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CHARLIE CHAN Krimi-Magazin

Charlie Chan Mystery Magazin - The silent corpseIm November 1973 erschien tatsächlich ein neues Abenteur von Charlie Chan. Im „CHARLIE CHAN Mystery Magazine“ wurden allerdings Krimis im Heftchenromanstil erzählt. Die Prüfung auf Chanfaktoren fällt nicht gut aus: Modernes Amerika, wenig Humor, das Pärchen in Not kommt praktisch nicht vor.

Jedes Heft enthielt neben der großen Charlie-Chan-Story noch weitere Kurzgeschichten. Ausgabe Nummer 1 hieß (ungefähr) „Sei sanft, Würger“ und der tote Stummfilmstar wurde denn auch erwürgt. Charlie wirkt leider nicht sehr souverän. Ausgabe 2 erschien im Februar 1974 mit dem Titel „Der schweigende Tote„. Eine Mords-Begräbnisfeier in einem durch Sturm abgeschnittenen Haus auf Hawaii – leider kein Heimspiel für Charlie.

The pawns of deathIm Mai folgte mit „Der Tempel der goldenen Horde“ eine Mafiageschichte. Alles andere als typisch Chan und auch genauso umgesetzt. Im August 1974 kam bereits die letzte Nummer. „Die Bauern des Todes“ verweisen auf ein Schachduell in einem Pariser Hotel. Tödlich ist allerdings nur 1 Bauer und Charlie hat keine Mühe. Der Autor „Robert Hart Davis“ enttarnt sich in den 2000er Jahren bei Neuausgaben der Stories als das Autorenteam Bill Pronzini & Jeffrey M. Wallmann.

Die Kurzromane lesen sich relativ flüssig und man kommt schnell durch. Mitraten ist teilweise möglich aber nicht notwendig. Außer gelegentlichen Sprüchen erinnert die 1970er-Umgebung in keiner Weise an die klassischen Filme.

Sekundärliteratur: »In Manors and Alleys«

Jon Tuskas Buch »In Manors and Alleys« von 1988 ist ein Megaschinken von 450 fast bildbefreiten Seiten mit 9 Kapiteln. Abgehandelt wird im Handbuch des amerikanischen Detektivfilms (so der Untertitel) praktisch alles, was man an prominenten Namen aus Detektiv- und Krimikreisen kennt.

Jon Tuska - In Manors and AlleysKlar, dass Charlie Chan dort vergleichsweise wenig Platz einnimmt, aber immerhin haben die »Oriental Detectives« (auch Mr. Moto und Wong) ein eigenes Kapitel von 36 Seiten. Das erscheint jetzt nicht so viel, aber es hängt eben immer von der Menge an Informationen zusammen, die der Autor jeweils sammeln konnte. Der dünne Mann kommt auf 43 Seiten (in denen es hauptsächlich um Autor Hammet geht) und Holmes – obwohl unbestritten »der Größte« – kommt gerade auf 40.

Da Tuska einer der Ersten war, der aus Recherchen und Interviews solche Werke zusammenstellte (u.a. auch über Western-Filme), ist vieles davon mittlerweile über zahllose andere Bücher und Webseiten verteilt. Haben die sich an jener Quelle bedient oder es anderweitig recherchiert? Die meisten Chan-Filme sind wenigstens in einem Satz erwähnt, von »Charlie Chan in Ägypten« kann sich der Autor im Gegensatz zu vielen späten Chans kaum losreißen und liefert viele Zusatzinformation.

Mal ein Blick zur Konkurrenz, etwa Agatha Christie: Man erfährt vielerlei Kleinigkeiten aus der guten alten Zeit, so dass Charles Laughton einst Hercule Poirot auf der Bühne spielte, Basil »Sherlock« Rathbone schon in einer ALIBI-Verfilmung dabei war oder das »Mörder Ahoi!« zwar als vierter Marple-Film produziert, damals aber vor dem Dritten rausgegeben wurde.

Jon Tuska: »In Manors and Alleys«, Verlag: Greenwood Press
Dicht gepackt. Viele Lesestunden garantiert. Chan-Fans, die auch anderen Ermittlern gern zuschauen, sind hier richtig.

Sekundärliteratur: »Charlie Chan at the Movies«

Ken Hanke - Charlie Chan at the Movies
Der vollständige Titel von Ken Hankes Buch lautet »Charlie Chan at the Movies – History, Filmography and Criticism«. Das Buch beschäftigt sich auf 260 Seiten mit den Filmen der Serie aus den 1930er und 1940er Jahren.

Nach einer kurzen Einführung gliedert sich das Werk nach Hauptdarstellern und Studios, wobei jeweils eine kurze Einleitung enthalten ist: Warner Oland, Sidney Toler at 20th Century-Fox, Sidney Toler at Monogram, Roland Winters. Dazu kommen auf der letzten 5 Seiten die beiden Kapitel „Imitations and Offshots“ (Mr. Moto / Mr. Wong) sowie „Later Chans“.

Zu jedem Film gibt es Titel, Produktionsbeteiligte und Schauspieler. Dazu kommt ein Produktionsfoto (bei „Oper“ sogar zwei) alternativ ein Plakat. Gefeatured wird außerdem einer von Charlies Sprüchen, wobei auch im darauf folgenden Text gerne mal Dialoge aufgegriffen werden. Meist gibt es eine Handlungsbeschreibung (außer der Autor findet sie zu hanebüchen) mit launigen Kommentaren.

Hanke geht nicht nur inhaltlich auf die Filme ein sondern auch auf die technische Umsetzung, sprich Regie und Kameraarbeit. Dazu gibt es Einblicke hinter die Kulissen, vor allem aus einem Interview mit Keye Luke.

»Charlie Chan at the Movies«, Verlag: McFarland, 1989
Alles zu den Filmen der alten Serie. Flüssig zu lesen. Perfekt für Chan-Fans mit passablen Englisch-Kenntnissen.

Sekundärliteratur: »A Guide to Charlie Chan Films«

Charles P Mitchell - A Guide to Charlie Chan FilmsDas Buch von Charles P. Mitchell wurde 1999 bei Greenwood Press herausgebracht.
Enthalten und ausführlich besprochen werden alle erhältlichen Filme von 1929 bis 1981.
Der Autor wurde zum Fan, als er den Anfang von „Docks von New Orleans“ sah. Ein Klient kommt auf Anraten eines gewissen Charles Mitchell zu Charlie.

Nach 4-seitigem Vorwort und einem kurzem Überblick (16 Seiten) über Romane, Schauspieler und mehr bilden die alphabetisch sortierten Filme den Hauptteil mit 215 Seiten. Im 20-seitigem Anhang finden sind dann Sachen wie die Mördergalerie, eine Liste der Kinder und der „verlorenen“ Filme sowie einige Worte zu den TV-Serien und einiges mehr. Nicht zu vergessen die 15 ganzseitigen Bilder verschiedener Produktionen.

Zu jedem Film gibt es ein Rating und Produktionsdaten. Nach einigen einführenden Worten zur Produktion folgt die Handlungsbeschreibung und schließlich die Schauspieler in der Einzelkritik sowie eine Auflistung von Charlies Sprüchen. Nur kurz gibt es einen Blick hinter die Kulissen, wichtig ist hier das was auf der Leinwand zu sehen ist. Fans mit Englisch-Kenntnissen erhalten ein ordentliches Nachschlagewerk.

Sekundärliteratur: »The Charlie Chan Film Encyclopedia«

Howard M. Berlin brachte die Enzyklopädie im Jahr 2000 bei McFarland & Company heraus. Das Buch dreht sich um die schwarz/weißen Filme bis 1950. Das alphabetisch sortierte Nachschlagewerk erstreckt sich auf ca. 350 Seiten, dem sich ein 15-seitiger Index anschließt.

Die Handlung der Filme wird jeweils knapp besprochen, zu vielen Schauspielern gibt es Kurzbiographien, dazu einige Worte zu den Romanen. Daneben werden etliche Rollen besprochen, die oscarprämierten Produktionsbeteiligten aber auch auffällige Elemente aus den Filmen wie Zimmeroder Telefonnummern.

Eine Vielzahl von Fotos, einige echt sehenswert, runden die Enzyklopädie ab. Wer ein nicht ganz alltägliches Buch zur Serie haben will, wird hier prima bedient.

Neues Buch: Charlie Chan – Eine schwarz / weiße Ära

Anfang Oktober erschien das erste umfassende deutschsprachige Werk zur Kinofilm-Reihe: „Charlie Chan – Eine schwarz / weiße Ära“. Erhältlich als Taschenbuch und ebook bei Amazon.

Auf 478 Seiten werden alle Filme besprochen, inklusive der verschollenen, der Stummfilme, der Nachzügler usw. Es gibt Biographien zu den wichtigsten Schauspieler(inne)n. Auch die amerikanische Geschichte der 1930/40er Jahre ist immer wieder Thema.

Heiter oder herzig ging es vor und hinter den Kulissen nicht immer zu. Hollywood behinderte so manche Filmkarriere. Davon können Anna May Wong oder Mantan Moreland uva erzählen.

ISBN-10: 1549879634
ISBN-13: 978-1549879630
Größe und/oder Gewicht: 15,2 x 2,7 x 22,9 cm

Sekundärliteratur: Charlie Chan’s Words of Wisdom

Howard M. Berlin hat 2001 nach der Enzyklopädie noch ein Buch über Charlies Sprüche nachgelegt. Gegliedert ist „Words of Wisdom“ nach Filmen, zunächst der Charlie-Chan-Filme mit Oland, Toler und Winters. Danach folgen die Mr. Moto Filme mit Peter Lorre in der Hauptrolle und zum Abschluss gibt es zwei Dutzend Filmfotos.

Auf 124 Seiten werden die Bereiche kurz eingeführt, zu jedem Film gibt es eine Cast-Liste. Wer nicht genug bekommt von Charlies Sprüchen ist hier genau richtig.

Das vierte Sekundärwerk, dass sich nur mit Charlie beschäftigt: Charlie Chan’s Words of Wisdom – First Wildside Press, 2001 von Howard M. Berlin