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Buch 5: Charlie Chan macht weiter

Charlie Chan macht weiterEine Weltreisegruppe hat einen ungebeten Gast; ein Mörder dezimiert die Teilnehmer, denn leider erweist er sich als nicht immer zielsicher und trifft Unschuldige. Der erste Tote wird in London gefunden. Scotland Yard-Inspektor Duff hat keine heiße Spur aber bleibt dran. Der Mörder auch und so trifft es den Nächsten in Südfrankreich und in San Remo folgt dessen nicht mitreisende Frau. Eine Verbindung ist gefunden und sie weist weit in die Vergangenheit. Über Ägypten geht es nach Asien, wo ein Londoner Polizist sich inkognito zur Gruppe gesellt. Wenig später stirbt auch er.

Honolulu ist die vorletzte Station, bevor die Reise in San Francisco enden wird. Ein Attentat auf Duff in Charlie Chans Büro nimmt letzterer persönlich. Duff fällt aus und Charlie Chan macht weiter. An Bord des Schiffes ist Charlie nicht bei allen gern gesehen, aber er bleibt daran und überführt den Täter. Nebenher findet sich auch ein Pärchen, dass sich von Charlie verkuppeln lässt …

ICharlie Chan carries on Posterm Titel steht Charlie Chan, doch der erscheint erst nach der Hälfte des Buches. Der Leser verbringt viel Zeit beim Warten auf den Hauptdarsteller.
Auch Kashimo aus DAS SCHWARZE KAMEL ist wieder dabei und geht gegen den Willen der Kollegen an Bord um mitzuermitteln. Damit ähnelt er diversen Chan-Söhnen in den Filmen .
Die „Saturday Evening Post“ veröffentlichte »CHARLIE CHAN CARRIES ON« zwischen 9. August und 13. September 1930. Wenig später erschien das Buch.
Mit der Verfilmung dieses Krimis bei Fox Film (1931) begann Charlies Siegeszug auf der Leinwand. Im Film stellt Charlie am Ende eine Falle, die im Buch nicht vorkommt.

Besser ein Remake als gar kein Chan

DVD The Black Camel Drehbuch-Recycling ist für Hollywood nichts neues.
Stummfilme wurden als Tonfilm neu aufgelegt, schwarz-weisses in Farbe, europäische Geschichten amerikanisiert, 2D als 3D wiedergeboren, Blockbuster als ReStart-Blockbuster und es wird so weiter gehen. Nicht dass man das Original zwangsläufig wiedererkennen muss – aber in Charlies Fall lagen die Remakes zeitlich so dicht beeinander, dass manch Zuschauer schon in den 1930/40er Jahren ins Grübeln gekommen sein dürfte.

Zunächst verfilmte 20th-Century/Fox fünf der sechs Charlie Chan Bücher neu, wovon 3 der alten Filme von Fox selber stammten:

  • Behind that Curtain (1929) – Charlie Chan’s Chance (1932)
  • House without a Key (1926) – Charlie Chan’s Greatest Case (1933)
  • The Chinese Parrot (1927) – Charlie Chan’s Courage (1934)
  • Charlie Chan carries on (1931) / Eran Trece (1931) – Charlie Chan‘s Murder Cruise (1940)
  • The Black Camel (1931) – Charlie Chan in Rio (1941)

Hamilton MacFadden war Regisseur von “The Black Camel” und spielte eine Mini-Rolle als Regisseur der Crew-im-Film. Im Remake “Charlie Chan in Rio” war er nur als Schauspieler dabei und dürfte geweint haben, wie man den Stoff 10 Jahre später so viel schlechter umsetzen konnte.

Monogram machte keine Remakes im engeren Sinn sondern arbeitete ältere Drehbücher um.
So startete der dritte Chan-Darsteller der Serie mit zwei gut abgehangenen Drehbüchern von Mr. Wong-Krimis. Mr. Wong war – ähnlich wie Mr. Moto – überhaupt erst wegen Charlies Erfolg als asiatischer Ermittler geschaffen worden. Und kaum hatte man mit “The golden Eye” schon fast einen Chan-Western gemacht, passte man für den Nachfolgefilm sogar ein Western-Skript an:

  • Mr. Wong in Chinatown (1939) – The Chinese Ring (1947)
  • Mr. Wong, Detective (1938) – Docks of New Orleans (1948)
  • Riders of the whistling Skull (1937) – The feathered Serpent (1948)

Drehbuchschreiber Oliver Drake schrieb nicht nur den Western “Riders of the whistling Skull” (lt. Jon Tuska, “In Manors and Alleys”, Greenwood, 1988), sondern bastelte das ganze selber zum Charlie Chan “The feathered Serpent” um. Schauspieler Robert Livingston war in beiden Streifen dabei.

Alles nichts gegen den Erfinder von Charlie Chan: Earl Derr Biggers veröffentlichte 1913 seinen Roman “Seven Keys to Baldpate”, der bis zu seinem Tod 1933 viermal verfilmt wurde, davon dreimal stumm, und bis 1947 folgten zwei weitere Remakes.

Charlie Chan – Es waren Dreizehn (1931)

Eran Trece - Title“Eran Trece” (“Es waren Dreizehn”) ist praktisch identisch mit CHARLIE CHAN CARRIES ON (“Charlie Chan macht weiter”) und wurde von Fox Film 1931 parallel zu diesem auf spanisch gedreht. Neben den Dialogen wurden die Namen der Weltreisenden leicht angepasst.

Laufzeit: 79 Minuten
Premiere: 04.12.1931, erstaunliche 8 Monate nach dem Original

Es spielen:

Eran Trece - StillManuel Arbó[Charlie Chan]
Rafael Calvo[Inspektor Duff]
Raúl Roulien[Max Minchin]
Blanca de Castejón[Peggy Minchin]
Miguel Ligero[Frank Benbow]
Amelia Santee[Mrs. Benbow]
Juan Torena[Dick Kennaway]
Ana Maria Custodio[Elen Potter]
Carmen Rodriguez[Mrs. Rockwel]
Julio Villarreal[Dr. Lofton]
José Nieto[Captain Kin]
Carlos Diaz de Mendoza[Walter Decker]
Lia Torá[Sybil Conway]
Marin Garralaga[John Ross]
Antonio Vidal[Paul Nielson]
Ralph Navarro[Inspektor Gardner]

Beim Übergang vom Stumm- zum Tonfilm mussten die Studios sich etwas einfallen lassen. Der Aufbau der Synchrontechnik und die Akzeptanz solcherart geänderter Filme ließ noch auf sich warten. Die Auslandsverwertung gestaltete sich nun schwierig, denn selbst das Englische war nicht so weit verbreitet, dass Hollywood etwa in Kontinentaleuropa oder Südamerika auf viele Zuschauer hoffen konnte. Die neuen Untertitel, im laufenden Bild eingeblendet, waren eine Möglichkeit, aber gewöhnungsbedürftig und in Ländern mit starken eigenen Filmgesellschaften (u.a. Deutschland) konnte man so nicht konkurrieren.

In der Zwischenzeit drehte man den einen oder anderen Film schlichtweg in unterschiedlichen Sprachen mehrmals, so auch “Dracula” parallel in spanisch. Dafür engagierte man Muttersprachler, die in denselben Kulissen direkt nach der Originalfassung spielten, bei “Es waren Dreizehn” während der Nacht. Wo es ging engagierte man einen im jeweiligen Markt etablierten Star, in diesem Fall Raúl Roulien, dem man auch mal eine besondere Szene gestattet, hier die Gesangseinlagen bei der Abschiedsfeier, wodurch diese Fassung Minuten länger dauert als die englische.

“Eran Trece” galt wie viele frühe Chan-Filme als verloren und wurde erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Er ist untertitelt auf der ersten deutschen Charlie-Chan-DVD-Box drauf.

Charlie Chan macht weiter – Die Kritiken

Charlie Chan carries on TrailerCharlie Chans erster Auftritt im neuen Format. Der Held rückt ins Zentrum der Geschichte und von dort mag man ihn sich nicht mehr wegdenken. Wie 3 Filme zu Büchern mit ihm ohne ihn verfilmt werden konnten ist schwer vorstellbar.
Es ist schon vieles vorhanden, was die Serie ausmacht: Das unterschätzt werden durch den Mörder. Das Sprüche klopfen und Falle stellen. Ein kleiner Blick auf die Familie. Und natürlich die Kollegen rund um die Welt, die ihn kennen.
Abseits davon war Charlie offenbar noch nicht in den Schlagzeilen, so dass die Passagiere seinen Namen nicht kennen, wie etwa in “Charlie Chan in Ägypten“.
Leider ist von Warner Olands Debüt in der Rolle nur ein Trailer erhalten geblieben. Einst überzeugte der Streifen Produzenten und Zuschauer. Ohne diesen Film gäbe es die ganze Serie nicht.

Charlie Chan carries on Still1Da der Film zu lange nicht mehr öffentlich verfügbar ist, gibt es nur die Premieren-Kritiken von 1931:

Für »Variety« waren die Schauspieler gut gewählt. Warner Oland trug seine Rolle elegant, wenn auch ein bisschen lethargisch, was am Tempo des Films liegen könnte, dass dem Buch Ehre mache.
Die »New York Times« bedauerte vor allem, das der liebenswürdige Spürhund und Philosoph erst zur Halbzeit erscheint und hätte Charlie gerne noch eine Stunde länger zugehört.
»Paimanns Filmlisten« haben mehr Anspruch, bemängeln die übliche Schablone. Spannung und anständige Aufmachung wird dem Film zugestanden,
als Note bleibt “ein guter Mittelfilm” – wie bei praktisch allen Chans.

Allerlei zu “Charlie Chan macht weiter”

Charlie Chan carries on PosterOriginaltitel: »Charlie Chan Carries On«
Laufzeit: 69 Minuten

Produktionszeitraum: 3. Januar bis Ende Januar 1931
Copyright: Fox Film Corporation, 11. Februar 1931
Premiere: 12. April 1931

Charlies beste Sprüche:

  • Aller Unfrieden beginn mit öffnen eines Mundes.
  • Dem, der das Huhn füttert gebührt das Ei.
  • Nur sehr mutige Maus baut Nest in Katzenohr.
  • Keine Zeit Brunnen zu graben wenn Haus erst brennt.

Es spielen:

Marguerite Churchill [Pamela Potter]
John Carrick [Mark Kennaway]
Warner Oland [Charlie Chan]
Warren Hymer [Max Minchin]
Marjorie White [Sadie Minchin]
C. Henry Gordon [John Ross]
William Holden [Patrick Tait, Anwalt]
George Brent [Captain Ronald Keane]
Peter Gawthorne [Inspektor Duff]
John T. Murray [Dr. Lofton]
John Swor [Elmer Benbow]
Goodee Montgomery [Mrs. Benbow]
Jason Robards Sr. [Walter Honeywood]
Lumsden Hare [Inspektor Hanley]
Zeffie Tilbury [Mrs. Luce]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande sehen?

Warren Hymer spielte in “20.000 Jahre in Sing Sing”, “Blaubarts achte Frau” und “Mr. Moto und die geheimnisvolle Insel”.
Marjorie White war gleich anschließend in “Der Tod ist ein schwarzes Kamel” dabei.
Auch C. Henry Gordon kennt man von dort und anderen Chan-Filmen: “Charlie Chan bei den Olympischen Spielen”, “Stadt in Dunkelheit” (keine Synchronfassung) und “Charlie Chan im Wachsfigurenkabinett”. Außerdem in “Unter zwei Flaggen” oder “Im Tal des Schreckens”.
George Brent war neben dem Chan-Darsteller in “Der bunte Schleier”.
John T. Murray sehen wir in “Mr. Deeds geht in die Stadt”, Hitchcocks “Der Auslandskorrespondent” oder aber “Dr. Kildare – Der Hochzeitstag”.
Lumsden Hare drehte “Unter zwei Flaggen”, “Der letzte Mohikaner”, “Das Gespenst von Canterville” oder “Das Doppelleben des Herrn Mitty”.
Zeffie Tilbury war u.a. in “Dick und Doof werden Papa” oder “Die Klotzköpfe”, in “Nach dem dünnen Mann”, “Bulldog Drummond – Die Rache der schwarzen Witwe” und “Früchte des Zorns”.

 

Charlie Chan macht weiter (worum gehts?)

(CHARLIE CHAN CARRIES ON, USA, 1931, Fox Film Corporation)

Der Teilnehmer einer Gruppe Weltreisender wird erdrosselt in seinem Londoner Hotelzimmer gefunden. Doch die Reisenden sind nicht aufzuhalten und befinden sich schließlich auf Hawaii als Charlie Chan zusteigt und auf der letzten Reiseetappe den Mörder ermittelt …

Der chinesische Spürhund Titelbild

Scotland-Yard-Inspektor Duff wird in London zu einem Mord gerufen. Ein Teilnehmer einer 13-köpfigen Weltreisegruppe wurde erdrosselt. Duff vermutet aufgrund fehlender Kampfspuren der schwerhörige Mann wurde nicht in seinem Zimmer ermordet, findet aber keinen stichhaltigen Beweis dafür. Auch eine Befragung der übrigen Reisenden und ihres Reiseleiters Lofton bringt kein Ergebnis so dass der Inspektor die Gruppe weiterreisen lassen muss.
Als ein Angestellter des Hotels plötzlich mehr ausgibt als er sich leisten kann, entlockt Duff ihm, das es sich um Schweigegeld handelt. Mr. Honeywood gab es ihm, denn der Angestellte wußte als einziger, das er in jener Nacht das Zimmer mit dem Ermordeten getauscht hatte. Das der falsche ermordet wurde, erfahren wir wenig später als Mr. Honeywood in Nizza erschossen wird – kurz bevor Inspektor Duff dort eintrifft und den Mann befragen kann.
Er besucht als nächstes die in San Remo von ihrem Mann getrennt lebende Frau. Sie erklärt eine unglückliche Ehe mit einem gewissen Jim Everhard geführt zu haben, der sich als Diamantendieb entpuppte. Als sie in Südafrika mit Honeywood und einem Teil der Beute durchbrannte schwor Everhard ihnen Rache. Auf dem Weg zu einer Gegenüberstellung mit den männlichen Reiseteilnehmern wird die Zeugin im Lift erschossen.
Die Reise geht weiter in den Osten. Inspektor Duff verfolgt derweil eine andere Spur und reist nach Amerika, bleibt aber mit Pamela Potter, der Nichte des ersten Ermordeten, in Kontakt um sofort zu erfahren, wenn sich wieder etwas ungewöhnliches ereignen sollte.
In Hongkong betritt Pamela mit ihrem neuen Freund Mark einen Laden um Schmuck zu kaufen. Zwei Einheimische unterhalten sich, dabei fällt plötzlich der Name Jim Everhard, woraufhin einer der beiden auf die Reisegruppe deutet. Dort stehen Reiseleiter Lofton sowie Keane, Tait, Ross und der immerzu mit einer Schmalfilmkamera filmende Benbow. Leider verpasst Pamela den richtigen Moment herauszufinden wer gemeint war und ist nun, da Everhard annehmen muß, sie wüßte wer er ist, selbst in Gefahr. Als sie ein Telegramm für Duff aufgibt kann ihr Freund Mark sie gerade noch vor einem Attentat retten.
Die Weltreise geht weiter nach Honolulu und dort bespricht sich der alarmierte Duff mit seinem alten Freund Charlie Chan. Für einen Moment allein in dessen Büro wird der Scotland Yard-Mann durch ein Fenster niedergeschossen.
Wild entschlossen das Attentat auf seinen Freund zu rächen benachrichtigt Charlie seine Familie alles für eine Abreise fertig zu machen. Wenig später verabschiedet er sich kurz von Frau und ältestem Sohn und geht an Bord des Schiffes, das die Reisegruppe zu ihrem Ziel, San Francisco, bringen wird …