2021 – 90 Jahre »Charlie Chan macht weiter«

Anfang Januar 1931 fiel die erste Klappe für den Film »Charlie Chan carries on«. Warner Oland spielte die Hauptrolle und machte Charlie Chan zum beliebtesten Filmdetektiv seiner Zeit. Selbst die Produzenten bei Fox waren begeistert: Noch vor der gefeierten Premiere am 12. April 1931 begann der Dreh zum Nachfolger »Das schwarze Kamel«.

Jeder der fünf Romane mit Charlie Chan, die bis 1930 erschienen, wurde umgehend von Hollywood gekauft und auf die Leinwand gebracht. Fox hatte den dritten Roman von Earl Derr Biggers als Abenteuerfilm 1929 umgesetzt. Darin trat Charlie gerade mal kurz vor Schluss als rächenden Arm des Gesetzes auf. Nicht das, was seine Fans sehen wollten.

Der Autor und die Fox-Produzenten kamen überein, dass man dem Detektiv mal die Chance geben sollte, im Mittelpunkt zu stehen. Es war die richtige Entscheidung. Dem Studio sicherte die Filmserie das Überleben während der Weltwirtschaftskrise. Charlie Chan wurde ein unsterblicher Leinwandheld und – damals – ein Statement.

Dass eine Verfilmung ansteht, wurde auch in Europa registriert, allerdings mit leichter Verspätung. Dabei wird klar, dass sowohl Charlie Chan als auch Warner Oland längst bekannt waren.
In Frankreich lief der Film unter dem etwas simplen Titel »Lequel?« was soviel wie »Welcher?« heißt. Für deutschsprachige Lande wählte man das noch seltsamere »Der chinesische Detektiv Charlie Chan«.

»Freie Stimmen« (Österreich) vom 29. September 1931, Seite 3: »Ganz New York in Begeisterung vermögen die Warner-Oland-Filme zu versetzen. Man kennt diesen Schauspieler, der in seiner Verkörperung chinesischer Charaktere ganz unerreicht dasteht noch aus verschiedenen stummen Fassungen früherer Zeit auch in Europa. Man hat seinen älteren Erfolgen einen neuen in dem Detektivfilm “Charlie Chan carries on” hinzugefügt, einer Geschichte, die als Roman schon seinerzeit in der “Saturday Evening Post” erschien […]«

»Das Wort der Frau« (Österreich), 6. September 1931: »Charlie Chan, der chinesische Detektiv, der durch die Romane von Earl Derr Biggers auch bei uns bekannt geworden ist, […] ist nunmehr auch für den Film “entdeckt” worden.«

Rotenturm-Kinowerbung aus
»Die Stunde« vom 29. April 1932

Übersetzungen der Chan-Romane erschienen jeweils binnen Jahresfrist auf deutsch. Das »Pilsner Tagblatt« (Tschechoslowakei) vom 10. November 1931 enthält eine Kurzbesprechung der Roman-Übersetzung (Ernst Oldenburg Verlag) und verweist auf den sehr günstigen Preis von 3 RM.

Das Bild links stammt aus »Mein Film« (Österreich), Heft 331 (1932), zu einem kleinen Bericht. Bildtext: Peter Gawthorne und Warner Oland in dem Film »Der chinesische Detektiv Charlie Chan«

Die »Österreichische Film-Zeitung« vom 7. Mai 1932 beendet ihre Besprechung folgendermaßen: »Den chinesischen Detektiv spielt Warner Oland mit der ihm gewohnten bezwingenden Sicherheit. Die spannende Handlung und die interessanten Szenenbilder machen diesen neuen Fox-Film für das Publikum äußerst sehenswert.«

Die »Illustrierte Kronen-Zeitung« (Österreich) vom 8. Mai 1932 steht nicht auf Detektivfilme und kann dem Werk nicht viel abgewinnen (»an den Haaren herbeigezogen«). Immerhin geht der Rezensent immer mal ins Detail: »Halbdunkelszenen, rascher Bildwechsel, die fremdartigen chinesischen Straßenbilder«. Durch die »einkopierten deutschen Titel« ginge »ein Großteil des Spannungsgehaltes […] verloren«.

Im »Salzburger Volksblatt« vom 20. Juni 1933 gibt es auf Seite 12 unten eine Werbung über die ganze Breite: »Ein fesselndes und spannendes Detektivdrama (100%ig englisch). Erläutert durch ins Bild kopierte deutsche Untertexte.«

Hörspiel: Hüter der Schlüssel

Von All Score Media gibt es seit 13.11. das Hörspiel zum sechsten und letzten Charlie Chan Roman »Hüter der Schlüssel«:
Dudley Ward versammelt die späteren Ehemänner seiner Ex-Frau Ellen, die er zwanzig Jahre nicht gesehen hat. Offenbar verheimlichte sie ihm bei der Trennung ihre Schwangerschaft und brachte das Kind heimlich zur Welt.

Keiner der Männer will darüber etwas wissen und dann kommt Opernsängerin Ellen Landini selbst vorbei. Wenig später ist sie tot. Ein Schuss war zu hören, aber war es der Tödliche? Der alte Hausangestellte Ah Sing wird niedergeschlagen.
Ohne auf die Polizei zu warten, zieht Charlie los, den Mörder zu suchen, der noch einmal tötet.

Leider ist der Ah Sing des Hörspiels allenfalls ein Schatten des Buch-Charakters. Vom stolzen »Hüter der Schlüssel« aus dem Titel bleibt nur ein kleiner Feigling. Seine Rolle hätte das Hollywood der 1930er Jahre kaum »geschickter« eindampfen können. Das mag dem 70-Minuten-Format geschuldet sein, wird der Figur aber nicht gerecht.

Ansonsten ist die Handlung aus dem Buch KEEPER OF THE KEYS (1932) gewohnt flott extrahiert und Charlie hat von Anfang bis Ende alles im Griff.
Nach Teil 5 spricht erneut Bodo Wolf die Hauptrolle. Mit dabei sind außerdem Klaus-Peter Grap, Sabine Arnhold, Udo Schenk, Lutz Mackensy, Jörg Hengstler, Laurine Betz u.a. [Hörprobe bei youtube]

Charlie Chan im Berliner Kino

Endlich wieder auf der großen Leinwand, mitten in Berlin, Unter den Linden:
Das Zeughauskino, beheimatet im Deutschen Historischen Museum, zeigt am Samstag, 10. Oktober 2020, um 21.00 Uhr den Film CHARLIE CHAN AT THE OLYMPICS.

Die Vorführung findet im Rahmen der Retrospektive »Rare Blicke ausländischer Filmschaffender auf Deutschlands Hauptstadt« statt. Neben dem Krimi in Originalfassung gibt es eine kleine Einführung zum Film.
Der perfekte Moment für einen Berlin-Besuch!
[ Zur Webseite ]
(Linkaktualisierung am 23.9.2020)

Hörspiel 5: Charlie Chan macht weiter

Mord in einem Londoner Hotel. Das Mitglied einer Reisegruppe wurde erdrosselt.
Die Polizei lässt die Weltreisenden jedoch weiterziehen, denn der Inspektor hat ein As im Ärmel: Die Reise führt immer weiter nach Osten, und die letzte Etappe beginnt auf Hawaii, wo Charlie Chan helfen kann, das Rätsel zu lösen.

Seit 19. Juni bereits online erhältlich, wird seit einer Woche auch die CD des Hörspiels “Charlie Chan macht weiter” von Allscore ausgeliefert (Dauer ca 68 min.).
Wie üblich ist die Produktion geschickt darin, Charlie Chan schon recht früh dabei zu haben, obwohl er in der Buchvorlage erst zur Hälfte auftaucht.
Die Handlung kommt trotz Mordfällen in London, Nizza und San Remo angenehm schnell voran, so dass die Weltreisenden bald Honolulu erreichen, wo der Detektiv zusteigt.

Nach dem Tod des bisherigen Chan-Sprechers mit der Widmung “In liebevoller Erinnerung an Helmut Krauss.”
Sprecher sind u.a. Bodo Wolf (als Charlie Chan), Stefan Gossler, Marie-Isabel Walke, Jörg Hengstler, Arne Stephan, Dagmar Dreke.
Sehr schön auch die (zu unrecht gut versteckte) Ankündigung von Teil 6 der Serie, “Hüter der Schlüssel“, der im November erscheinen soll.

»Chasing Charlie Chan« von J.L. Abramo

Gleich vorweg: Mit Charlie Chan und einem Krimi hat der Mitte der 1990er in Los Angeles spielende Thriller »Chasing Charlie Chan« (2013, bei Amazon) nichts zu tun.
Ein Privatdetektiv wird unschön umgebracht. Wenig später auch sein Auftraggeber, ein Journalist, der bei Recherchen der organisierten Kriminalität zu nahe kam. Dessen Buch sollte »Chasing Charlie Chan« heißen – wieso nur? Das fragt sich auch der überlebende Partner des Privatdetektivs, Jimmy Pigeon. Vorsicht, Spoiler …

Ein korrupter Polizist, der Geld vom Boss im Hintergrund erhält, tötet munter weiter, zunächst mal seinen unzuverlässigen Kollegen, der ihn bis dato unterstützte.
Es folgt ein kleiner Dealer und dessen Kumpel sowie ein Ermittlungsbeamter, der auf der Spur einer Zeugin war. Nachdem er einen Auftragskiller erschossen hat und beinahe auch Pigeons Kumpel bei der Polizei, macht der Privatdetektiv Schluss mit diesem Mörder.

In der Folge gibt es weitere Tote. Alles hängt zusammen mit Verbindungen zwischen der Mafia und dem Filmbusiness der 1930/40er Jahre.
Die Idee zum Buchtitel kommt über den Bungalow, in dem Chan-Darsteller Warner Oland bis zu seinem Tod wohnte. Laut Story zog anschließend nämlich ein Mafioso ein – und um diesen bald 90jährigen geht es schlussendlich.

Im Laufe der Ermittlungen wird Charlies Entstehungsgeschichte über Earl Derr Biggers und die Verfilmung mit Warner Oland so kurz wie nötig gestreift.
Die Story ist mordsmäßig konstruiert. Erzählt wird aus vielen Perspektiven. Mittlere Englischkenntnisse dürften genügen. Gerade im mörderischen Mittelteil kann der Englischlernende viel über die Verwendung des F-Wortes lernen.

Charlie Chans neue Abenteuer … Siebtes Quartett

Mal wieder ein Blick in die TV-Serie der 1950er Jahre und ihren 20-Minuten-Episoden.
Bedauerlicherweise findet sich in diesen vier Fällen wenig, dass die Zuschauer mitreissen würde.
Das Budget reicht nicht, um etwas auf den Bildschirm zu zaubern, und die Schreiber sind leider keine Drehbuchmagier.

25. Voodoo Tod
Ein reicher Unsympath stirbt, nachdem er sich genügend Feinde gemacht hat. Der Diener sorgt auch für die nötige Show und gesteht den Mord, da er dem Mann einen Voodoo-Fluch an den Hals gewünscht hat.
Charlie findet den wahren Täter.

26. Der Ausländer
Eine junge Frau will reich heiraten. Ihr (Adoptiv-)Vater ist dagegen, wird angeschossen und daraufhin sie verhaftet. Unter den Verdächtigen findet sich auch der echte Vater. Barry ist beim Fallenstellen dabei, Charlie sorgt für ein Happy End.

27. Der Flughafenmordfall
Rom. Eine Sängerin wird erschossen. Sie hatte erfahren, wie feindliche Agenten Daten über eine Atomanlage schmuggeln. Charlie liefert sich eine Schlägerei und löst den Fall, in dem es – entgegen dem Titel – eher um einen Bahnhof und Spionage geht.

28. Die Hand von Hera Dass
Charlie reist nach Ägypten um das Symbol für die Einheit einiger Stämme, »Die Hand von Hera Dass«, zu übernehmen und nach Nizza zu bringen. Barry schaltet einmal richtig fix, um böse Buben zu vertreiben! Ansonsten klärt Charlie einen Mord und die Hand kehrt natürlich nach Ägypten zurück.