Charlie Chan Box 5 führt nach Rio und in die Wüste

Ende Mai macht PIDAX es möglich: Die synchronisierten Fox-Chans werden vollständig im Regal stehen können. Die fünfte Box enthält »Charlie Chan in Rio« und »Das Schloss in der Wüste«.

Für Tier-Freunde ist »Das Schloss in der Wüste« ein kleines Fest, nicht nur wegen Sprüchen wie »Mann ohne Feinde wie Hund ohne Flöhe«:
Es fängt an mit dem Reptil auf dem Schild am Tor, noch bevor die ersten Menschen zu sehen sind. Es gibt Esel und Pferde in Mojave Wells, Brieftaube Nr. 13576 aus Jimmys Nachrichtentruppe und den Schoßhund der Hausherrin.

Außerdem, wie des Öfteren bei Charlie, eine Schwarze Katze. Die läuft gleich zu Beginn dem ersten Opfer über den Weg. Einige Regisseure waren dafür bekannt, schwarze Katzen in ihre Filme zu schmuggeln – auch bei Chan-Filmen.

Jetzt fehlt Pidax eigentlich nur noch eine weitere Box: Die beiden synchronisierten Monogram-Filme, die bisher nicht auf DVD in Deutschland erschienen sind. Darauf müssen wir noch ein kleines Weilchen warten …

Charlie Chan in Arizona

Was wäre, hätte 20/Fox Charlie 1936 in den (Wilden) Westen geschickt?
In der 2014 entstandenen Story “Mystery of the Arizona Dragon” von Darryle Purcell passiert genau das und die Schauspieler kommen auf eine Ranch, um den Umgang mit Pferden zu lernen. Bald gibt es Tote, denn finstere Mächte sind in der Gegend am Werk.

Warner Oland (Charlie Chan) und Keye Luke (Lee Chan) sind hier natürlich mit dabei, das macht den Reiz für Chan-Fans aus. Kurz wird ihr Werdegang eingeflochten, auch als Leinwand-Team, das die Chan-Reihe erst veredelt hat. Beide bekommen kleine, feine Dialoge und dürfen ein wenig zur Auflösung beitragen.

Neben dem Erzähler Curly Woods, seines Zeichens Hollywood Cowboy Detective, ist aber Western-Legende “Hoot” Gibson der Co-Star, der den Schauspielern etwas beibringen soll und ebenfalls bei der Aufklärung des Falles hilft.
Der reale “Hoot” Gibson war, nebenbei gesagt, kurzzeitig Ehemann von Sally Eilers, die im Chan-Film “Der Tod ist ein schwarzes Kamel” (THE BLACK CAMEL, 1931) die weibliche Hauptrolle gespielt hatte.

Die Geschichte enthält viel Cowboy-Romantik, Schiessereien, ein wenig Detektivspiel und schließlich Spionage-Elemente. Der Autor kennt sein Western-Setting und bringt das so launig rüber, dass man ihn als Erzähler/Filmheld in “Western von Gestern” sehen wollte. Dazu bringt er immer wieder Details aus Charlie Chan Filmen unter, etwa ein ferngesteuertes Flugzeug, sowie viel Zeitgeschichte.

Mit moderaten Englisch-Kenntnissen kommt man gut durch die 108 Seiten (inkl. einer handvoll Zeichnungen) sowie die Bonusstory “Mystery of the Stuntman Ghost” (32 S.). Der kurzweilige Ausflug in das Western-Genre enthält keine tiefschürfenden Charakterzeichnungen und steuert geradlinig auf ein Ziel zu. Nicht zu viel erwarten, dann ist der Dragon gut für zwischendurch geeignet.

Stan und Olli auf Charlie Chans Schatzinsel

Zufalls-Begegnungen gibt es manchmal … Ende 2018 war es soweit. Kaum ist die DVD mit »Charlie Chan auf der Schatzinsel« endlich auf den deutschen Markt gekommen (16.11), da sendet »Kabel 1« über die Weihnachtsfeiertage mehrere Komödien mit Stan Laurel und Oliver Hardy. Die entstanden damals ebenso wie Charlies Film bei 20th/Century Fox und haben eine Gemeinsamkeit …

Auf der Schatzinsel (CHARLIE CHAN AT TREASURE ISLAND) wurde im April/Mai 1939 gedreht und kam am 8. September in die Kinos. Der Schlussakt spielt in einem Theater bei Rhadinis Zaubershow,

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der die Gedankenleserin Eve Cairo auf die Bühne holt. Unübersehbares Requisit ist ein geschmückter Holzzylinder mit aufgesetztem Sphinx-Kopf in dem Personen erscheinen oder verschwinden.

Der Film »Dick & Doof: Fauler Zauber« (A-HAUNTING WE WILL GO) wurde 1942 produziert, nachdem Laurel und Hardy von Hal Roach zu 20/Fox gewechselt waren. Am 7. August 1942 kam die Komödie in die US-Kinos. Der Schlussakt spielt in einem Theater bei Dantes Zaubershow. Der hat eine Assistentin und ein großes Bühnen-Requisit in dem Stan verschwinden wird.

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Klar zu erkennen ist, dass das Kostüm von Eve Cairo, dass sie in Schatzinsel trug, nun Dantes Assistentin gut steht. Der Sphinx-Zauberkasten wird ebenfalls wieder verwendet. Wie schön, dass man damals schon an Recycling dachte 😉
Spaß beiseite, vom großen Fundus haben umgekehrt auch immer die Chan-Filme profitiert. Aber nettes Zusammentreffen, so knapp 80 Jahre später …

Vierte Doppel-DVD: Charlie Chan im Big Apple und an Bord

Pidax macht weiter: Ab 22. März sehen wir Charlie Chan in New York und an Bord eines alten Segelschiffes inklusive Piratengeist.
Die beiden Filme »Mord über New York« und »Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff« zeigen nicht nur Charlie an sehr unterschiedlichen Locations, sondern auch Sohn Jimmy: Er kann einmal mit seinem Wissen als Chemie-Student glänzen und beim anderen Mal als blinder Passagier von Seereisen und Piratengold träumen.

Unnützes Wissen:
Wenn Jimmy hier mal von »zu Hause« ausreißt, um an Bord der »Suva Star« zu kommen, sollte man annehmen, das Schiff läge im Hafen von Honolulu auf Hawaii. Jedoch ist Los Angeles wahrscheinlicher, denn die einzige bekannte Cocos Insel, zu der die Schatzsucher aufbrechen könnten, liegt vor der Küste von Costa Rica in Mittelamerika.

Chang Apana – mehr als ein Charlie Chan Vorbild

Er war nicht Charlie Chan, aber zu jener Zeit bei der Honolulu-Polizei beinahe schon legendär. Als Autor Earl Derr Biggers für seinen Hawaii-Krimi recherchierte, stieß er auf einen Zeitungsbericht über Chang Apana. Schon war die Idee geboren, auf der exotischen Insel einen chinesischen Polizisten ermitteln zu lassen.

Chang Apana, geboren am 26. Dezember 1870 nahe Honolulu auf Oahu, arbeitete bereits als Jugendlicher auf einer Ranch und trug Cowboyhut und Bullenpeitsche. Als amerikanische Truppen die Inseln 1898 besetzten, war Apana bereits als Tierschützer im öffentlichen Dienst tätig. Bald wurde der US-Marshal aufmerksam und Chang Apana wechselte in den Polizeidienst.

Wichtig war ihm eine Spezialerlaubnis, mit der er die Bullenpeitsche, mit der er Vorführungen gab, auch im Einsatz tragen zu dürfen.
Mit Mördern hatte Apana im Gegensatz zu Charlie Chan kaum zu tun, eher mit Opium-Schmugglern und Glücksspielern zuhauf. Da taucht in den Polizei-Meldungen oft lapidar etwas auf wie: »Polizei Offizier Apana fasste gestern in Palama Glücksspieler, brachte zehn in Haft.« (The Pacific commercial advertiser, 27. July 1908)

Apana wich keinem Kampf aus, war nicht gerade für Langmut bekannt und konnte ordentlich Prügel austeilen. Immer wieder verkleidete er sich, um in versteckte Spielhöllen zu gelangen. Etliche überlebte Messerattacken, die Festnahme von 40 Spielern auf einen Streich und ein Sturz aus dem zweiten Stockwerk mit umgehender Rückkehr machten ihn bei Kriminellen zum gefürchteten Gegner.

Apana hatte viele Kinder aus mehreren Ehen. Er sprach nur Hawaiianisch und »Pidgin-Englisch«, konnte nicht lesen, aber das war für die Arbeit nicht wichtig. Eine der Töchter las ihm auf der Veranda des Hauses am Punchbowl Hill gerne aus Magazinen vor oder die Zwischentitel im Kino.

Chang Apana wurde regelmäßig befördert, und ab 1925, nach Erscheinen von Earl Derr Biggers Krimi, wurde er oft als »Charlie Chan« angesprochen. Den Touristen gab er lächelnd Autogramme.
1931, bei den Dreharbeiten zum Chan-Film »Der Tod ist ein schwarzes Kamel« wurde Chang Apana eingeladen, die Dreharbeiten zu besuchen. Er kam gerne und amüsierte sich insbesondere über die Chan-Sprüche. Zusammen mit Hauptdarsteller Warner Oland posierte er vergnügt den Fotografen.

Nach einem Schlüsselbeinbruch bei einen Unfall 1932 wurde Chang Apana pensioniert und arbeitete als Wachmann weiter. Ende des Folgejahres wurde bei dem an Diabetes leidenden Apana eine Beinamputation notwendig, in deren Verlauf er am 8. Dezember 1933 verstarb.
Die Zeitungen titelten landesweit »Charlie Chan ist tot« und verwiesen auf Biggers Ideenfindung. Bei der großen Trauerfeier waren die Mitglieder der Polizei anwesend und das Militärorchester spielte.

Viel hatten der drahtige, zigarettenrauchende Apana und Charlie Chan nicht gemeinsam. Dennoch gestand Earl Derr Biggers, dass wenn Charlie schon ein Vorbild haben müsse, es keinen Besseren als Chang Apana geben könne.

Oh du Fröhliche … Was für ein Jahr!

Charlie Chan unterm Weihnachtsbaum? In den Filmen gab es das nicht zu sehen, immerhin Ostereier hat Charlie hergestellt. Aber gucken darf man? Passen Krimis in die besinnliche Weihnachtszeit? Also, wirklich. In jedem Vorabend-Krimi geht es heutzutage gewalttätiger zu als in den beschaulichen Chan-Krimis.

Weihnachtlich wirds draußen und bald kommt der Weihnachts-Chan! Was darf es sein? 2018 brachte viele tolle Sachen! Die brandneuen Doppel-DVDs von Pidax? Charlie Chan in Honolulu und in Reno? Charlie Chan auf der Schatzinsel und in Panama! Da wirds festlich! Vielleicht noch die im Mai erschienene DVD mit dem 70er Jahre Film »Ein wohlgehütetes Geheimnis«?

Außerdem ist bei Tannenduft endlich mal Zeit für eines der vier Hörspiele, die letztes Jahr bei Allscore rauskamen? Und bei Lichterschein zu lesen gäbe es auch Neues: »The Charlie Chan Films« (J.L. Neibaur, Mai 18), »Charlie Chan’s Poppa: Earl Derr Biggers« (B. Gregorich, Februar 18) oder »Charlie Chan – Eine schwarz / weiße Ära« (M.L. Höfler, Oktober 17).

Dieses Jahr hat uns viel schönes beschert. Da wird sich doch was finden, für angenehme lange Winterabende bei schwarz/weiß!
Morgen Kinder wird’s Chan geben! Fröhliche Weihnacht!

DVD Box 3: Charlie Chan macht weiter

Die dritte Doppel-Box kommt zwar erst Ende Januar nächsten Jahres, aber wir Fans dürfen zufrieden Neujahr feiern: Es geht weiter! Box 4 und 5 sind bei Pidax fest eingeplant. Ein Träumchen wird wahr.

In Box 3 enthalten sind »Charlie Chan auf Kreuzfahrt« und »Charlie Chan im Wachsfigurenkabinett«.

Die Kreuzfahrt geht gut los: Ein Blauer Brief von der Schule in der Post für Charlie Chan? Sohn Willie will das Schreiben unterschlagen und bekommt rechtzeitig Hilfe von Scotland Yard, bevor Charlies Spruch wahr werden kann: »Manchmal schnellster Weg zu Gehirn von Sprössling sind Klapse am anderen Ende!«

»Charlie Chan auf Kreuzfahrt« ist nebenbei gesagt eine Art Remake von »Charlie Chan macht weiter« von 1931. Der allererste Chan-Streifen, nach einem der 6 Chan-Romane, war ein sensationeller Erfolg. Allerdings galt der Film nach einem Archivbrand damals schon als verloren. Zeit für eine Neuverfilmung!