Ende der 1940er Jahre in den Niederlanden: Der junge Amsterdamer Zeichner Nico Draak setzte diverse Comicserien nach eigenen Ideen fort, u.a. Tarzan. Vermutlich geschah das, ohne irgendeine Lizenz dafür zu haben.
Diese Comics wurden vom »VERLAG I.C. en T.I.« aus der Kikkerstraat 24 in Den Haag als Bilder-Romane vermarktet.
Darunter auch vier Heftchen mit Abenteuern um Charlie Chan zwischen 1947 und 1949.
Heft 3 wurde mit »Charley Chan« betitelt. Vielleicht lag das an MONOGRAM, wo damals noch Chan-Filme gedreht wurden, jedoch die Schreibweise mitunter ebenfalls frei interpretiert wurde.
Über die Qualität der Comics lässt sich mangels Sprachkenntnissen wenig sagen. Die Charaktere sind recht kantig gezeichnet. Jedes Heft enthält 128 „nummerierte Bilder“ (2 Reihen pro Seite) auf jeweils 64 Seiten. Alles schwarz/weiß.
Charlie Chan als Figur trat erst am Ende der Zweiten Fortsetzung erstmals auf. Doch die Figur hinterließ bleibenden Eindruck und in zahllosen Leserbriefen wurde ein weiteres Abenteuer gewünscht.
Zunächst jedoch, noch im selben Jahr, erschien das Werk bei Bobbs-Merrill in Buchform (links).
Anno 1926 erschien der zweite Roman mit Charlie und der Detektiv eroberte weitere Fan-Herzen …
Seither gab es Buch-Ausgaben und Abdrucke in Tageszeitungen oder Magazinen rund um die Welt.
The House without a Key (englisch, 1925)
Het huis zonder sleutel (niederländisch, 1925)
Das Haus ohne Schlüssel (deutsch, 1927)
Dum bez klíce (tschechisch, 1928)
Ház amelynek nincsen kulcsa (ungarisch, 1930)
La casa senza chiavi (italienisch, 1936)
Avaimeton talo (finnisch, 1937)
Charlie Chan revient (französisch, 1939) – später: La Maison sans clef
La casa sin llaves (spanisch, 1940)
A casa sem chaves (portugiesisch, 1954)
Charlie Chan og Honolulu-mysteriet (norwegisch, 1997)
Dom bez klucza (polnisch, 2009)
Anahtarsız ev (türkisch, 2013)
Huset som saknade nyckel (schwedisch, 2015)
Hús án lykils (isländisch, ?)
Manche Buch-Covers greifen Szenen aus dem Roman auf:
Als Minerva im Dunkeln den Mörder ihres Bruders anhand der selbst-leuchtenden Armbanduhr bemerkt. Das Ziffernblatt ist sehr oft auf Covern zu finden.
Der große Koffer mit bzw. die kleine TMB-Kiste selbst. Sie wird früh im Roman gestohlen, aber spielt noch eine Rolle.
Der groteske Moment, als eine kleine Eidechse durch das Blut des Ermordeten läuft und eine Spur hinterlässt.
Einige Internationale Ausgaben sind auf der Bücher-Seite verlinkt.
Zweimal wurde der Stoff verfilmt: 1926 mehr als Abenteuer-Serial mit vielen Cliffhangern.
Später, 1933, mit Warner Oland in der Hauptrolle in einem leider, leider verschollenen Film.
Im Oktober 1960 kehrte Roland Winters, der Charlie Chan in 6 Filmen gespielt hatte, nach über einer Dekade zur alten Rolle zurück.
Allerdings nur zu einem einminütigen Werbespot für Cluett-Peabody Co. Hemden auf ABC-TV.
Charlie findet eines der Hemden beim Durchsuchen einer Wohnung und erklärt Sohn Nummer Eins (ein mir unbekannter Schauspieler) im Krimistil jedes Verkaufsargument für die neuen Golden Arrow S.D.C. Hemden: Sofort nach dem Waschen tragbar, nach dem Schleudern in einer Waschmaschine faltenfrei usw.
Am Ende sagt er: »Ehrenwerter Vater trägt selbst Golden Arrow S.D.C. Lässt auch ihn gut aussehen.«
Als nächstes spielte Marvin Miller 1968 in einer ebenfalls schwarz/weißen Volkswagen-Werbung, in der er bewies, dass ein bandagierter Patient doch der Täter sein konnte. „Gee, Pop, der Verdächtige kann keine Kupplung treten.“ Doch Charlie wusste, der VW Käfer hatte Automatik-Getriebe!
1979 trat der Schauspieler für Continental Airlines auf. Allerdings erst am Ende des Spots, um sich über das servierte Entengericht zu freuen – in Farbe, namenlos und ohne Kriminalfall.
John L. Swann hat letztes Jahr mit »Death, I said« seinen ersten Chan-Krimi herausgebracht. Unter all den Veröffentlichungen der 2020er kam er bei Fans und Lesern sehr gut weg.
Im zweiten Wurf, »The Tangled String«, möchte Rose Chan in Boston heiraten. Charlie, der stolze Vater, reist samt Frau und Kindern an. Familiengeheimnisse, ein Einbruch sowie ein Todesfall kommen dazwischen. Charlie Chan darf viele verwirrte Schnüre aufdröseln, bis er den vertrackten Fall gelöst hat und die Hochzeit stattfinden kann.
Das Buch »Charlie Chan And The Jade Clue: The Prequel« vom 28. Juni dieses Jahres schickt Charlie Chan zurück in die 1920er Jahre. Es handelt sich um den ersten Band der Reihe »Charlie Chan Is Back«.
Charlie ist ein einfacher Polizist in Honolulu und bekommt es zu tun mit Mord und einem Schmugglerring.
Der Zweite Teil »Charlie Chan And The Hotel Murder« vom 24. Juli dreht sich um einen Diplomaten, der im Orchid Hotel stirbt, wo gerade auch Inspector Martha Blake weilt.
Autor Alessandro Zamboni hat schnell hintereinander zwei Geschichten geliefert, seither herrscht Stille.
Der Autor schickte 2014 seinen »Hollywood Cowboy Detective« Curly Woods in »Mystery of the Arizona Dragon« auf die Spuren von Spionen, wobei die Chan-Film-Stars Warner Oland und Keye Luke mit von der Partie waren.
In ATOMIC HAMMER geht es um Chan-Darsteller Nummer 2, Sidney Toler, der offenbar verschwunden ist. Wieder ist Curly Woods mit seinen Kumpels unterwegs und wer Spionage-Western mag, dürfte auf seine Kosten kommen.
Hier handelt es sich nicht um Comics, obwohl die BETTER LITTLE BOOKS auf Alfred Andriolas Chan-Comics basieren. In diesen drei kleinen Büchern werden einige der Täglichen Strips schlicht nacherzählt.
Je einer Seite Text steht eine Illustration aus Andriolas Comic gegenüber.
„Charlie Chan„, #1478, Whitman, 1939:
„Dunkles Licht“ und „Grissac, der Juwelendieb“
„Charlie Chan Solves A New Mystery„, #1459, Whitman, 1940:
„Das Geheimnis des Papageis“
„Inspector Charlie Chan – Villainy On The High Seas„, See ‚em move, #1424, Whitman, 1942:
„Der Golfstrom-Damm“
Nicht nur in den USA wurde Alfred Andriolas Charlie Chan Comic veröffentlicht. In der Luxemburger illustrierten Wochenschrift »A-Z« erschien ab 23.12.1939 ein Nachdruck des Charlie Chan Sonntagscomics. Es handelt sich dabei um den Schluss von »Keeno der Entführer«, der in den USA im Frühjahr erschienen war. Charlie ist zusammen mit dem Kollegen Kirk Barrows und seiner Freundin Gina Lane auf der Spur von Entführern.
Geschnipselt und Umgetextet: Küssen wird zu umarmen
Wieso man dabei mitten in der Story einstieg, mit den abschließenden zwei Panels vom 19.03.1939, gerade als Gina dem Übeltäter die Waffe aus der Hand geschlagen hat, ist unklar. Nach zwei A-Z-Ausgaben ohne Comic ging es ab 15. Januar weiter, jedoch endet der Abdruck am 24.3.40 (mit Original-Panels vom 04.06.39), kurz vor der kriegsbedingten Einstellung der Zeitschrift mit dem 12. Teil. Von den 24 oder mehr Seiten der A-Z blieben für die fünf letzten Ausgaben im April und zum ersten Mai nur mehr 8 Seiten ohne Comic übrig.
Leider hielt man sich nicht an die Original-Formatierung, d.h. statt 3×4 Panels wurden 3×3 abgedruckt, so dass mögliche Cliff-Hanger des Originals nicht stattfanden. Die Kolorierung ist okay, wurde aber ebenfalls geändert. Wo Gina im Original ein gelbes Kleid trägt, als sie sagt »Ich sehe schrecklich aus in rot«, trägt sie in der A-Z ein rotes (ok, rot-braunes). Noch prüder als die Amis wird es, als drei Strand-Panels vom 28.05. des Originals entfallen. Aus einem Dialog wie »Honey, I could kiss you!« wird »Ich möchte dich dafür umarmen«, aber ehrlicherweise ist die Übertragung insgesamt eher holprig.
Man kann einiges bemängeln, bis hin zum Lettering, das gelegentlich die Sprechblasen sprengt, aber immerhin sind es die Luxemburger überhaupt mal angegangen. Es ist vermutlich bis heute die einzige deutschsprachige Übersetzung von Charlie Chan Comics. Kein Schatz aber ein nettes Kuriosum. Lesen bei Luxemburgensia
Die unten genannten Titel zu Charlies Fällen in Andriolas Zeitungscomics sind mehr oder weniger »erfunden« und dienen der Unterscheidung. Offizielle Titel gab Andriola offenbar nicht heraus.
Einige Nachdrucke von damals gibt es im Web zu lesen: Angefangen bei »Feature Comics« (abgekürzt: FC), ab August 1939, und »Big Shot Comics« (BS), ab Mai 1940 – Jeweils monatlich und in Farbe (Pause zwischen April und September 1942)!
Seither gab es zahlreiche Nachdrucke. Die letzte kurzzeitige Heft-Ausgabe einiger Abenteuer erschien offenbar von März bis August 1989 bei »Eternity« (ET). Wie üblich fällt bei Nachdrucken gerne mal ein Panel raus oder wird verändert, daher geht im Zweifel nichts über die Originalausgabe.
Bei Caniffs »Terry und die Piraten« wurden bald täglicher und Sonntags-Comic zu einer durchgängigen Geschichte verschmolzen. Hieran versuchte sich auch Andriola. Die beiden so publizierten Geschichten, in der Liste unten betitelt als »Keeno schlägt wieder zu« und »Zirkus-Mörder«, lesen sich allerdings recht holprig und der Zeichner beendete diese Phase bald wieder. Kurioserweise übersahen Nachdrucke häufig die Verbindung und so veröffentlichte »Big Shot Comics« 1941 nur für die zweite Geschichte einige Sonntagsseiten, wodurch die Leser es mitunter echt schwer hatten zu folgen. Vielleicht der Grund, wieso der „Pacific Comics Club“ just diese beiden Geschichten 2001/2 nachdruckte, und „Daily and Sunday strips“ berücksichtigt.
Immer wieder wurde dem täglichen Strip beim Erstabdruck ein Panel mit »Charlie Chan Club News« beigefügt, in denen die Leser zu Wort kamen, ihnen Zeichnungen gewidmet oder deren Werke gezeigt wurden.
Tägliche Strips, teilweise ab 24., offiziell erst ab 31. Okt 1938:
-29. Okt 1938 – 6 Bewerbungs-Streifen – -17. Dez 1938 Dunkles Licht (FC23) -28. Jan 1939 Grissac, der Juwelendieb (FC24) -27. Apr 1939 Opfer der Goldmine (FC25-26, ET1-2) -01. Jun 1939 Kind in Angst (BS4-5, ET3) -25. Jul 1939 Tödlicher Kameraschuss (BS1-3, ET4) -16. Sep 1939 Südamerika-Reise (BS6-9, ET5) -17. Nov 1939 Das Geheimnis des Papageis (BS9-12, ET6) -14. Jan 1940 Keeno schlägt wieder zu (BS12-15) -21. Mär 1940 Zirkus-Mörder (BS16-22) -22. Aug 1940 Der Falke und das Kind (BS23,27-36) -16. Okt 1940 U-Boot-Abenteuer (BS36-40) -19. Nov 1940 Der Golfstrom-Damm (BS41-43) -21. Dez 1940 Jagd auf Spione (BS43-45) -14. Mär 1941 Das Arsenal (BS45-52) -09. Mai 1941 Überfahrt nach Japan (BS52-55) -14. Aug 1941 Die verschwundenen Hunde -29. Nov 1941 Dschungel Poppy -18. Feb 1942 Des Königs Kopf -06. Apr 1942 Condor Ranch -30. Mai 1942 Shark Island
BigShot Reprint – Hier wurde ausnahmsweise nicht gekürzt sondern Beine angestückelt
Sonntags-Comic, ab 30. Okt 1938:
-20. Nov 1938 – Ein-Seiter – -12. Feb 1939 Der ermordete Hollywoodstar (FC27) -21. Mai 1939 Keeno der Entführer (FC28-29) -30. Jul 1939 Clipper Piraten (FC30) -01. Okt 1939 Crofts Tempelrubine (FC31) -19. Nov 1939 Wan Chings Gewehrpläne -21. Mär 1940 – Siehe tägliche Strips – -09. Jun 1940 Der vergiftete Baseball (Mickey Finn 3, S. 53-65) -25. Aug 1940 Die hypnotisierte Frau (Columbia 1, S. 22-30) -10. Nov 1940 – Ein- und Zwei-Seiter – (BS56,57,58) -08. Dez 1940 Mörder in Weiß (BS59) -22. Dez 1940 Fälscher-Weihnachten (BS62/) -12. Jan 1941 Entführer in der Mühle (BS65) -02. Feb 1941 Der Tod der Brautjungfer (BS64) -16. Feb 1941 Lee knackt einen Code (BS62/) -09. Mär 1941 Der Boswell-Smaragd-Anhänger (BS63) -16. Mär 1941 Zwei Seiten von Lee (BS57/) -18. Mai 1941 Der maskierte Mann (BS76-78) -08. Jun 1941 Schießerei in der Schweiz (BS61) -06. Jul 1941 Die Katze als Einbrecher (BS60) -14. Sep 1941 Mord durch Lotterie (BS71-73) -19. Okt 1941 Die Zahl des Teufels -30. Nov 1941 Mord im Pfandhaus (BS74-75) -01. Feb 1942 Flugzeugabsturz (BS66-67) -19. Apr 1942 Lee in der Falle (BS68-70) -10. Mai 1942 Theatermord -31. Mai 1942 Arsen und Cholera Morbus
»LOAC Essentials Volume 13: Charlie Chan« Nachdruck täglicher Charlie Chan Comics von 1938/39 (Hardcover im Strips-Format, 344 Seiten, 3.9.2019)