Allerlei zu “Ein fast perfektes Alibi”

Originaltitel: »DARK ALIBI« (dt. etwa »Zwielichtiges Alibi«)
Laufzeit: 61 Minuten

Produktionszeitraum: Mitte bis Ende Dezember 1945
Copyright: Monogram Pictures Corporation, 1946

Premiere: 25. Mai 1946; in D: 15.11.1978

Charlies beste Sprüche:

  • Selbst wenig Wind wirbelt viel Staub auf.
  • Nie an Zukunft denken – kommt schnell genug.
  • Auch hässliche Berufe haben Momente voll Freude. Selbst Totengräber würden manche Menschen mit außerordentlicher Freude unter Erde bringen.
  • Niemals einem Alptraum glauben, egal wie real er wirkt.

Dark Alibi Poster2Es spielen:

Sidney Toler [Charlie Chan]
Mantan Moreland [Birmingham Brown]
Ben Carter [Benjamin Brown]
Benson Fong [Tommy Chan]
Teala Loring [June Harley]
George Holmes [Hugh Kenzie]
Joyce Compton [Emily Evans]
John Eldredge [Anthony R. Morgan]
Russell Hicks [Cameron]
Tim Ryan [Foggy]
Janet Shaw [Miss Petrie]
Edward Earle [Thomas Harley]
Ray Walker [Danvers]
Milton Parsons [Johnson]
Edna Holland [Mrs. Foss]
Anthony Warde [Jimmy Slade]
George Eldredge [Brand]
Meyer Grace [Punchy]
Frank Marlowe [Barker]

Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Mantan Morelands Kumpel Ben Carter sieht man u.a. in „Die Marx Brothers beim Pfererennen“, in „Piraten im Karibischen Meer“ (1942) oder „Die Dame im Zug“ (1945).
John Eldredge hat alle 3 Chan-Schauspieler kennengelernt, so Oland 1937 in „Charlie Chan bei den Olympischen Spielen“, hier Toler und Winters 1949 in „The Sky Dragon“, er war aber z.B. auch 1940 in „Dr. Kildare – Auf Messers Schneide“.
Russell Hicks war schon 1935 dabei in „Charlie Chan in Shanghai“. Viele Filme mit ihm sind synchronisiert, so etwa „Rache für Jesse James“, „Goldschmuggel nach Virginia“, „Die Marx Brothers im Kaufhaus“, „Vorsicht Gespenster!“ (1941) und „Tarzans Abenteuer in New York“ (1942). 1948 war er auch im hierzulande nicht gesendeten Chan „The Shanghai Chest“.
Tim Ryan spielte den Bartender in „Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff“ und ist u.a. zu sehen in „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953).
Edward Earle spielte wahnsinnig viele kleine Rollen, u.a. auch bei Laurel/Hardy, den Marx Brothers oder Mr. Moto – und auch im in D unbekannte Chan „Black Magic“.
Milton Parsons fällt immer wieder mal auf. So in „Noch ein dünner Mann“, „Das Doppelleben des Herrn Mitty“ oder „Maschinenpistolen“ (1949). Er war schon mit „Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff“ und in „Charlie Chan – Das Schloß in der Wüste“ dabei (es folgte noch „The Shanghai Chest“). Spätere TV-Auftritte kennt man etwa aus „Solo für O.N.K.E.L.“, „Bonanza“ oder „Unsere kleine Farm“.
Mit Anthony Warde wird es phantastisch. Er war König Turan in dem „Flash Gordon“-Serial, anschließend bei „Buck Rogers“ und spielte auch in „Kampf der Welten“ (1953).
Krimis kamen nicht zu kurz, so sehen wir ihn 1939 in „Mr. Moto und sein Lockvogel“ oder (falls man die Original-Chans auf DVD hat) im Chan „The Chinese Cat“. Später, allerdings ohne Nennung bei Hitchcock in „Das Fenster zum Hof“ oder „Der Mann, der zuviel wußte“.
Auch George Eldredge hat mehrere Chans gemacht, so etwa den Vorgänger „Schatten über Chinatown“ und später den schon mehrfach erwähnten „The Shanghai Chest“.
Ein bekannter Film mit Kurzauftritt ist „Liebling, ich werde jünger“ (1952).

Schwarz/Weiß im TV

Einige Klassiker im kommen … keine Zeit zum abkühlen …
Los gehts am Samstag früh auf WDR mit Red Skelton und Esther William in “Badende Venus” von 1944, u.a. mit Basil “Sherlock Holmes” Rathbone.
Weiter geht es nachmittags auf EinsFestival mit dem schwarzhumorigen “Ladykillers” (Wh. Montag) und im WDR mit dem Musical “Girls” u.a. mit Henry Daniell (“Charlie Chan: Das Schloß in der Wüste”, auch mal Moriarty bei Sherlock Holmes).
Der RBB beschließt den Klassiker-Tag gegen Mitternacht mit “Der blaue Engel”.
Nicht schwarz/weiß aber Krimi: “Charade”, Sonntag nacht auf SWR.
ARTE bringt “Casablanca” – dazu muß man nun wirklich nichts sagen (Bogart, Berman, Lorre), außer Datum/Uhrzeit: Montag, 20:15.
Hessen 3 präsentiert “Herr des Wilden Westens” Mittwoch Nacht, neben E. Flynn u.a. mit Victor Jory der bei “Charlie Chan in Rio” dabei ist.
Freitag um 1:50 gibts im Ersten Fritz Langs “Die 1000 Augen des Dr. Mabuse”.

Ein fast perfektes Alibi (worum gehts?)

Nicht vergessen: Die deutsche DVD ist für Ende August angekündigt!

Dark Alibi Originaltitle(Dark Alibi, USA, 1946, Monogram Pictures Corporation)

Charlie Chan auf der Spur von Bankräubern die Fingerabdrücke fälschen, um Andere für ihre Taten büßen zu lassen. Eines ihrer Opfer soll nach einem Raubmord hingerichtet werden. Charlie muss die Gangster schnellstmöglich überführen …

Beim Aufbrechen eines Banksafes erschießen die Räuber einen Wächter. Wenig später verhaftet die Polizei Thomas Harley. Dieser saß vor 20 Jahren im Gefängnis und ist daher aktenkundig. Seine Fingerabdrücke wurden gefunden und Harley wird durch diese Indizien zum Tode verurteilt.

Dark Alibi Poster

Charlie Chan besucht einen alten Freund, der Harley verteidigt hatte. June Harley, die Tochter des vermeintlichen Täters erscheint. Es sind nur noch wenige Tage bis zur Hinrichtung und sie will alles unternehmen, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen. Charlie gibt ihr die Adresse eines guten Detektivs: seine Eigene.
Zusammen mit Hugh Kensey, dem Oberaufseher im Staatsgefängnis, erscheint June Harley wenig später bei Charlie. Gemeinsam begibt man sich in das Hotel, in dem Harley mit seiner Tochter seit 20 Jahren wohnt. Die Besitzerin, Mrs. Foss, engagiert sich für Ex-Sträflinge und ist über den Verurteilten sehr enttäuscht.
Ebenfalls im Hotel wohnt die bei der städtischen Wohlfahrt arbeitende Miss Petrie. Weitere Gäste sind ein Showgirl und der Handelsreisende Danvers, der unter anderem Alarmsysteme an Banken verkauft. Beide waren zufälligerweise in anderen Städten, in denen ähnliche Einbrüche stattfanden. Außerdem lebt dort der selbständige Buchprüfer Johnson im Hotel, zu dessen Kunden auch Careys Theatermagazin gehört, in das Thomas Harley zur Tatzeit gelockt worden war.
Da Charlie den Anwesenden wenig konkretes entlocken kann macht er sich auf zum Staatsgefängnis. Unterwegs wird auf seinen Wagen geschossen …

Vier Neue Alte

Docks of New Orleans PosterFür 6. August von TCM/Warner angekündigt: Ein neues Paket digitalisierter Chan-Filme.

Viel fehlt nicht mehr. In den letzten 10 Jahren sind nach und nach alle Fox-Chans bearbeitet worden und etliche der Monogram-Streifen.
Warner hält die Rechte an den ausstehenden Filmen und bringt sie in eher zufälliger Ordnung.

„Shadows over Chinatown“ zeigt Victor Sen Youngs Rückkehr als Jimmy Chan zur Serie nach 4 Jahren Pause. Gleichzeitig ist es Sidney Tolers drittletzter Auftritt als Charlie Chan.

Die anderen 3 Filme zeigen Roland Winters in der Hauptrolle und sind mangels Synchronisation in Deutschland praktisch unbekannt.
Die Kritiker halten das für keinen großen Verlust, aber wie heißt es so schön:
Ein Chan ist besser als kein Chan.

„Docks Of New Orleans“, „The Shanghai Chest“ und „The Golden Eye“ zeigen einen vor der Familie nun offenbar völlig aufs Festland geflohenen Charlie Chan.
Birmingham Brown (Mantan Moreland) ist weiterhin als zuverlässiger Chauffeur dabei.

Wollen hoffen, dass auch die nun noch ausstehenden Filme bald ihren Weg auf DVD finden werden.

Chan-Collection bei der SZ

Charlie Chan Collection Teil 1Die Süddeutsche Zeitung hat auf Seite 11 im heutigen Feuilleton unter der Rubrik „Neu auf DVD“ die „Charlie Chan Collection I“ besprochen.

Sie findet die Filme als schönes Beispiel für das Serienkino der 1930er und meint man solle doch den Originalton einstellen, der im frühen Tonfilm um ein Selbstverständnis kämpfe.

Schön, das die Filme bemerkt werden. Vermutlich werden viele den Rat mangels Englischkenntnissen kaum anwenden können, um den Unterschied herauszuhören.

 

Schwarz/Weiß im TV

Pflichttermin für s/w-Fans: Arte bringt am 20.7. um Mitternacht den surrealistischen „Ein andalusischer Hund“ von 1928.
Farbiger sind die übrigen Klassiker: 3sat, 21.7. zeigt um 12:50 den guten alten „Münchhausen“ (1943). Am Montag darauf lädt das SWR um 13:30 die „Ladykillers“ (Guiness, Lom, Sellers) ein.

Und was macht das WDR? Wiederholt am 16.7. den kürzlich im Ersten gezeigten „Gosford Park“.
Vermutlich telefoniert der (fiktive) Produzent von „Charlie Chan in London“ noch immer 😉

btw, TNT zeigt ab 25.7. desöfteren „Chaplin“.

Charlie Chan in Ägypten – Die Kritiken

Original-dvd Charlie Chan in EgyptStepin Fetchit war zu jener Zeit einer der wenigen Afroamerikaner, die Hollywood regelmäßig als Schauspieler beschäftigte und er wurde damit recht wohlhabend. Allerdings durfte er nur das spielen, was das Hollywood der „Weißen“ von ihm sehen wollte; genau jenes Hollywood, das keinem Asiaten die Hauptrolle der Serie übertragen mochte. Nicht zuletzt daher rührten und rühren Vorbehalte gegen die Chan-Serie und insbesondere diesen Streifen.
Fetchits Rolle „Schneeschuh“ ist mehr als diskutabel und besteht aus viel Klischee und Stereotype: Der Schwarze hat beständig Angst und rollt die Augen. Gut, dass wir heute so etwas erkennen und einordnen können, dennoch kann man beim Ansehen gemischte Gefühle haben.

Als ich die Serie als Kind sah, war Schneeschuh ein Kumpel mit dem man mitzittern konnte, genauso wie man das mit Stan Laurel oder einem der anderen Komiker jener Zeit in gruseligen Settings machte. Selbes gilt für Charlies Söhne die sich teilweise recht kindisch anstellten oder für Chauffeur Birmingham Brown, doch dazu später mehr.

Charlie Chan in Egypt lobbycardDie Kritik sah teilweise damals schon Schneeschuhs Klischeeauftritt, heute spricht gottlob jeder Klartext. Dies führt mitunter zu deutlichen Abwertungen obwohl allgemein die Atmosphäre des Films als herausragend gilt:

»Variety« sah ein geschicktes, ordentliches Drama, wobei Olands Vorstellung herausstach. Auch die von Eagles, der die Furcht vor dem Übersinnlichen, nahe der Unzurechnungsfähigkeit, gut darstellt.
Auch die »Motion Picture Guide« vergibt ein Gut und identifiziert Stepin Fetchits Darstellung – wie damals üblich – vor allem als ausgelassen.
Jon Tuska (»In Manors and Alleys«, Greenwood Press, 1988) belässt es nicht wie bei den übrigen Chans bei einem Satz sondern schreibt 3 Seiten Text, vermerkt den Film als den besten Oland-Chan.
Angefangen mit Ken Hanke (»Charlie Chan at the Movies«, McFarland & Co, 1989) mehren sich kritischere Stimmen. Er selbst sieht vor allem gute Einzelteile, die sich jedoch nicht zu einem ebensoguten Ganzen formen.
Charles P. Mitchell (»A Guide to Charlie Chan Films«, Greenwood, 1999) findet das exotische Setting gut umgesetzt, lobt die herausragende, atmosphärische Kameraarbeit, jedoch wäre das Geheimnis durchsichtig und schwach, der Soundtrack kaum anzuhören.
»Leonard Maltins Movie Guide« (Plume, 2005) platziert den Streifen als hoch-unterhaltsamen Krimi ganz oben in der Rangliste.
David Rothel (»The Case Files of the Oriental Sleuths«, BearManor Media, 2011) wiederum erkennt kein Highlight im mittelmäßigen, langsamen Streifen der bestenfalls über einige neugierig machende, clevere Momente verfügt.