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Sekundärliteratur: »Charlie Chan at the Movies«

Ken Hanke - Charlie Chan at the Movies
Der vollständige Titel von Ken Hankes Buch lautet »Charlie Chan at the Movies – History, Filmography and Criticism«. Das Buch beschäftigt sich auf 260 Seiten mit den Filmen der Serie aus den 1930er und 1940er Jahren.

Nach einer kurzen Einführung gliedert sich das Werk nach Hauptdarstellern und Studios, wobei jeweils eine kurze Einleitung enthalten ist: Warner Oland, Sidney Toler at 20th Century-Fox, Sidney Toler at Monogram, Roland Winters. Dazu kommen auf der letzten 5 Seiten die beiden Kapitel „Imitations and Offshots“ (Mr. Moto / Mr. Wong) sowie „Later Chans“.

Zu jedem Film gibt es Titel, Produktionsbeteiligte und Schauspieler. Dazu kommt ein Produktionsfoto (bei „Oper“ sogar zwei) alternativ ein Plakat. Gefeatured wird außerdem einer von Charlies Sprüchen, wobei auch im darauf folgenden Text gerne mal Dialoge aufgegriffen werden. Meist gibt es eine Handlungsbeschreibung (außer der Autor findet sie zu hanebüchen) mit launigen Kommentaren.

Hanke geht nicht nur inhaltlich auf die Filme ein sondern auch auf die technische Umsetzung, sprich Regie und Kameraarbeit. Dazu gibt es Einblicke hinter die Kulissen, vor allem aus einem Interview mit Keye Luke.

»Charlie Chan at the Movies«, Verlag: McFarland, 1989
Alles zu den Filmen der alten Serie. Flüssig zu lesen. Perfekt für Chan-Fans mit passablen Englisch-Kenntnissen.

Die neuen Abenteuer … Drittes Episoden-Quartett

Sohn Barry ist kräftig mit dabei. Leider werden seine Solo-Szenen schnell fad, denn jeder Zuschauer kapiert, dass sie nichts zur Lösung des Falles beitragen. Die Fälle sind inhaltlich sehr unterschiedlich, qualitativ aber auf ähnlich durchschnittlichem Niveau.

Barry und Charlie Chan9. Der Patient in Raum 21
Chirurg Winstead hat Charlie vor Jahren eine Kugel herausoperiert, doch ein anonymes Schreibens bezichtigt ihn, wegen Sterbehilfe in Kanada verurteilt zu sein. Eine Entlastungszeugin wird umgebracht. Barry muss mehr als einmal mit Kopfverletzung behandelt werden.

* Die Oberschwester wird von Honor Blackman gespielt, die man als Pussy Galore in »Goldfinger« (1964) kennt.

10. Der Rajput Rubin
Bei einer Führung durch den Tower von London wird der Maharani von Rajput ein Rubin-Kollier gestohlen. Obwohl alle Besucher und Räume durchsucht werden, bleiben die Juwelen unauffindbar. Barry in Schwierigkeiten – was neues?

11. Der letzte Vorhang
Philip Royce kommt zu Charlie Chan, weil seine Tochter auf einen Schwindler hereinzufallen droht. Tatsächlich hat der Detektiv schnell genügend Material gegen den jungen Mann, der allerdings ernsthaft verliebt ist. Royce wird erschossen. Barry mit Alkohol abgefüllt.

12. Tod in den Fluten
Ein Gästehaus an der französischen Atlantikküste, wo im Krieg ein Schiff mit Gold an Bord gesunken ist. Ein Kriegsverbrecher und ein Seemann wollen sich den Schatz teilen, haben aber nicht mit den Gastgebern gerechnet. Charlie schlägt schließlich feste zu. Barry bekommt eins auf die Birne.

Der Reihe nach

Charlie Chan carries on PosterDie ersten Charlie-Chan-Bücher (1925-32) von Earl derr Biggers waren erfolgreich genug, um praktisch umgehend zu Hollywood-Drehbüchern umgearbeitet zu werden. Das gilt in gewissen Sinne auch für seinen literarischen »Nachfolger« Mr. Moto. Bei den Verfilmungen hielten sich die Produzenten allerdings an ihre eigene Reihenfolge.

Die ersten 3 Chan-Bücher wurden zunächst in »korrekter« Reihe von verschiedenen Studios verwertet. Dann kam Warner Oland als Chan-Darsteller, und als nacheinander Verfilmungen zu Buch 5 und 4 anno 1931 erfolgreich waren, gab es eine Neuauflage zu Buch 3 im Folgejahr. 1933 war dann Buch 1 erneut dran, 1934 schließlich noch einmal Buch 2. Der sechste und letzte Chan-Krimi »Hüter der Schlüssel« wurde nie verfilmt.

think fast mr moto1934, nachdem mit Biggers Tod das Ende von Charlie Chan gekommen schien, schickte dessen Zeitung den Autor John P. Marquand nach Asien um einen neuen »asiatischen Helden« zu kreieren. Bald nach der Rückkehr des Autors erschien »No Hero« mit Mr. Moto, für den Fox die Filmrechte kaufte aber nie verwertete; auch die 3 letzten Moto-Geschichten (1938, 41, 56) wurden nie auf die Leinwand gebracht.

Nur die Bücher »Thank you, Mr. Moto« (2) und »Think fast, Mr. Moto« (3) waren Grundlage für zwei Drehbücher 1937 – allerdings in umgekehrter Reihenfolge: »Mr. Moto und der Schmugglerring«, »Mr. Moto und der China-Schatz«. Dazwischen wurde jedoch (als zweites) »Mr. Moto takes a Chance« (»Mr. Moto und der Dschungelprinz«) produziert, kam jedoch erst nach Verwertung des Chan-Reworkings »Mr. Moto und der Wettbetrug« als Vierter ins Kino. Auch der achte und letzte der 1930er-Motos hielt sich nicht an die Produktionsreihenfolge sondern wurde schon vor dem als siebten herausgebrachten gedreht.

Die meisten der Film kann man freilich in beliebiger Reihenfolge schauen, ohne dass eine ähnliche Verwirrung aufkäme 🙂

Buch 4: Das schwarze Kamel

buch-the-black-camelEin Kamerateam will auf Hawaii letzte Aufnahmen für einen Film drehen, in dem Schauspielerin Shelah Fane die Hauptrolle spielt. In ihrem Leben ist jedoch seit Jahren einiges in Unordnung, besonders nach dem Tod eines ihr nahe stehenden Hollywood-Stars. Nun wird sie selbst in Ihrem Haus am Strand von Waikiki getötet und Charlie Chan leitet die Ermittlungen.

Mit dabei ist ein undurchsichtiger Wahrsager und Charlies übereifriger Helfer Kashimo, Prototyp für die Chan-Kinder in den Filmen. Im Gegensatz zum Film von 1931 werden die Ermittlungen komplett vor dem Leser ausgebreitet und es gibt keinen Anschlag, weder auf den Maler noch auf Charlie. Auch die Ähnlichkeit im Aussehen der beiden Brüder ist eher klein, so dass nicht derselbe Fehler begangen wird, eine offensichtliche Verbindung aufzubauen, die niemand bemerken will.

Camello Nero - Garden 92  O camelo preto - Vecchi  De zwarte kameel - Baart Blitz 1979

Das Schwarze KamelDas schwarze Kamel aus dem Titel bezieht sich auf einen Spruch von Charlie, als er den Tod der Schauspielerin verkündet: »Der Tod ist ein schwarzes Kamel, das ungebeten vor jeder Schwelle kniet. Heute Abend schwarzes Kamel kniete hier.«

Die Fortsetzungsgeschichte »THE BLACK CAMEL« erschien in der „Saturday Evening Post“ zwischen 18. Mai und 22. Juni 1929, anschließend als Buch bei Bobbs-Merrill (Indianapolis, 1929). Realer Hintergrund der Story ist der mysteriöse Tod von Filmemacher William Desmond Taylor Anfang der 1920er Jahre. Der Roman wurde nicht nur 1931 verfilmt, sondern bildet auch die Basis für »Charlie Chan in Rio« (1941), für den die Handlung angepasst wurde.

Chan Clan: Götterdämmerung

Das zweite Quartett der Episodenguide:

The amazing Chan - The eye of the idolEpisode A5 – Das Auge der Gottheit
Eine Statue mit Jadestein auf der Stirn landet von Indien kommend an, da wird eine Rauchbombe gezündet. Das Juwel ist verschwunden und die Kinder finden schließlich einen kleinen Helfer des Diebes, der sie auf die richtige Fährte bringt …

Episode A6 – Die dicke Frau
Der Zirkusdirektor erklärt Chan, dass ihn jemand ruinieren will. Dafür hat sich der vermeindliche Konkurrent ausgerechnet die Dickste Frau der Welt zum Entführen ausgesucht. In Wirklichkeit steckt jedoch ein Bankräuber hinter allem, was nicht einmal Chan richtig erklären kann …

Episode A7 – Käptn Kidds Dublonen
Chan Clan VorspannSeeräubertage in Trinidad. Aus einer Ausstellung werden Münzen von Käptn Kidd gestohlen. Die Kinder verdächtigen dessen letzten Nachfahren und einen Magier. Schließlich entlarvt Chan den Dieb und seinen geflügelten Helfer …

Episode A8 – Der Bronze-Götze
Auf einer Südseeinsel angekommen bestaunen die Chans eine große sprechende Bronzestatue. Da diese den Eingeborenen immer wieder Perlen abverlangt, vermutet man schnell einen Trick dahinter und helfen den falschen Medizinmann zu entlarven …

Charlie Chans Welt – 1931

Wie war die Welt zu Zeiten der alten Serie? Splitter einer fernen Zeit …

+++ Einweihung des Empire State Building +++ Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau stirbt +++ Gangsterboß Al Capone wird wegen Steuerhinterziehung zu elf Jahren Gefängnis verurteilt +++ Spanien wird Republik +++ Japan besetzt die chinesische Region Mandschurei +++

Warner Oland war bei Fox gesetzt wenn es darum ging, asiatische Schurkenrollen zu besetzten. Keine Frage, wer in den ersten Fu-Manchu-Streifen der Tonfilmzeit den absoluten Bösewicht spielte. So geschehen in „The Mysterious Dr. Fu Manchu“ (1929) und „The Return of Dr. Fu Manchu“ (1930) sowie im selben Jahr – als Cameo – in „Paramount on Parade“.

Charlie Chan carries on PosterDoch dann kam 1931 und die Verfilmung des im Vorjahr erschienenen Buches „Charlie Chan macht weiter“. Schnell schloß sich „Der Tod ist ein schwarzes Kamel“ an. Warner Oland spielte Charlie Chan, die Verkörperung des aufrechten Chinesen, der für Gesetz und Ordnung sorgt. Gewiss stand er noch einmal als Fu Manchu vor der Kamera, neben Myrna Loy in „Daughter of the Dragon“, gewiss gab er auch künftig noch den Schuft, etwa als rachsüchtiger Dr. Boris Karlov in „The Drums of Jeopardy“, gewiss …

Als Ende 1931 „Charlie Chan’s Chance“ produziert wurde, war es jedoch unvorstellbar geworden, dass man mit Warner Oland noch einmal das personifizierte Böse assozieren würde. Kein Problem: Als Charlie Chan verdiente er gut und seine Popularität stieg in ungeahnte Höhen. Für den nächsten Fu Manchu Film fand sich ein nicht Unbekannter als Ersatz: Boris Karloff, soeben als „Frankenstein“ berühmt gworden.

Kino/Kultur 1931:

  • »Lichter der Großstadt« von Charles Chaplin
  • »Frankenstein« mit Boris Karloff
  • »Dracula« mit Béla Lugosi
  • »Mata Hari« mit Greta Garbo
  • »Der Malteser Falke« – 1. Verfilmung des Dashiell Hammett-Buches vom Vorjahr; mit Ricardo Cortez – siehe Charlie Chan in Rio
  • »Entehrt« mit Marlene Dietrich und Warner Oland
  • »Die Marx Brothers auf See« (Monkey Business)
  • »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« von Fritz Lang mit Peter Lorre
  • »Der Zinker« – Erster deutscher Edgar-Wallace-Tonfilm
  • »Fünf falsche Fährten« (Five Red Herrings) von Dorothy L. Sayers
  • »Die gute Erde« (The Good Earth) von Pearl S. Buck

Sekundärliteratur: »In Manors and Alleys«

Jon Tuskas Buch »In Manors and Alleys« von 1988 ist ein Megaschinken von 450 fast bildbefreiten Seiten mit 9 Kapiteln. Abgehandelt wird im Handbuch des amerikanischen Detektivfilms (so der Untertitel) praktisch alles, was man an prominenten Namen aus Detektiv- und Krimikreisen kennt.

Jon Tuska - In Manors and AlleysKlar, dass Charlie Chan dort vergleichsweise wenig Platz einnimmt, aber immerhin haben die »Oriental Detectives« (auch Mr. Moto und Wong) ein eigenes Kapitel von 36 Seiten. Das erscheint jetzt nicht so viel, aber es hängt eben immer von der Menge an Informationen zusammen, die der Autor jeweils sammeln konnte. Der dünne Mann kommt auf 43 Seiten (in denen es hauptsächlich um Autor Hammet geht) und Holmes – obwohl unbestritten »der Größte« – kommt gerade auf 40.

Da Tuska einer der Ersten war, der aus Recherchen und Interviews solche Werke zusammenstellte (u.a. auch über Western-Filme), ist vieles davon mittlerweile über zahllose andere Bücher und Webseiten verteilt. Haben die sich an jener Quelle bedient oder es anderweitig recherchiert? Die meisten Chan-Filme sind wenigstens in einem Satz erwähnt, von »Charlie Chan in Ägypten« kann sich der Autor im Gegensatz zu vielen späten Chans kaum losreißen und liefert viele Zusatzinformation.

Mal ein Blick zur Konkurrenz, etwa Agatha Christie: Man erfährt vielerlei Kleinigkeiten aus der guten alten Zeit, so dass Charles Laughton einst Hercule Poirot auf der Bühne spielte, Basil »Sherlock« Rathbone schon in einer ALIBI-Verfilmung dabei war oder das »Mörder Ahoi!« zwar als vierter Marple-Film produziert, damals aber vor dem Dritten rausgegeben wurde.

Jon Tuska: »In Manors and Alleys«, Verlag: Greenwood Press
Dicht gepackt. Viele Lesestunden garantiert. Chan-Fans, die auch anderen Ermittlern gern zuschauen, sind hier richtig.