Ist das auf dem linken Bild wirklich Charlie Chan? Nun, für einen kurzen Moment auf der Bühne, war er das. Im nächsten Augenblick war er aber schon Popeye!
Charlie wurde immer wieder parodiert, u.a. im Fernsehen in »Get Smart«, beim verrückten Inspektor oder in der Jerry Lewis Show 1958 oder oder oder …
Von einer Imitation durch den damals sehr bekannten Künstler Maxim Herman Raft (1902-1979, eigentlich Maksymilian Herman (nied.)) existieren nur Fotos.
Bereits zu einem Galaabend in Lausanne 1936 wurde er in Zeitungen als der »berühmte Max Herman« angekündigt, mit Imitationen von »Charlie Chaplin, Al Jolson, Charles Boyer, King Kong, Georges Raft, Charlie Chan … Viel zu lachen!«
Dem amerikanischen Schauspieler George Raft sah er ohnehin sehr ähnlich, für alle anderen passte er Mimik, Gestik oder Sprechweise an.
Über die Jahrzehnte unterhielt er mit Filmstar-Parodien von Stan Laurel, Wallace Beery oder Louis Armstrong, aber auch von Fernandel, Hans Moser, Erich von Stroheim oder Maurice Chevalier. Daneben hatte er natürlich viele weitere Persönlichkeiten mit Wiedererkennungswert im Repertoire und zog diverse Potentaten seiner Zeit durch den Kakao.
In Österreich-Ungarn geboren ahmte er bereits an Gymnasien die Lehrer nach und machte anschließend dennoch eine Bankenlehre. Aber Mitte der 1920er begeisterte er Zuseher mit einer Imitation von Charlie Chaplin, den er noch jahrzehntelang parodierte. In den 1930ern lernte er von Komikern in GB und den USA und heiratete 1940 in den Niederlanden.
Dort trat er desöfteren mit der niederländisch-österreichischen Tänzerin und Kabarettistin Cilly Wang auf. Ende der 1940er tourte er erneut durch (West)Europa und konnte überall seine Sprachkenntnisse gut anbringen.
Aus dieser Zeit existiert ein Foto zusammen mit Laurel und Hardy von deren Auftritt bei „Hollywood Parade“ (nied.) 1947 in Brüssel (auch: Raft-Autogrammkarte Barcelona 1948).
Viele Kurzauftritte absolvierte er unter dem Titel „10 Minuten Hollywood“! 1950 erhielt Raft die Staatsbürgerschaft der Niederlande und begeisterte im folgenden Jahrzehnt mit seinen Parodien und als Conférencier diverser Shows seine Zuseher in vielen Ländern. Ein Magazin-Artikel von 1949 zeigt ihn u.a. als »Charlie Chan« – darunter steht: »Diskretion und Geistesgegenwart, das ist das Geheimnis meines Erfolgs«.
Die Popeye-Imitation (rechts) stammt von einem Auftritt von Maxim Herman Raft im deutschen Fernsehen im September 1961, zu einer Zeit, da er viel als Conférencier in der Schweiz arbeitete.
Ein Meister der Verwandlung und über Jahrzehnte ein gefeierter Bühnenstar. Charlie Chan für Sekunden.
