn jahrelang gemieden hat, wegen der Affäre zu einer Frau mit zweifelhaftem Ruf erfolglos zur Rede gestellt. Der Strenggläubige will seinen reichen Bruder lieber tot sehen als das er eine solche Ehe einginge. Auch die bei Dan zu Gast befindliche Schwester der beiden, kann ihn nicht besänftigen.
Wenig später, als Dan eine Meldung in der Zeitung liest, springt er plötzlich auf und fährt los um ein Telegramm aufzugeben. Der Diener, bemächtigt sich unauffällig die Zeitung.
Derweil ist John Winterslip, Neffe der Geschwister, von Boston unterwegs nach Hawaii um seine Tante wieder an die Westküste zurückzubegleiten. In San Francisco begibt er sich zusammen mit seinem in der Stadt wohnenden Verwandten zu einem Haus, welches gelegentlich Dan Winterslip als Quartier dient. Sie haben per Telegramm den Auftrag erhalten eine kleine Truhe vom Speicher zu holen, die John auf der Überfahrt über Bord werfen solle. Eine dunkle Gestalt wird gerade noch daran gehindert die Truhe zu entwenden und so kann John sie zu seinem Gepäck hinzunehmen.
In einem Nachtclub trifft er wenig später seine Cousine und ihren Verlobten, der als Anwalt für Dan Winterslip tätig ist. Sie fahren zufällig alle gemeinsam auf demselben Schiff, das aufgrund Nachfrage einiger Passagiere versuchen wird, einige Stunden früher am Ziel anzukommen.
An Bord erfährt John von einem Reverend etwas über die verbrecherische Vergangenheit seines Onkels Dan, wobei der unter anderem seinen Kapitän bestohlen haben soll. Der Name des Mannes passt genau zu den Initialen auf der Truhe vom Speicher, die wenig später, als John sie gerade über Bord werfen will, gestohlen wird.
Dan Winterslip trifft in einem Hotel ein und hört, dass sein Ex-Kapitän dort wohnt. Er ist dort, um eine Halskette zurückzubekommen. Die Frau, die sie hat, gibt jedoch vor, sie sei zur Reparatur.
Mitten in der Nacht kehrt Dans Schwester heim und sieht Dunkeln des Hauses das Leuchten einer Armbanduhr. Beunruhigt alarmiert sie den Diener und gemeinsam finden sie Dan erstochen auf der Veranda.
Die Polizei wird alarmiert und Charlie Chan aus dem Bett geklingelt. Seine Kinder tragen ihm die Ausstattung zusammen und in kürzester Zeit ist er unterwegs. Der Doktor stellt fest, das dem Toten in Kampfsportmanier auch der Arm gebrochen worden war. Charlie sichert die Zigarettenkippe einer auf Hawaii nicht erhältlichen Marke und findet ein Stück Seetang. Von den Hausangestellten ist zu hören, das verschiedene Personen am Abend mit Dan Winterslip gestritten hatten, unter anderem der Hotelbesitzer. Schließlich findet sich noch eine Halskette mit auffälliger Brosche auf der Veranda.
Da Johns Schiff es nicht geschafft hatte, den Hafen am Vorabend zu erreichen und bis zum nächsten Morgen vor der Insel vor Anker gehen musste, konnten er und seine Cousine samt Verlobten den Verstorbenen nicht mehr treffen und sind entsetzt als sie die Neuigkeit hören.
Da Dans Schwester der Hawaiianischen Polizei nicht vertraut schickt sie John los, um die Fortschritte zu überwachen. An der Seite Chans fährt er zunächst zum Hotel, wo sie zusammen den Hotelbesitzer befragen wollen …

Besser ein Remake als gar kein Chan

DVD The Black Camel Drehbuch-Recycling ist für Hollywood nichts neues.
Stummfilme wurden als Tonfilm neu aufgelegt, schwarz-weisses in Farbe, europäische Geschichten amerikanisiert, 2D als 3D wiedergeboren, Blockbuster als ReStart-Blockbuster und es wird so weiter gehen. Nicht dass man das Original zwangsläufig wiedererkennen muss – aber in Charlies Fall lagen die Remakes zeitlich so dicht beeinander, dass manch Zuschauer schon in den 1930/40er Jahren ins Grübeln gekommen sein dürfte.

Zunächst verfilmte 20th-Century/Fox fünf der sechs Charlie Chan Bücher neu, wovon 3 der alten Filme von Fox selber stammten:

  • Behind that Curtain (1929) – Charlie Chan’s Chance (1932)
  • House without a Key (1926) – Charlie Chan’s Greatest Case (1933)
  • The Chinese Parrot (1927) – Charlie Chan’s Courage (1934)
  • Charlie Chan carries on (1931) / Eran Trece (1931) – Charlie Chan‘s Murder Cruise (1940)
  • The Black Camel (1931) – Charlie Chan in Rio (1941)

Hamilton MacFadden war Regisseur von “The Black Camel” und spielte eine Mini-Rolle als Regisseur der Crew-im-Film. Im Remake “Charlie Chan in Rio” war er nur als Schauspieler dabei und dürfte geweint haben, wie man den Stoff 10 Jahre später so viel schlechter umsetzen konnte.

Monogram machte keine Remakes im engeren Sinn sondern arbeitete ältere Drehbücher um.
So startete der dritte Chan-Darsteller der Serie mit zwei gut abgehangenen Drehbüchern von Mr. Wong-Krimis. Mr. Wong war – ähnlich wie Mr. Moto – überhaupt erst wegen Charlies Erfolg als asiatischer Ermittler geschaffen worden. Und kaum hatte man mit “The golden Eye” schon fast einen Chan-Western gemacht, passte man für den Nachfolgefilm sogar ein Western-Skript an:

  • Mr. Wong in Chinatown (1939) – The Chinese Ring (1947)
  • Mr. Wong, Detective (1938) – Docks of New Orleans (1948)
  • Riders of the whistling Skull (1937) – The feathered Serpent (1948)

Drehbuchschreiber Oliver Drake schrieb nicht nur den Western “Riders of the whistling Skull” (lt. Jon Tuska, “In Manors and Alleys”, Greenwood, 1988), sondern bastelte das ganze selber zum Charlie Chan “The feathered Serpent” um. Schauspieler Robert Livingston war in beiden Streifen dabei.

Alles nichts gegen den Erfinder von Charlie Chan: Earl Derr Biggers veröffentlichte 1913 seinen Roman “Seven Keys to Baldpate”, der bis zu seinem Tod 1933 viermal verfilmt wurde, davon dreimal stumm, und bis 1947 folgten zwei weitere Remakes.