Archiv des Autors: mhoefler

Chan-Collection bei der SZ

Charlie Chan Collection Teil 1Die Süddeutsche Zeitung hat auf Seite 11 im heutigen Feuilleton unter der Rubrik „Neu auf DVD“ die „Charlie Chan Collection I“ besprochen.

Sie findet die Filme als schönes Beispiel für das Serienkino der 1930er und meint man solle doch den Originalton einstellen, der im frühen Tonfilm um ein Selbstverständnis kämpfe.

Schön, das die Filme bemerkt werden. Vermutlich werden viele den Rat mangels Englischkenntnissen kaum anwenden können, um den Unterschied herauszuhören.

 

Schwarz/Weiß im TV

Pflichttermin für s/w-Fans: Arte bringt am 20.7. um Mitternacht den surrealistischen „Ein andalusischer Hund“ von 1928.
Farbiger sind die übrigen Klassiker: 3sat, 21.7. zeigt um 12:50 den guten alten „Münchhausen“ (1943). Am Montag darauf lädt das SWR um 13:30 die „Ladykillers“ (Guiness, Lom, Sellers) ein.

Und was macht das WDR? Wiederholt am 16.7. den kürzlich im Ersten gezeigten „Gosford Park“.
Vermutlich telefoniert der (fiktive) Produzent von „Charlie Chan in London“ noch immer 😉

btw, TNT zeigt ab 25.7. desöfteren „Chaplin“.

Charlie Chan in Ägypten – Die Kritiken

Original-dvd Charlie Chan in EgyptStepin Fetchit war zu jener Zeit einer der wenigen Afroamerikaner, die Hollywood regelmäßig als Schauspieler beschäftigte und er wurde damit recht wohlhabend. Allerdings durfte er nur das spielen, was das Hollywood der „Weißen“ von ihm sehen wollte; genau jenes Hollywood, das keinem Asiaten die Hauptrolle der Serie übertragen mochte. Nicht zuletzt daher rührten und rühren Vorbehalte gegen die Chan-Serie und insbesondere diesen Streifen.
Fetchits Rolle „Schneeschuh“ ist mehr als diskutabel und besteht aus viel Klischee und Stereotype: Der Schwarze hat beständig Angst und rollt die Augen. Gut, dass wir heute so etwas erkennen und einordnen können, dennoch kann man beim Ansehen gemischte Gefühle haben.

Als ich die Serie als Kind sah, war Schneeschuh ein Kumpel mit dem man mitzittern konnte, genauso wie man das mit Stan Laurel oder einem der anderen Komiker jener Zeit in gruseligen Settings machte. Selbes gilt für Charlies Söhne die sich teilweise recht kindisch anstellten oder für Chauffeur Birmingham Brown, doch dazu später mehr.

Charlie Chan in Egypt lobbycardDie Kritik sah teilweise damals schon Schneeschuhs Klischeeauftritt, heute spricht gottlob jeder Klartext. Dies führt mitunter zu deutlichen Abwertungen obwohl allgemein die Atmosphäre des Films als herausragend gilt:

»Variety« sah ein geschicktes, ordentliches Drama, wobei Olands Vorstellung herausstach. Auch die von Eagles, der die Furcht vor dem Übersinnlichen, nahe der Unzurechnungsfähigkeit, gut darstellt.
Auch die »Motion Picture Guide« vergibt ein Gut und identifiziert Stepin Fetchits Darstellung – wie damals üblich – vor allem als ausgelassen.
Jon Tuska (»In Manors and Alleys«, Greenwood Press, 1988) belässt es nicht wie bei den übrigen Chans bei einem Satz sondern schreibt 3 Seiten Text, vermerkt den Film als den besten Oland-Chan.
Angefangen mit Ken Hanke (»Charlie Chan at the Movies«, McFarland & Co, 1989) mehren sich kritischere Stimmen. Er selbst sieht vor allem gute Einzelteile, die sich jedoch nicht zu einem ebensoguten Ganzen formen.
Charles P. Mitchell (»A Guide to Charlie Chan Films«, Greenwood, 1999) findet das exotische Setting gut umgesetzt, lobt die herausragende, atmosphärische Kameraarbeit, jedoch wäre das Geheimnis durchsichtig und schwach, der Soundtrack kaum anzuhören.
»Leonard Maltins Movie Guide« (Plume, 2005) platziert den Streifen als hoch-unterhaltsamen Krimi ganz oben in der Rangliste.
David Rothel (»The Case Files of the Oriental Sleuths«, BearManor Media, 2011) wiederum erkennt kein Highlight im mittelmäßigen, langsamen Streifen der bestenfalls über einige neugierig machende, clevere Momente verfügt.

Allerlei zu “Charlie Chan in Ägypten”

Originaltitel: »CHARLIE CHAN IN EGYPT« (dt. wörtlich übersetzt)
Charlie Chan in Egypt - OriginaltitleLaufzeit: 65 Minuten

Produktionszeitraum: April 1935
Copyright: Fox Film, 21.06.1935

Premiere: 21.06.1935; 8. Februar 1978

Charlies beste Sprüche:

  • Tropfen reines Wassers auf dürstender Zunge mehr wert als Gold in Börse.
  • Wer auf das morgen wartet, verschwendet das heute.
  • Theorien verhindern klare Sicht wie beschlagene Brille
  • Gute Wünsche haben ein schweres Gewicht auf der Waage von Leben und Tod.

Charlie Chan in Egypt - Australien

Es spielen:

Warner Oland [Charlie Chan]
Pat Paterson [Carol Arnold]
Thomas Beck [Tom Evans]
Rita Cansino [Nayda] = Rita Hayworth
Stepin Fetchit [Schneeschuh]
Jameson Thomas [Dr. Anton Racine]
Frank Conroy [Professor John Thurston]
Nigel De Brulier [Edfu Ahmed]
Paul Porcasi [Inspektor Soueida]
Arthur Stone [Eseltreiber]
James Eagles [Barry Arnold]
Frank Reicher [Dr. Jaipur]
George Irving [Professor Arnold]
Anita Brown [Schneeschuhs Freundin]
John Davidson [Daoud Atrash]

.
Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Mehr zu Thomas Beck bei Charlie Chan in Paris.
Über Rita Hayworth (hier noch als Rita Cansino) muss man nicht viele Worte verlieren; „Gilda“ machte sie zum Star – recht spät, erst 1946. Der Rest ist Geschichte.
Stepin Fetchit kann man in „Zenobia, der Jahrmarktselefant“ (mit O. Hardy) sehen, oder in „Meuterei am Schlangenfluß“ (J. Stewart). Auch nach fast 20 Jahren Pause drehte er wieder, etwa „Won Ton Ton, der Hund der Hollywood rettete“ (1976).
Frank Conroy sehen wir wieder in „Charlie Chan in der Oper“ (1936).
Frank Reicher ist bekannt aus „King Kong“ oder „Spione küßt man nicht“ (1935). Er spielte auch im hierzulande unbekannten Chanfilm „Die Jade Maske“ (1945).
George Irving kehrt für „Charlie Chan beim Pferderennen“ zurück, spielte aber auch in „Leoparden küßt man nicht“.
John Davidson ist z.B. zu sehen in „Mr. Moto und die Flotte“ (1939). Auch er spielte in einem hierzulande nie gezeigten Chanfilm: „Die chinesische Katze“ (1944).

Charlie Chan in Paris – Die Kritiken

Charlie Chan in Paris Fox-DvdCharlie kommt von London nicht nach Hause, sondern reist nach Paris. Dort trifft er erstmals in der Serie auf Sohn Nummer 1 „Lee Chan“ (Keye Luke).
Beinahe wäre der Film auf der Liste der Verschollenen Chans gelandet, erst in den 1980er Jahren fand sich in einem Tschechischen Archiv eine Kopie. Das „Museum of Modern Art“ in New York schaltete sich ein und so konnte der Film restauriert und veröffentlicht werden.
Leider einige Jahre zu spät für eine deutsche Synchronfassung, so ließen die Rechteinhaber hierzulande die Gelegenheit verstreichen die Sprecher der beiden Hauptsprecher noch einmal zusammenzubringen.

Charlie ist im Vergleich zum vorherigen Film sogar noch präsenter. Das Zusammenspiel mit dem „neuen“ Familienmitglied funktioniert grandios. Gut, dass der Film wiederentdeckt wurde und es hierzulande nun wenigstens eine deutsch-untertitelte Fassung gibt.

Charlie Chan in Paris StillEinige Stimmen dazu:

»Variety« vermerkt eine raffinierte Handlung, anhaltende Spannung und gute Geschwindigkeit.
Ken Hanke (»Charlie Chan at the Movies«, McFarland & Co, 1989) freut sich über den großen Fortschritt im Drehbuch gegenüber dem Vorgängerfilm.
Charles P. Mitchell (»A Guide to Charlie Chan Films«, Greenwood, 1999) sah hier einen Top-Chan.

Allerlei zu “Charlie Chan in Paris”

Charlie Chan in Paris OriginaltitleOriginaltitel:
»CHARLIE CHAN IN PARIS« (dt. wörtlich übersetzt)

Laufzeit: 70 Minuten

Produktionszeitraum:
12. November bis Mitte Dezember 1934

Copyright: Fox Film, 1935

Premiere: 21.01.1935; in Deutschland nie gezeigt

Charlies beste Sprüche:

  • Junger Vogel muß fliegen lernen.
  • Freude im Herz wünschenswerter als Kugel.
  • Muss viele Steine umdrehen um Versteck von Schlange zu finden.
  • Schweigen ist große Schwester von Weisheit

Es spielen:

Charlie Chan in Paris PosterWarner Oland [Charlie Chan]
Mary Brian [Yvette Lamartine]
Thomas Beck [Victor Descartes]
Erik Rhodes [Max Corday]
John Miljan [Albert Dufresne]
Murray Kinnell [Henri Latouche]
Minor Watson [Inspektor Renard]
John Qualen [Concierge]
Keye Luke [Lee Chan]
Henry Kolker [Paul Lamartine]
Dorothy Appleby [Nardi]
Ruth Peterson [Renee Jacquard]
Perry Ivins [Bedell]

.
Wo kann man die Schauspieler hierzulande noch sehen?

Thomas Beck reiste sozusagen gleich mit zum Folgefilm „Charlie Chan in Ägypten“. Später sehen wir in mit „Charlie chan beim Pferderennen“ und bei dessen unmittelbarem Nachfolder, „Charlie Chan in der Oper“. Auch bei Mr. Moto heuerte er zweimal an.
Murray Kinnell: Siehe „Der Tod ist ein schwarzes Kamel
Minor Watson kennt man vielleicht von „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ (1939) , „Sein letztes Kommando“ (1941, mit Flynn/de Havilland) oder „Die Frau von der man spricht“ (1942, Tracy/Hepburn).
John Qualen tritt u.a. auf in „Casablanca“ (1942) oder „Der mysteriöse Dr. Lao“ (1964), sowie neben J. Wayne in „Der schwarze Falke“ (1956) oder „Die vier Söhne der Katie Elder“ (1965).

Vier Chans und eine Box

Charlie Chan Collection Teil 1Für Freitag war die „Charlie Chan Collection“ angekündigt, Montag halte ich sie endlich in Händen: Die erste Charlie-Chan-Box mit deutsch synchronisierten Filmen. Kein billiges Vergnügen, aber Herausgeber Kochmedia hat seit den gelungenen vier Sherlock-Holmes-Boxen einen Vertrauensvorschuss.

Box-VergleichDas Box-Cover zeigt Warner Oland (schwarz/weiß) in derselben Pose wie auf der ersten Fox-Box (farbig), allerdings bekommen wir hierzulande die Filme sogar in chronologischer Reihenfolge. Wie auf dem Cover steht „4 Spielfilmklassiker auf 4 DVDs“:

London / ÄgyptenAußerdem mit drauf: „Eran Trece“, die spanische Fassung des verschollenen ersten Films der Serie „Charlie Chan carries on“ („Charlie Chan macht weiter“), mit dt. Untertiteln.

Die schwarzen Scheiben selbst sind weiß beschriftet. Enthalten ist jeweils eine selbstlaufende Bildergalerie, der englische Originalton sowie englische Untertitel (negativ: keine deutschen). Die Extras der Original-DVDs sind mit deutschen Untertiteln versehen worden, wer also mehr über Charlie wissen will erfährt eine ganze Menge in:

  • Charlie Chans Vermächtnis
  • Die Suche nach Charlie Chan
  • Der echte Charlie Chan

Paris / KamelDazu kommen:

  • Englischer Kinotrailer zu „Charlie Chan in London“
  • Englischer Audiokommentar zu „The black Camel“

Wer Karton erwartet hat, wird enttäuscht, die DVDs stecken jeweils in Slim-Hüllen deren Covers den Originalen nachempfunden sind (allerdings mit mehr schwarz-Anteil).
Insgesamt bleibt also etwas Steigerungspotential, denn auf der Box ist vorne wie seitlich „Teil 1“ zu lesen: Fortsetzung folgt hoffentlich bald!