Schwarz/Weiß im TV

Zwei aufeinander eingespielte Sender: Das WDR bringt am 12.10. um 23:30 „Schnellboote vor Bataan“, SkyNostalgie schon um 01:20 die Fortsetzung „Zwei schlagen zurück“, beide mit John Wayne.
Mitten in der Nacht geht es weiter: Das ZDF bringt Sonntag früh, 13.10., 2:40 Uhr, „Rächer der Unterwelt“ mit B. Lancaster.

Docks of New Orleans Lobbycard1Auf K1Classics läuft 15.10. um 07:30 zum Frühstück „Blaues Hawaii“ (ja, mit Elvis), mit Chan-Serie-Hauptdarsteller Nummer drei Roland Winters.
3Sat bringt uns am 18.10. um 16:10 „Die Ratten“.
ZDFneo schickt uns nächsten Samstag, 19.10. in aller Frühe um 04:35 Uhr, „Gegen alle Flaggen“.
Das rbb lässt dann um 12:00 Uhr „Das Gespenst von Canterville“ los.

Allerlei zu “Der chinesische Ring”

The chinese Ring TitleOriginaltitel: »THE CHINESE RING« (dt. wörtlich übersetzt)
Laufzeit: 68 Minuten

Produktionszeitraum: 21.8. bis Anfang September 1947
Copyright: 20.11.1947, Monogram Film Corporation
Premiere: 6.12.1947

Charlies beste Sprüche:

  • Glück ist wohltuende Kette dummer Zufälle.
  • Mann, der auf Tiger reitet, kann nicht einfach absteigen.
  • Höflichkeit ist Schlüssel zu vielen Türen
  • Seltsame Ereignisse erlauben sich stattzufinden an seltsamen Orten.

Es spielen:

The chinese Ring Poster 3Roland Winters [Charlie Chan]
Warren Douglas [Sergeant Bill Davidson]
Mantan Moreland [Birmingham Brown]
Louise Currie [Peggy Cartwright]
Victor Sen Young [Tommy Chan]
Phillip Ahn [Captain Kong]
Byron Foulger [Armstrong]
Thayer Roberts [Captain Kelso]
Jean Wong [Prinzessin Mei Ling]
Chabing [Lilly Mae]
George L. Spaulding [Dr. Hickey]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Wiederholungstäter zuerst: Philip Ahn war schon bei „Charlie Chan in Honolulu“ gelistet, Barbara Jean Wong im unmittelbaren Vorgängerfilm zu diesem, „Die Falle„.
Chabing spielte in „Die Kiste aus Schanghai„, wobei sie zwischen „Anna und der König von Siam“ (1946) und „Die Piratenkönigin“ (1951) in nur einem Halben Dutzend weiteren Filmen mitwirkte.
Thayer Roberts startet hier die Film/TV-Karriere und spielte später in „Bei Anruf Mord“ oder „König der Freibeuter“.
Für George Spaulding ist dies sein dritter Film, jedoch nach länger Pause und der eigentlicher Beginn vor der Kamera. Neben „Das goldene Auge“ spielte er u.a. in „Lockruf der Wildnis“.
Louise Currie kann man etwa sehen in „Fuzzy außer Rand und Band“ oder „Citizen Kane“.
Byron Foulger war dabei in „Der Gefangene von Zenda“ (1937), Mr. Smith geht nach Washington, einigen Dr. Kildare-Fiolmen, „Ministerium der Angst“ oder „Die unteren Zehntausend“.

Besser ein Remake als gar kein Chan

DVD The Black Camel Drehbuch-Recycling ist für Hollywood nichts neues.
Stummfilme wurden als Tonfilm neu aufgelegt, schwarz-weisses in Farbe, europäische Geschichten amerikanisiert, 2D als 3D wiedergeboren, Blockbuster als ReStart-Blockbuster und es wird so weiter gehen. Nicht dass man das Original zwangsläufig wiedererkennen muss – aber in Charlies Fall lagen die Remakes zeitlich so dicht beeinander, dass manch Zuschauer schon in den 1930/40er Jahren ins Grübeln gekommen sein dürfte.

Zunächst verfilmte 20th-Century/Fox fünf der sechs Charlie Chan Bücher neu, wovon 3 der alten Filme von Fox selber stammten:

  • Behind that Curtain (1929) – Charlie Chan’s Chance (1932)
  • House without a Key (1926) – Charlie Chan’s Greatest Case (1933)
  • The Chinese Parrot (1927) – Charlie Chan’s Courage (1934)
  • Charlie Chan carries on (1931) / Eran Trece (1931) – Charlie Chan‘s Murder Cruise (1940)
  • The Black Camel (1931) – Charlie Chan in Rio (1941)

Hamilton MacFadden war Regisseur von „The Black Camel“ und spielte eine Mini-Rolle als Regisseur der Crew-im-Film. Im Remake „Charlie Chan in Rio“ war er nur als Schauspieler dabei und dürfte geweint haben, wie man den Stoff 10 Jahre später so viel schlechter umsetzen konnte.

Monogram machte keine Remakes im engeren Sinn sondern arbeitete ältere Drehbücher um.
So startete der dritte Chan-Darsteller der Serie mit zwei gut abgehangenen Drehbüchern von Mr. Wong-Krimis. Mr. Wong war – ähnlich wie Mr. Moto – überhaupt erst wegen Charlies Erfolg als asiatischer Ermittler geschaffen worden. Und kaum hatte man mit „The golden Eye“ schon fast einen Chan-Western gemacht, passte man für den Nachfolgefilm sogar ein Western-Skript an:

  • Mr. Wong in Chinatown (1939) – The Chinese Ring (1947)
  • Mr. Wong, Detective (1938) – Docks of New Orleans (1948)
  • Riders of the whistling Skull (1937) – The feathered Serpent (1948)

Drehbuchschreiber Oliver Drake schrieb nicht nur den Western „Riders of the whistling Skull“ (lt. Jon Tuska, „In Manors and Alleys“, Greenwood, 1988), sondern bastelte das ganze selber zum Charlie Chan „The feathered Serpent“ um. Schauspieler Robert Livingston war in beiden Streifen dabei.

Alles nichts gegen den Erfinder von Charlie Chan: Earl Derr Biggers veröffentlichte 1913 seinen Roman „Seven Keys to Baldpate“, der bis zu seinem Tod 1933 viermal verfilmt wurde, davon dreimal stumm, und bis 1947 folgten zwei weitere Remakes.

Schwarz/weiss schwelgen

Wieder auf ARTE: Sonntag, kurz nach 6 Uhr, für Zeppelin-Fans ein absolutes Muss, für Krimi- 
Freunde nicht ganz so. Wunderbar ruhige schwarz/Weisse Reisebilder in „1929. Im Zeppelin um die Welt„.

ARTE legt am Montag abend nach mit „Rebecca„, Hitchcocks erstem Hollywoodfilm. Besser als vieles, was der Meister später dort drehte.

Ein Klassiker Mittwoch vormittag auf Sky Nostalgie: „Die letzte Patrouille“ mit Boris Karloff.

 

Der chinesische Ring (worum gehts?)

The chinese Ring Poster 1 (The Chinese Ring, USA, 1947, Monogram Film)

Hoher Besuch aus dem chinesischen Kaiserhaus im Hause Chan, doch noch vor Charlies Auftreten wird die Prinzessin in seinem Haus ermordet. Als klar wird, dass eine Million Dollar verschwunden ist, hat man ein Motiv, aber leider einen Mörder, dem weitere Menschenleben nichts bedeuten …

Eine Besucherin erscheint in Charlies Haus. Sie nennt Birmingham keinen Namen, sondern überreicht ihm den titelgebenden chinesischen Ring als Ausweis. In dem kurzen Moment bis der Hausherr erscheint wird sie durch das offene Fenster mit einem Luftdruckgewehr ermordet. Charlie findet ein Blatt, auf welches die Ermordete noch „Captain K“ kritzeln konnte, bevor sie starb.
Er benachrichtigt Sergeant Davidson und zeigt ihm den Ring, der auf eine hochrangige Person aus dem chinesischen Kaiserhaus hinweist. Im nächsten Moment ist man uneinig über die Mordwaffe, bis Charlie im Nebenraum ein der vermeintlichen Mordwaffe ähnliches, europäisches Modell vorführt.
Derweil steigt über das offene Fenster eine Reporterin ein und eilt, kaum das Sie die Tote gesehen hat ans Telefon. Von Birmingham alarmiert eilen die Anderen zurück und vereiteln das Gespräch mit der Redaktion. Davidson stellt die Reporterin, Mrs. Cartwright vor, mit der er am Vorabend noch ausgegangen war.
Sie kennt die Tote und hat sie kürzlich bei der Ankunft interviewt. Es handelt sich um Prinzessin Mei Ling. Schnell ist klar, das sie auf dem Frachter SHANGHAI MAID angereist war, Kommandant ist Captain Kong.
Man beschließt diesem möglichen „Captain K“ einen Besuch abzustatten, davor aber bindet Davidson die aufdringliche Reporterin mit Handschellen an einen Stuhl.
Captain Kong weiß praktisch nichts, zumindest, bis die Polizei gegangen ist und Captain Kelso erscheint. Sofort streiten die beiden um das Geld der Prinzessin, mit der sie Geschäfte gemacht hatten und jeder beschuldigt den anderen des Mordes.
In der Zwischenzeit erreicht Reporterin Cartwright das Hotel – am Handgelenk baumelt ein Stück des Stuhles – und durchsucht das Zimmer der Prinzessin. Als sich jemand an der Tür zu schaffen macht, versteckt sie sich im Abstellraum. Ein maskierter Mann stöbert im Schreibtisch. Bei lautstarkem Erscheinen der Polizei macht der Unbekannte sich davon, derweil der Reporterin ein schwerer Koffer auf den Kopf fällt und das Bewusstsein raubt.
Charlie und der Inspektor bemerken zwar, dass der Raum durchsucht wurde, aber ihnen entgehen zwei weitere Anwesende …

Charlie Chan beim Geheimdienst – Die Kritiken

Charlie Chan in the Secret Service TitleDer Film ist ein tiefer Einschnitt in die Chan-Kinogeschichte. Die Budgets von Monogram lagen weit unter denen von Fox, was sich nicht nur in billigen Sets und noch formelhafteren Drehbüchern bemerkbar machte. Hier waren Regisseure gefragt, die dafür berühmt waren ohne großes Hin und Her die erste Aufnahme durchzuwinken.

Wo die eine Zuschauerschicht wegfiel, weil sie ihre knappen Kino-Dollars nicht in „Billigheimer“ investierte, sorgte ein Komiker für garantierte Aufmerksamkeit nicht nur bei jüngeren sondern auch bei Afroamerikanischen Kinogängern: Mantan Moreland (1902-1973), beim Publikum längst bekannt und beliebt, wurde zum Co-Star der Serie und spielte, zunächst als Taxifahrer, später als Charlies Chauffeur, die Rolle des Birmingham Brown.

Manten Moreland Poster

Im besten Falle spielte Moreland den Kumpel der Chan-Söhne, der trotz seiner Furcht nicht zuschauen mochte, wie sie sich in Schwierigkeiten begaben. Er war einer, der wunderbar Kalauern konnte, am besten mit seinen alten Bühnenpartner Ben Carter (z.B. in “Ein fast perfektes Alibi”), Leute zum Lachen brachte, kiekste und manch klugen Spruch machte und regelmäßig das Schlußwort exerzierte.

Im schlechten Fall jedoch bekam Moreland nicht nur kein Material, a la „Hier hast du einen Curio Shop. Mach was Lustiges!“, schlimmer noch, immer wieder wurde der Stereotyp vom furchtsamen Schwarzen wiederholt. Wo Hollywood seinen afroamerikanischen Mitbürgern keine Hauptrolle erlaubte, beschäftigte es sie auch nur in limitierten Klischeerollen.

Wenn Tommy oder Jimmy auch den ganzen Film über nichts zustande bringen, dürfen sie am Ende doch noch eine kleine Heldentat vollbringen. Für Birmingham (oder seinen Cousin Chattanooga) gibt es keinen derartigen Ausgleich, sie sind höchstens dabei gewesen. Moreland durfte immer nur den augenrollenden, über jede Kleinigkeit entsetzten Hasenfuß spielen.

Charlie Chan in the Secret Service Still2Die einseitige Darstellung auch in anderen Streifen jener Zeit flog der Filmindustrie bald um die Ohren. Darunter litten dann aber auch die Darsteller, die ihre Kunst nur in jenem engen Rahmen hatten zelebrieren dürfen. Sie erhielten kaum weitere Engagements und ihre Filme wurden lange Zeit als minderwertig angesehen.

Das Mancher diese Chans deswegen ablehnt ist verständlich. Sie sind jedoch ein historisches Zeugnis, ein manchmal verblüffend unverstellter Blick auf das Hollywood und die Gesellschaft der 1930/40er Jahre. Beim zuschauen können wir heute viel mehr sehen und müssen all das und noch mehr einordnen.

.
Kritiken zu Monogram-Chans sind selten positiv, daher:

»Variety« (12.1.1944) merkte als erster, dass das Drehbuch nicht zu den besten der Serie gehört, bemängelt lahme Regie und geschwätziges Material.
Ken Hanke (»Charlie Chan at the Movies«, McFarland & Co, 1989; S. 172ff) meint, der schlaffe und uninteressant konstruierte Plot mache Film und Zuschauer zu Gefangenem in diesem Haus.
Charles P. Mitchell (»A Guide to Charlie Chan Films«, Greenwood, 1999; S.106) sieht künstlich-wirkende Sets und hört käsige Recylcling-Musik, Monogram hätte die Serie mit einem echten Reinfall neu gestartet.
Für »Leonard Maltins Movie Guide« (Plume, 2005, S. 96) sind vor allem die geringeren Produktionsmittel allzu offensichtlich.
David Rothel (»The Case Files of the Oriental Sleuths«, BearManor Media, 2011, S. 78) hat Mitleid mit den Zuschauern, die sich schon bei früheren Chans über die langsame Story beschwerten.

Allerlei zu “Charlie Chan beim Geheimdienst”

Originaltitel: »CHARLIE CHAN IN THE SECRET SERVICE« (dt. wörtlich übersetzt)
Laufzeit: 65 Minuten

Produktionszeitraum: Anfang bis Mitte September 1943
Copyright: 8. Januar 1944, Monogram Film Corporation
Premiere: 14. Februar 1944

Charlies beste Sprüche:

  • Detektiv ohne Neugier ist wie Glasauge am Schlüsselloch – unnütz.
  • Kinder gehen durchs Leben mit Taktgefühl eines Tornados.
  • Mörder benützt immer Waffe die am besten kennt.
  • Verdacht wie Regen – fällt auf Gerechte und Ungerechte

Charlie Chan in the Secret Service Plakat

Es spielen:

Sidney Toler [Charlie Chan]
Mantan Moreland [Birmingham Brown, Chauffeur]
Arthur Loft [Agent Jones]
Gwen Kenyon [Inez Aranto ]
Sarah Edwards [Haushälterin Mrs. Hobbs]
George Lewis [Paul Aranto]
Marianne Quon [Iris Chan]
Benson Fong [Tommy Chan]
Muni Seroff [Peter Laska, Kammerdiener]
Barry Bernard [David Blake]
Gene Stutenroth [Louis Vega]
Eddie Chandler [Agent Lewis]
Lelah Tyler [Mrs. Winters]

 

Wo kann man die Schauspieler hierzulande sehen?

Arthur Loft hat in „Charlie Chan in Honolulu“ schon mal vorbei geschaut und unter vielen weiteren „uncredited“-Einträge finden sich „Mr. Smith geht nach Washington“ oder „Die wilden Zwanziger“.
Gwen Kenyon spielte meist auch unter ferner liefen, z.B. in „Der Freibeuter von Louisiana“ oder „Scotland Yard greift ein!“
Sarah Edwards kann man (oft nur sehr kurz) sehen in „Mr. X auf Abwegen“, „Piraten im Karibischen Meer“, „Badende Venus“, „Der dünne Mann kehrt heim“ oder „Jede Frau braucht einen Engel“.
George J. Lewis hatten wir schon bei “Die Docks von New Orleans”.
Marianne Quon spielte nur eine Handvoll Filme von denen nur die 1946er Version von „Anna und der König von Siam“ synchronisiert wurde.
Barry Bernard spielte in Hitchcocks „Der Auslandskorrespondent“ und machte auch viel Fernsehen, u.a. als Gast in „Solo für O.N.K.E.L.“
Auch Gene Roth ist bei dieser Serie mehrfach zu sehen, auch in „Kobra, übernehmen Sie“,
auch im Sherlock Holmes „Das Spinnennest“, im späten Charlie Chan „Shanghai Kobra“ oder auch in „Die größte Geschichte aller Zeiten“.
Eddy Chandler ist Veteran mit einem Auftritt in „Charlie Chan: Mord über New York“.
Daneben stehen etwa „Dick und Doof werden Papa“ oder „Die Marx Brothers im Kaufhaus“ auf der Liste, sowie „Mr. Smith geht nach Washington“, „Die wilden Zwanziger“, „Tarzans Abenteuer in New York“ und „Das Doppelleben des Herrn Mitty“.