Archiv des Autors: mhoefler

Charlie Chan in Shanghai (worum gehts?)

Charlie Chan in Shanghai DVD (CHARLIE CHAN IN SHANGHAI, USA, 1935, 20th Century / Fox Film Corporation)

Eine gefährliche Bande von Rauschgiftschmugglern treibt in Shanghai ihr Unwesen. Charlie Chan reist in geheimer Mission an, da wird ein alter Freund und wichtiger Informant erschossen. Charlie nimmt zusammen mit Sohn Lee den Kampf auf …

Auf einem Passagierdampfer sieht man Charlie als »Kindermädchen«: Er spielt mit Kindern und singt ihnen vor. Groß und Klein haben großen Spaß. Erst bei der Einfahrt in den Hafen von Shanghai wird es ernst: Jemand steckt Charlie eine Warnung zu, das Schiff nicht zu verlassen. Der Inspektor aber lässt sich nicht beirren. Den Journalisten erklärt er, eine Urlaubsreise in das Land seiner Vorfahren zu unternehmen. Wer‘s glaubt!
Am Ufer wird Charlie von Philip Nash und seiner Verlobten erwartet. Außerdem erscheint gerade rechtzeitig Lee, Sohn Nummer 1, um seinen Vater zu begrüßen. Zu Ehren des großen Detektivs wird ein Festbankett gegeben, bei dem Charlie eine antike Schriftrolle übergeben werden soll. Beim Öffnen der Schatulle wird jedoch automatisch ein Schus ausgelöst, der Philip Nashs Chef tödlich trifft. So nimmt er wichtige Informationen für Charlie mit ins Grab. Charlie möchte bei der Klärung des Falles helfen und der Polizeichef lässt ihm freie Hand.
Zurück im Hotel untersucht Lee die Warnung, die sein Vater erhalten hat, und ist sehr besorgt um ihn. Tatsächlich schießt nachts jemand durchs Fenster auf den im Bett schlafenden Detektiv – zumindest auf die Kissen, die den Eindruck erwecken sollen, er läge darin. Leider war Charlie auf dem Sofa eingeschlafen, so dass er den Attentäter nicht erwischen konnte.
In den Opiumkellern von Schanghai Filmkurier CoverAm Morgen sieht man, das eine der Telefonistinnen des Hotels mit den Mördern gemeinsame Sache macht. Sie informiert diese umgehend über Charlies Wohlbefinden beim Bestellen eines Frühstücks.
Später erfährt Charlie, das der Schreibtisch des Ermordeten in der Nacht durchwühlt worden ist und das der amerikanische Agent James Andrews am Hafen erwartet wird, der ebenfalls in die Affäre eingeweiht ist.
In diesem Moment erscheint ein Fahrer um Charlie zum Polizeichef zu bringen. Der Detektiv tätigt eine Rückfrage, die von der Telefonistin aber zum Gangsterboss, Ivan Marloff, umgeleitet wird. Kaum ist Charlie weg, nimmt Lee einen Anruf des Polizeichefs entgegen. Sofort begreift er, dass sein Vater entführt wird, und eilt hinterher. Leider gehört das Taxi, in das er mit dem üblichen „Folgen sie diesem Wagen“ steigt, ebenfalls zu den Gangstern, und er wird überwältigt …

Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin

Curse of the Dragon Queen - Poster

(„Charlie Chan an the Curse of the Dragon Queen“, 1981, Warner Brothers Pictures)

„Hawaii. Damals.“ … in stimmungsvollem schwarz/weiß.
Charlie Chan entlarvt die Drachenkönigin als Mörderin, die ihn und seine Familie daraufhin verflucht.
Als sie eine Waffe zieht, wirft sich Charlies Sohn Lee dazwischen und entwaffnet sie.
Wenig später gibt er seine Verlobung mit der Tochter des Toten, Brenda Lupowitz, bekannt.
„San Franciso. Heute.“ … in Technicolor.
Der aus Lees Ehe hervorgegangene Sprössling, Lee Chan junior, hat sich vorgenommen ein großer Detektiv zu werden.
Er wohnt in der Villa seiner Großmutter, Sylvia Lupowitz, in San Francisco und steht kurz vor seiner Hochzeit mit Cordelia Ferrington.
Gerade geht ein Serienkiller in der Stadt um, der die Polizei, namentlich Chief Baxter, heftig überfordert.
Um die grässlichen „Phantommorde“ aufzuklären, wird Charlie Chan zu Hilfe gerufen und trifft wenig später ein.
Die Drachenkönigin, längst aus dem Gefängnis entlassen, überwachte das Lupowitz-Anwesen und heftet sich an Charlies Fersen …

***

Der Fluch der Drachenkönigin - Pressefoto1Kaum war das Projekt bekannt, gab es die ersten Proteste, weil sich wieder keine Asia-Amerikaner unter den Hauptrollen befanden.
Anderseits muss beinahe jeder froh sein, der an dem Desaster nicht beteiligt war.
Auch die Chan-Veteranen, die alle noch am Leben waren aber an die offenbar niemand gedacht hatte: Roland Winters (Chan #3), Keye Luke (Sohn #1 Lee), Sen Yung (#2 Jimmy), Benson Fong (#3 Tommy) und andere.

Der Film ist eine mit Slapstick angefüllte Möchtegern-Parodie, mit dem unfähigen Enkelsohn als Hauptakteur, der überall Chaos anrichtet. Den Trottel als Sprühund hat Inspektor Clouseau schon perfekt durchexerziert, dieser Lee Chan junior bleibt dagegen selbst in der Trotteligkeit blass.
Die übrigen Darsteller wirken wie betäubt und unbeteiligt. Der knurrige Butler Gillespie – im motorisierten Rollstuhl – ist der farbigste Charakter des ganzen Films, das offenbart die ganze Schieflage.

Die beste Sequenz ist das „Charlie Chan Film Festival“ im Eltinge Theater, am Höhepunkt des Filmes, mit der dort statt findende Versammlung der Verdächtigen.
Ob die Sache mit Charlie als Filmstar im Kontext des Films logisch ist oder nicht spielt in diesem Streifen ohnehin keine Rolle (es ist nur eine weitere verpasste Gelegenheit, etwas um das Thema mit dem nicht-asiatischen Charlie Chan-Darsteller zu reflektieren).

***

Curse of the Dragon Queen - BuchEs spielen:

Peter Ustinov [Charlie Chan]
Richard Hatch [Lee Chan junior, Enkelsohn Nummer 1]
Michele Pfeiffer [Cordelia Ferrington III]
Lee Grant [Sylvia Lupowitz]
Roddy McDowall [Gillespie, der Butler]
Rachel Roberts [Mrs. Dangers, Hausangestellte]
Angie Dickinson [Drachenkönigin]
Brian Keith [Chief Baxter]
Paul Ryan [Masters, Polizei-Assistent]
Johnny Sekka [Stefan, Chauffeur]
David Hironane [Lee Chan, Sohn Nummer 1]
Karlene Crockett [Brenda Lupowitz]

Regie führte Actionspezialist Clive Donner.

***

So nebenbei: „Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin“ wird bis Ende des Monats noch bei MGM wiederholt.

Der Chinesische Ring – Die Kritiken

The chinese Ring Lobby Card 1 Auftakt für den dritten „großen“ Chan-Darsteller. Der bayrische Rundfunk hat einst auf die Synchronisation verzichtet, der Rest ist Schweigen.
Da der Drehbuchschreiber sein altes Buch zu „Mr. Wong in Chinatown“ aufpoliert sind sind die Unterschiede nicht groß: Wo Mr. Wong noch zwei Captain J nachjagte sind es hier zwei K’s. Selbst die Nummer des Hotelzimmers auf dem Schlüssel, den Captain J/K verlor ist identisch (461) und Mr. Wong hat seine Telefonnummer (MAJOR 4782) zwischenzeitlich an Charlie abgegeben.

Während Mr. Wong selbst ein Hinterzimmer in Chinatown aufsuchte, erzählt Jimmy hier von Informationen, die er erhalten hat.  Birmingham darf albernes Zeug reden und furchtsam gucken, doch am Ende ganz ohne Antrieb dem Wagen der Gangster folgen und somit endlich einmal aktiv bei der Befreiung Charlies mithelfen – Mr. Wong konnte sich noch selbst befreien.
Die üblichen Sohn/Chauffeur-Szenen entfallen durch die Dauerpräsenz des Comedy-Pärchens aus Polizist und Reporterin. Die beiden gehen bei Mr. Wong etwas pfleglicher miteinander um, wiewohl sie bei Charlie immerhin einen Kuss tauschen.
Die Reporterin durfte Wong das Leben retten, als dieser einer Bombe im Taxi entkommen musste – fast die einzige Szene, die bei Charlie komplett fehlt. Es rettet den Film allerdings nicht.

Die Kritiker sehen es damals wie heute nicht anders:
»Variety« (8.12.47) sieht hier nur unterdurchschnittliches, weil langsames Füllmaterial, voller Plot-Löcher. Winters wäre nicht ganz in der Rolle, immerhin sorge Mantan Moreland für passable Komikeinlagen.
Jon Tuska (»In Manors and Alleys«, Greenwood Press, 1988) verweist auf die Mr. Wong-Vorlage, und dass das ganze noch immer schlecht sei und die Darstellerleistungen keinen Deut besser.
Für »Leonard Maltins Movie Guide« (Plume, 2005, S. 96) ist das ganze so routiniert gemacht, das es von anderen Monogram-Billigproduktionen nicht unterscheidbar wäre.

Schwarz/Weiß im TV

Zwei aufeinander eingespielte Sender: Das WDR bringt am 12.10. um 23:30 „Schnellboote vor Bataan“, SkyNostalgie schon um 01:20 die Fortsetzung „Zwei schlagen zurück“, beide mit John Wayne.
Mitten in der Nacht geht es weiter: Das ZDF bringt Sonntag früh, 13.10., 2:40 Uhr, „Rächer der Unterwelt“ mit B. Lancaster.

Docks of New Orleans Lobbycard1Auf K1Classics läuft 15.10. um 07:30 zum Frühstück „Blaues Hawaii“ (ja, mit Elvis), mit Chan-Serie-Hauptdarsteller Nummer drei Roland Winters.
3Sat bringt uns am 18.10. um 16:10 „Die Ratten“.
ZDFneo schickt uns nächsten Samstag, 19.10. in aller Frühe um 04:35 Uhr, „Gegen alle Flaggen“.
Das rbb lässt dann um 12:00 Uhr „Das Gespenst von Canterville“ los.

Allerlei zu “Der chinesische Ring”

The chinese Ring TitleOriginaltitel: »THE CHINESE RING« (dt. wörtlich übersetzt)
Laufzeit: 68 Minuten

Produktionszeitraum: 21.8. bis Anfang September 1947
Copyright: 20.11.1947, Monogram Film Corporation
Premiere: 6.12.1947

Charlies beste Sprüche:

  • Glück ist wohltuende Kette dummer Zufälle.
  • Mann, der auf Tiger reitet, kann nicht einfach absteigen.
  • Höflichkeit ist Schlüssel zu vielen Türen
  • Seltsame Ereignisse erlauben sich stattzufinden an seltsamen Orten.

Es spielen:

The chinese Ring Poster 3Roland Winters [Charlie Chan]
Warren Douglas [Sergeant Bill Davidson]
Mantan Moreland [Birmingham Brown]
Louise Currie [Peggy Cartwright]
Victor Sen Young [Tommy Chan]
Phillip Ahn [Captain Kong]
Byron Foulger [Armstrong]
Thayer Roberts [Captain Kelso]
Jean Wong [Prinzessin Mei Ling]
Chabing [Lilly Mae]
George L. Spaulding [Dr. Hickey]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Wiederholungstäter zuerst: Philip Ahn war schon bei „Charlie Chan in Honolulu“ gelistet, Barbara Jean Wong im unmittelbaren Vorgängerfilm zu diesem, „Die Falle„.
Chabing spielte in „Die Kiste aus Schanghai„, wobei sie zwischen „Anna und der König von Siam“ (1946) und „Die Piratenkönigin“ (1951) in nur einem Halben Dutzend weiteren Filmen mitwirkte.
Thayer Roberts startet hier die Film/TV-Karriere und spielte später in „Bei Anruf Mord“ oder „König der Freibeuter“.
Für George Spaulding ist dies sein dritter Film, jedoch nach länger Pause und der eigentlicher Beginn vor der Kamera. Neben „Das goldene Auge“ spielte er u.a. in „Lockruf der Wildnis“.
Louise Currie kann man etwa sehen in „Fuzzy außer Rand und Band“ oder „Citizen Kane“.
Byron Foulger war dabei in „Der Gefangene von Zenda“ (1937), Mr. Smith geht nach Washington, einigen Dr. Kildare-Fiolmen, „Ministerium der Angst“ oder „Die unteren Zehntausend“.

Besser ein Remake als gar kein Chan

DVD The Black Camel Drehbuch-Recycling ist für Hollywood nichts neues.
Stummfilme wurden als Tonfilm neu aufgelegt, schwarz-weisses in Farbe, europäische Geschichten amerikanisiert, 2D als 3D wiedergeboren, Blockbuster als ReStart-Blockbuster und es wird so weiter gehen. Nicht dass man das Original zwangsläufig wiedererkennen muss – aber in Charlies Fall lagen die Remakes zeitlich so dicht beeinander, dass manch Zuschauer schon in den 1930/40er Jahren ins Grübeln gekommen sein dürfte.

Zunächst verfilmte 20th-Century/Fox fünf der sechs Charlie Chan Bücher neu, wovon 3 der alten Filme von Fox selber stammten:

  • Behind that Curtain (1929) – Charlie Chan’s Chance (1932)
  • House without a Key (1926) – Charlie Chan’s Greatest Case (1933)
  • The Chinese Parrot (1927) – Charlie Chan’s Courage (1934)
  • Charlie Chan carries on (1931) / Eran Trece (1931) – Charlie Chan‘s Murder Cruise (1940)
  • The Black Camel (1931) – Charlie Chan in Rio (1941)

Hamilton MacFadden war Regisseur von „The Black Camel“ und spielte eine Mini-Rolle als Regisseur der Crew-im-Film. Im Remake „Charlie Chan in Rio“ war er nur als Schauspieler dabei und dürfte geweint haben, wie man den Stoff 10 Jahre später so viel schlechter umsetzen konnte.

Monogram machte keine Remakes im engeren Sinn sondern arbeitete ältere Drehbücher um.
So startete der dritte Chan-Darsteller der Serie mit zwei gut abgehangenen Drehbüchern von Mr. Wong-Krimis. Mr. Wong war – ähnlich wie Mr. Moto – überhaupt erst wegen Charlies Erfolg als asiatischer Ermittler geschaffen worden. Und kaum hatte man mit „The golden Eye“ schon fast einen Chan-Western gemacht, passte man für den Nachfolgefilm sogar ein Western-Skript an:

  • Mr. Wong in Chinatown (1939) – The Chinese Ring (1947)
  • Mr. Wong, Detective (1938) – Docks of New Orleans (1948)
  • Riders of the whistling Skull (1937) – The feathered Serpent (1948)

Drehbuchschreiber Oliver Drake schrieb nicht nur den Western „Riders of the whistling Skull“ (lt. Jon Tuska, „In Manors and Alleys“, Greenwood, 1988), sondern bastelte das ganze selber zum Charlie Chan „The feathered Serpent“ um. Schauspieler Robert Livingston war in beiden Streifen dabei.

Alles nichts gegen den Erfinder von Charlie Chan: Earl Derr Biggers veröffentlichte 1913 seinen Roman „Seven Keys to Baldpate“, der bis zu seinem Tod 1933 viermal verfilmt wurde, davon dreimal stumm, und bis 1947 folgten zwei weitere Remakes.

Schwarz/weiss schwelgen

Wieder auf ARTE: Sonntag, kurz nach 6 Uhr, für Zeppelin-Fans ein absolutes Muss, für Krimi- 
Freunde nicht ganz so. Wunderbar ruhige schwarz/Weisse Reisebilder in „1929. Im Zeppelin um die Welt„.

ARTE legt am Montag abend nach mit „Rebecca„, Hitchcocks erstem Hollywoodfilm. Besser als vieles, was der Meister später dort drehte.

Ein Klassiker Mittwoch vormittag auf Sky Nostalgie: „Die letzte Patrouille“ mit Boris Karloff.